Nordkorea-Krise: Wenn Donald Trump eine Atombombe abwerfen will, kann ihn kein Gesetz oder Politiker daran hindern

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Nordkorea-Krise: Wenn Donald Trump eine Atombombe abwerfen will, kann ihn kein Gesetz oder Politiker daran hindern | Carlos Barria / Reuters
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  • Donald Trump hat in den vergangenen Tagen mehrfach das Regime in Nordkorea bedroht
  • Der US-Präsident schloss einen Atomschlag bisher nicht eindeutig aus
  • Sollte Trump eine Atombombe abwerfen wollen, so könnten Gesetze und Politiker in den USA ihn nicht aufhalten

Als Robert Oppenheimer, der Vater der Atombombe, das erste mal mit eigenen Augen die Zerstörungskraft seiner Schöpfung zu sehen bekam, war er tief erschüttert.

"Manche lachten, andere weinten", sagte der Physiker später über den ersten erfolgreichen Atomtest.

Dann zitierte er eine Stelle aus der Bhagavad-Gita, einem heiligen Buch der Hindus: "'Jetzt bin ich zum Tod geworden, zum Zerstörer der Welten' - ich glaube, wir alle dachten das auf die einer oder andere Weise." Wenige Monate später löschten die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki fast 130.000 Menschenleben aus.

Heute, lange nach Ende des Kalten Krieges, hat die Welt wieder Angst vor der Bombe - der mutmaßlichen Kim Jong-uns oder einer aus dem riesigen Arsenal Donald Trumps. Der US-Präsident drohte in den letzten Tagen recht unverblümt damit, Nordkorea anzugreifen.

Von "Feuer und Zorn" sprach er, ohne einen Nuklearschlag auszuschließen. Und sollte Donald Trump sich dafür entscheiden, den roten Knopf zu trügen, dann - so sagen Experten - kann ihn kein Gesetz, Politiker oder Militär daran hindern.

Im Alleingang zum Atomkrieg

Trump müsste für einen Atombomben-Abwurf kein unabhängiges Expertenkomitee überzeugen, kein Parlament und keine Richter. Seine Militärs müssten ihm gehorchen - oder würden, so sie sich weigern würden, Trumps Befehl auszuführen, vor einem Militärgericht landen.

Michael O'Hanlon, Experte für Sicherheits- und Außenpolitik am Brookings Institut, schrieb bereits im März letzten Jahres in einem Blog: "Nach Gesetz und Verfassung kann ein Präsident den Knopf jederzeit drücken. Militärs müssten den Befehl ausführen - sollten sie es nicht tun, vielleicht auf Befehl der Verteidigungsminister oder eines Generals, dann würden sie entlassen werden."

Auch Franklin Miller, der sowohl im Pentagon als auch im Weißen Haus für Nuklearfragen zuständig war, schrieb im vergangenen Jahr in der "New York Times": "Wenn der Präsident einen Atomschlag beschlossen hat, gibt es kein Veto. Nur er kann den Gebrauch von Nuklearwaffen anordnen."

Die USA: Eine "nukleare Monarchie"

In den USA herrscht also eine "nukleare Monarchie", wie es Joe Cirincione, Präsident des Ploughshare Funds, einer Organisation,
die sich für atomare Abrüstung einsetzt, dem Nachrichtenportal "Vox" sagte.

Laut diesem müsse der US-Präsident zwar mit dem stellvertretenden Direktor des Pentagon sowie mit dem Chef seines strategischen Stabs besprechen. Einfluss nehmen könnten diese jedoch nicht auf seine Entscheidung. Das gleiche gilt vermutlich für den US-Verteidigungsminister, wie der Historiker Alex Wellerstein in der "Washington Post" erklärte.

Zwischen Donald Trump und einem Atomkrieg steht also nur eines: Die moralischen Bedenken seiner Untergebenen. Die Welt wäre im Ernstfall auf einen weiteren Stanislav Petrov angewiesenen - jenen russischen Soldaten, der sich im September 1983 weigerte, einen mutmaßlichen Angriff der USA zu melden und der so eine Katastrophe verhinderte.

Vielleicht sollten Trumps Mitarbeiter ihm auch die bitteren Worte Oppenheimers ins Gedächtnis rufen. Oder die des Harvard-Professors Roger Fischer, der 1981 schrieb:

"Meine Lösung ist einfach. Packt die Abschusscodes in eine Kapsel und implantiert sie nahe dem Herzen eines Freiwilligen. Dieser folgt dem Präsidenten überallhin, mit einer Tasche unter dem Arm, in der er ein großes, schweres Schlachtmesser trägt. Wann immer der Präsident eine Nuklearwaffe abfeuern will, dann wäre seine einzige Möglichkeit dafür, zuerst ein einzelnes menschliches Wesen zu töten, mit den eigenen Händen.

Der Präsident würde sagen: 'George, es tut mir Leid, aber Abermillionen Menschen müssen sterben.' Er müsste einem Menschen in die Augen sehen und erkennen, was der Tod bedeutet - was ein unschuldiger Tod bedeutet. Blut auf dem Teppich des Weißen Hauses. Die gnadenlose Realität, schonungslos offengelegt."

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(lp)

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