POLITIK
12/08/2017 16:05 CEST

Merkel sagt, sie habe die Wahl noch nicht gewonnen – und denkt dabei wohl genau das Gegenteil

Yves Herman / Reuters
Merkel sagt, sie habe die Wahl noch nicht gewonnen – und denkt dabei wohl genau das Gegenteil

  • Angela Merkel sagt, die Wahl sei noch nicht entschieden

  • Das tut sie jedoch auf eine Art, die das genaue Gegenteil suggeriert

Für Kanzlerin Angela Merkel könnte es derzeit kaum besser laufen. Ihre Union steht in Umfragen derzeit bei rund 40 Prozent, die SPD bei 24. Viel tun brauchte die CDU-Chefin dafür bisher nicht: Auch während ihres Urlaubs in Südtirol brachen die Umfragewerte der Merkel-Partei nicht ein.

Jetzt ist die Kanzlerin wieder im Lande – und versucht im Wahlkampf den Eindruck zu erwecken, als erwarte sie noch ein spannendes Rennen um das Kanzleramt. In Dortmund gelingt ihr das allerdings nicht.

In der SPD-Hochburg spricht Merkel über die EU, die Lage der deutschen Wirtschaft und den Abgasskandal. "Die SPD ignoriert sie einfach“, empört sich "Spiegel Online“ über den wenig kämpferischen Auftritt.

Dann kommt Merkel noch einmal auf die Bühne. Eigentlich hatte sie ihre Rede schon beendet. "Ich habe ganz vergessen, zu sagen dass die Wahl nicht entschieden ist und wir jede Stimme brauchen", sagt Merkel.

Es ist ein Satz, der die genau gegenteilige Wirkung erzielt. Er klingt, als sei Merkel sich doch sicher, sie habe die Wahl gegen Martin Schulz gewonnen.

SPD kündigt an, Merkel jetzt härter anzugehen

Ob dieser Hochmut ihr gefährlich werden könnte? Darauf deutet derzeit wenig hin.

Immerhin: Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann hat gerade eine härtere Gangart seiner Partei im Wahlkampf angekündigt. "Die Schonzeit für Frau Merkel ist vorbei", sagte Oppermann dem Berliner "Tagesspiegel".

Bis zum Wahltag am 24. September werde die SPD Merkel "Tag für Tag mit den Herausforderungen und Problemen unseres Landes konfrontieren, aber auch mit den Chancen, die sie verspielt hat".

Merkel ruhe sich seit Jahren auf den wirtschaftlichen Erfolgen aus, die auf den Reformen des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) beruhten. Schröder habe Deutschland fit gemacht, Merkel sitze die Probleme aus. "Das Land lebt von der Substanz, unser Wohlstand steht auf dem Spiel, weil Merkel keinen Plan für die Zukunft hat", kritisierte der SPD-Politiker.

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(jg)

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