Das laute Schweigen: Kaum ein US-Politiker bezeichnet das Attentat in Charlottesville als Akt des rechten Terrors

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CHARLOTTESVILLE
Nur wenige US-Politiker bezeichnen das Attentat in Charlottesville als Akt des rechten Terrors - das zeigt ein Problem der USA | Getty
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  • Die rechtsextremen Krawalle in Charlottesville erschüttern die Vereinigten Staaten
  • Viele Politiker verurteilen die rechte Gewalt und beklagen das PKW-Attentat vom Samstag
  • Doch nur wenige sprechen das Wort "Terror" aus - ein Zeichen eines großen Problems der USA

Mit voller Geschwindigkeit rast James Fields am Samstag in Charlottesville in eine Gruppe friedlicher Demonstranten. Sein Auto schleudert Menschen aus dem Weg, überrollt sie. Es kommt erst zum stehen, als Fields ein anderes Auto rammt.

Darauf legt er den Rückwärtsgang ein, steigt schließlich aus und läuft langsam vom Ort des Geschehens weg. Um ihn herum liegen dutzende Verletzte. Eine Frau stirbt.

James Fields ist ein 20-jähriger weißer US-Amerikaner. Die Polizei kann ihn kurz nach der Tat festnehmen. Das FBI ermittelt jetzt, wegen Mordes, bisher jedoch nicht wegen Terrorismus.

Das lässt bei vielen Journalisten, Politikern und Bürgerrechtlern in den USA einen bitteren Verdacht aufkommen: Eben weil Fields ein 20-jähriger weißer US-Bürger ist, weil er eben nicht Muslim ist oder "Allahu Akbar" rief, gilt er als Mörder. Und nicht als der Terrorist, der er ist.

Selbst Republikaner bezeichnen Fields Tat als Terror

Es hilft nicht, dass Donald Trump es vermied, die rechte Gewalt in Charlottesville eindeutig zu verurteilen. Dass der US-Präsident von "Hass und Fanatismus" auf allen Seiten sprach, von einem tragischen Ereignis - nicht jedoch von rechtsextremem Terror.

Dabei machen viele US-Medien Trump gerade mitverantwortlich für die Ereignisse in Charlottesville - unter ihm sei im Land ein "Gemisch des Hasses" entstanden, das rechte Gewalttäter motiviere, schrieb etwa die "Washington Post".

So war es an Senatoren wie dem Republikaner Marco Rubio, als erster die richtigen Worte für die Attacke zu finden. "Es ist wichtig für unsere Nation, dieses Ereignis als das zu bezeichnen, was es war: Eine Terrorattacke durch Rechtsextreme."

Rubios Senatskollege Ted Cruz rief das US-Justizministerium dazu auf, "sofort diesen grotesken Akt des Terrorismus zu untersuchen."

Und doch schwiegen zunächst und bisher viele Politiker - Demokraten wie Republikaner -, wenn es um das Wort "Terror" in Zusammenhang mit Charlottesville ging. Die meisten US-Kongressabgeordneten und Senatoren verurteilten die rechtsextreme Gewalt in Charlottesville auf die eine oder andere Weise.

Doch der sonst durch Terroranschläge ausgelöste Aufruhr in den Reihen der Politik fiel aus.

Die Attacke in Charlottesville sollte "als gezielter Akt des inländischen Terrorismus" eingestuft werden, hieß es deshalb am Sonntag in einer Erklärung Stellungnahme des Wiesenthal-Zentrums. Die NGO engagiert sich gegen Rechtsextremismus und ist bekannt für seine Suche von Nazi-Verbrechern auf der ganzen Welt.

Das in Los Angeles beheimatete Zentrum rief US-Spitzenpolitiker, allen voran Präsident Donald Trump, dazu auf, "die extreme Alt-Right-Bewegung und die weißen Nationalisten, die Hass, Misstrauen und Gewalt säen, eindeutig zu verurteilen."

Die Terror-Definition in den USA ist extrem einseitig

Das dieser Aufruf nötig ist zeigt ein Problem der USA: Terror ist in den Köpfen vieler US-Bürger und -Politiker ein mit dem Islamismus verbundener Begriff. Schreit ein Attentäter "Allahu Akbar" oder bekennt sich zum IS, wird sofort von einem Terroristen gesprochen.

Trifft hingegen ein Bombenanschlag eine Moschee in Minnesota, wie vor einer Woche, dann äußert sich US-Präsident Trump nicht einmal dazu.

Auch als zu Beginn des vergangenen Jahres eine Gruppe von gewalttätigen Nationalisten - die Bundy-Bande - ein Regierungsgebäude in Oregon besetzte und dabei einen FBI-Mitarbeiter erschoss, war auch nicht von Terrorismus die Rede. Obwohl die Bundys klar ausdrückten, dass sie gegen den Staat zu Felde zögen.

Nun also das Attentat von James Fields, das als Mord eingestuft wird.

Seit 9/11 ist Terror in den USA islamistisch - und nichts anderes. Die Gewalt Rechtsextremer bleibt vor dem Gesetz zu oft eben das: Gewalt, scheinbar unpolitisch. James Fields wusste, das er auf eine Demo der Rechten gehen würde; seine Mutter bestätigte das der "Washington Post". Er wusste, wen er mit seinem Auto überfuhr.

Ja, er war ein Mörder. Ja, er war ein Terrorist.

Mit Material der dpa

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(jg)

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