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12/08/2017 10:24 CEST | Aktualisiert 12/08/2017 12:28 CEST

Die Menschen auf der Insel Guam nehmen Nordkoreas Drohungen ernst - aber verstehen die weltweite Aufregung nicht

Erik de Castro / Reuters
Wenn Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un Guam attackiere, dann werde er das bereuen. «Und er wird es schnell bereuen»

  • Donald Trump droht Nordkorea, Nordkorea droht Donald Trump - und der kleinen Insel Guam

  • Auf der hat die US-Armee Truppen stationiert, die im Falle eines Angriffes den Kampf gegen das Kim-Regime aufnehmen sollen

  • Die Bewohner der Insel bleiben indes gelassen - sie stören sich eher an dem Trubel

Ob die USA für einen Krieg mit Nordkorea bereit seien, fragten Reporter am Freitag US-Präsident Donald Trump. "Ich denke, Sie kennen die Antwort darauf", war die ominöse Replik. Wenn Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un Guam attackiere, dann werde er das bereuen. "Und er wird es schnell bereuen."

Und die Menschen in Guam, auf die Kim seine Raketen richtet? Die bleiben ruhig - trotz Trumps Drohungen, trotz der weltweiten Aufregung.

"Ich werde an meinem Alltag absolut nichts ändern"

Etwa 16.000 Menschen leben auf der Pazifikinsel Guam, die als souveränes Territorium der USA gilt. Jeder von ihnen ist ein Bürger der USA, doch die meisten nennen sich einfach Guamaraner. Die Ureinwohner nennen sich "Chamarros" - und manche Scherzbolde "Guamy Bears" (etwa: "Gummibären").

Während die Bewohner des US-Festlands überaus besorgt auf die neuerlichen Provokationen Nordkoreas reagieren, sind die Bewohner Guams, das etwa 3540 Kilometer südlich des diktatorischen Staates liegt, die Drohungen des Kim-Regimes gewohnt. Sie finden: Alle Welt sollte einmal tief Luft holen und sich beruhigen.

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"Nordkorea hat doch eine lange Geschichte des Säbelrasselns", schreibt Eric Tydingco, der schon sein ganzes Leben auf Guam wohnt und Direktor der dortigen Make-A-Wish-Stiftung ist, der HuffPost. "Ich werde an meinem Alltag absolut nichts ändern - und ich glaube, die meisten meiner Freunde denken da ähnlich."

Tydingco schreibt, er vertraue darauf, dass das US-Militär mit seiner großen Truppenstärke auf Guam in der Lage sei, die Bedrohung aus Nordkorea abzuwenden, sollte es zu einem Angriff kommen. Auf Guam ist ein sogenanntes THAAD-Abwehrsystem installiert, das Raketen aus dem Himmel schießen kann.

"Wir haben zwei Militärbasen hier", schreibt Tydingco. Die seien zwar auch ein Grund, warum Nordkorea die Insel ins Visier nehme. "Aber ich bin sicher, die US-Militärs haben längst Pläne, wie sie alle möglichen Angriffe abwehren könnten."

"Ich glaube nicht, dass Nordkorea uns hier angreifen kann"

Auch Karly O'Neal, eine KFZ-Mechanikerin, die seit zehn Jahren auf Guam lebt, macht sich keine Sorgen. Sie hält die Gefahr, die Nordkorea für die Insel darstellen soll, für überzogen. "Ich glaube nicht, dass Nordkorea uns hier angreifen kann", schreibt sie in der HuffPost. "Selbst wenn sie uns angreifen könnten, dann würde die US-Armee ziemlich sicher dafür sorgen, dass uns hier keine Rakete erreicht."

Guams Gouverneur, Eddie Calvo, verkörperte diese Gelassenheit seiner Bürger jüngst in einem Interview mit dem Sender Fox News. "Diese kriegstreiberischen Aussagen, die sind doch nichts anderes als das, was wir seit 2013 von Nordkorea hören", sagte er am Mittwoch.

"Es gibt hier Vorsicht und Sorge, aber keine Panik", fügte er hinzu. "Wir rufen jedermann dazu auf, einfach ganz normal weiterzuleben, so wie jeden Tag."

Nicht jeder auf Guam bleibt gelassen und zufrieden

Aber nicht jeder Bewohner Guams bleibt ob der Bedrohung aus Nordkorea so gelassen wie Calvo. Der Chamarro-Dichter und politische Aktivist Craig Santos Perez sagte dem US-Magazin "The Atlantic", dass er wütend und besorgt sei, dass Guam überhaupt in dieser Lage stecke.

Nach den Drohungen aus Nordkorea sei er "natürlich erstmal besorgt" gewesen. "Aber dann wurde ich wütend, weil Guam hier zwischen die Fronten gerät", sagte Perez. "Ich glaube, Guam ist nur ein Angriffsziel, weil die US-Armee hier ist. Die Antwort ist kein Raketenabwehrsystem oder mehr Waffen - die Antwort auf die Krise ist Abrüstung."

Die Guamaraner sollten darüber nachdenken, wie sie zum Frieden in der Region beitragen könnten, zur nuklearen Abrüstung sowohl der USA als auch Nordkoreas.

Keine Sorgen um Guam, aber um die Welt - und den Tourismus

Auch die Mechanikerin O'Neal, die sich keine Sorgen vor einem direkten Angriff macht, befürchtet doch die internationalen Folgen der Nordkorea-Krise. "Selbst wenn sie nur versuchen, uns anzugreifen, könnte das den Dritten Weltkrieg auslösen", mutmaßt sie.

Ihr Alltag habe sich nicht verändert, außer der Tatsache, dass sie ein paar Notfallpläne parat habe. Den meisten Menschen auf Guam gehe es da wohl so wie ihr. Ihre wirklich größte Sorge liegt dann auch in einem viel konkreteren Bereich, der von Nordkoreas Drohungen betroffen sein könnte: dem Tourismus.

60 Prozent des jährlichen Einkommens von Guam macht dieser aus. O'Neil fürchtet, dass die Krise die Touristen von der Insel fern halten könnte.

Und dann sei da noch Donald Trump. "Wir bräuchten eigentlich einen Anführer, der jetzt einen kühlen Kopf bewahrt. Da wir den aber nicht haben, müssen wir wohl mit Trump klarkommen", schreibt O'Neil. Wenn sie dem US-Präsidenten eine Sache sagen könnte, dann diese, schreibt sie: "Wenn du es mit einem unsicheren Pulverfass zu tun hast, dann sei niemals ein Streichholz."

Dieser Artikel erschien zuerst in der HuffPost USA und wurde durch Josh Groeneveld übersetzt. Sie enthält Ergänzungen durch Material der dpa.

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(jds)

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