POLITIK
12/08/2017 21:39 CEST | Aktualisiert 13/08/2017 14:14 CEST

Trump kommentiert Neonazi-Ausschreitungen – viele sehen sein Statement als "neuen Tiefpunkt"

White Hosue
Trump verurteilt Ausschreitungen in Charlottesville: "Es gibt Hass auf vielen Seiten"

  • Bei einer Neonazi-Demo kommt in den USA am Samstag mindestens ein Mensch um

  • Es ist von einem rechten Attentat auszugehen, schon zuvor gab es Krawalle

  • Donald Trump gibt die Schuld "vielen Seiten" – und wischt das Problem beiseite

Donald Trump hat sich am Samstagabend bei einer Pressekonferenz zu den Vorfällen in Charlottesville geäußert. Zwar verurteile den "Hass und den Fanatismus" auf die "schärfst mögliche Weise", dennoch trat das Statement des US-Präsidenten eine Welle der Empörung los.

Der Grund: Trump betonte, "Hass und Fanatismus" gebe es "auf vielen Seiten". "Und ihn gibt es schon lange", erklärte der US-Präsident weiter.

Das war vielen Beobachtern zu wenig. Denn eine klare Haltung gegen Extremisten und Neonazis klingt anders.

Was war passiert?Ein Auto war am Rande einer Kundgebung von Rechtsextremisten in Charlottesville (US-Staat Virginia) in eine Gruppe von Gegendemonstranten gerast. Mindestens drei Menschen starben. Die Polizei geht von einer absichtlichen Tat aus.

Schon zuvor war es zu brutalen Ausschreitungen zwischen Rechten und Gegendemonstranten gekommen, Bilder zeigen Neonazis, die den Hitlergruß zeigen, Hass erfüllte die sonst idyllische Studentenstadt.

Zahlreiche US-Journalisten reagierten entsetzt auf das Statement des Präsidenten. Ihr Ärger galt der Wortwahl Trumps, der das Problem des Rechtsextremismus nicht beim Namen nannte und die Neo-Nazis nicht für die Gewalt-Ausschreitungen verantwortlich machte.

Auch zu dem mutmaßlichen Auto-Attentat verlor der Republikaner kein Wort.

"Um es klarzumachen: Eine Nazidemo endet tödlich, der Präsident sagt ein paar Sätze dazu, in dem er 'vielen Seiten' die Schuld gibt und ändert das Thema", schrieb etwa Olivia Nuzzi‏ vom "New York Magazine".

David Axelrod, Kommentator von CNN, fragte: "Was für ein Signal sendet der Präsident hier?"

"Nicht wegen Donald Trump, nicht wegen Barack Obama, das gibt es schon lange", sagte Trump weiter – offenbar um seine Unschuld an den Geschehnissen zu beteuern.

Auf Nachfragen der Journalisten zu Charlottesville reagierte Trump nicht, verließ nach seinem Pressekonferenz pünktlich den Saal. Die Live-Übertragung des Weißen Hauses brach ab.

John Favreau, ehemals Redenschreiber von Obama, nannte Trumps Statement "einen neuen Tiefpunkt seiner Präsidentschaft".

Schon zuvor war Kritik an der späten und wenig konkreten Reaktion Trumps auf den Nazi-Aufmarsch laut geworden. Der US-Senator Chuck Schumer warf Trump vor, nicht explizit den Hass der Rechtsextremisten zu verurteilen. "Bis das passiert, hat er seinen Job nicht gemacht", schrieb der Demokrat.

Dass es besser geht, zeigte indes Trumps Parteikollege Marco Rubio.

Der schrieb bei Twitter: "Es gibt nichts Patriotisches an den Nazis, dem Ku-Klux-Klan oder weißen Rassisten. Das ist genau das Gegenteil davon, wie Amerika sein will."

Die regionale Zeitung "The Daily Progress" hatte bereits in ihrer Samstagsausgabe mit einem Trump-kritischen Titelblatt auf die Proteste des Vorabends reagiert.

"Fire and Fury", "Feuer und Zorn" hatte Trump als Reaktion auf einen möglichen Angriff Nordkoreas angekündigt. Nun zeige sich "Feuer und Zorn" in Charlottesville, wo fackeltragende Rechtsradikale "Blut und Boden" und andere Nazi-Parolen skandierten.

Rechte Gewalt in Charlottesville: Virginias Gouverneur McAuliffe hält die Rede, die Trump hätte halten müssen

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