POLITIK
12/08/2017 14:46 CEST

Die "Frankfurter Allgemeine" schürt Panik vor dem "grünen Gift" Cannabis

  • Die "Frankfurter Allgemeine" glaubt, keine Droge werde so verharmlost wie Cannabis

  • Doch die Argumentation der Wochenzeitung hinkt - und zwar gewaltig

Deutschland ist ein fortschrittliches Land – eigentlich. Vor allem auf zwei Gebieten ist das anders: Bei der Drogenpolitik und bei den Medien. Das zeigt sich einerseits daran, dass Cannabis noch immer kriminalisiert wird. Zum anderen erkennt man es daran, dass noch immer viele Menschen die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" lesen.

Wie das zusammenhängt, lässt sich in der aktuellen Ausgabe der "Frankfurter Allgemeine Wochenzeitung (FAW)“ bewundern. Denn die titelt doch allen Ernstes: "Das grüne Gift – Keine Droge wird so verharmlost wie Cannabis. Das hat fatale Folgen.“

Keine Droge?

Als habe es die über 70.000 Alkoholtoten pro Jahr nie gegeben. Als sei Chrystal Meth nicht weiter in der bayrischen und sächsischen Provinz auf dem Vormarsch, während die meisten Deutschen die Teufelsdroge wohl noch immer für ein Fantasieprodukt der amerikanischen Serienindustrie halten.

Das Argument der "Frankfurter Allgemeinen“: Die vermeintliche "Wohlfühldroge“ Cannabis sei in Wahrheit ein Gift, das die Psyche von abertausenden Deutschen zerstöre.

Das Beispiel Winehouse

Als Beispiel für die zerstörerische Wirkung dieser "psychischen Entleerung“ muss dabei ausgerechnet eine Britin herhalten. Die Sängerin Amy Winehouse, die – wie die "FAW“ im Übrigen selbst schreibt - aufgrund ihres massiven Alkoholkonsums mit 4,16 Promille an Organversagen starb.

Dennoch: Winehouse soll nun exemplarisch für die Folgen stehen, die der Cannabiskonsum haben könne. "Gedächtnisschwäche, Apathie und Motivationslosigkeit sind besonders ausgeprägt, wenn Jugendliche schon früh und regelmäßig Cannabis konsumieren“, erklärt da ein Strafrichter.

Dass ausgerechnet ein Mann, der sich beruflich um mutmaßliche Verbrecher kümmert, sich über die Wirkung von Cannabis äußern muss, sagt viel über die Art und Weise, wie die Frankfurter Zeitung ihre Argumentation aufzieht.

Die hunderttausenden Deutschen, die ohne psychische Auffälligkeiten und ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten Cannabis konsumieren, sind für die Cannabis-Gegner offenbar nicht mehr als die Ausnahme von einem gefährlichen Trend.

Psychokiller Cannabis?

Natürlich schneidet die "FAW“ ein Thema an, über das wir diskutieren müssen. "Zwanzig Prozent der psychotischen Störungen, die in Psychiatrien heute behandelt werden, gehen auf unkontrollierten Cannabiskonsum zurück“, erklärt da ein Mediziner. Das ist besorgniserregend.

Aber: Bislang ist nur bei einem regelmäßigen Konsum im frühen Jugendalter nachgewiesen, dass Cannabis Psychosen verursachen kann. Eine britische Studie zeigte zudem: Trotz eines steigenden Cannabiskonsums nahm die Anzahl von Schizophrenie-Fällen (ein Hauptargument gegen die Freigabe von Cannabis) zwischen 1996 und 2005 nicht zu.

Wo sind die fatalen Folgen von denen die "FAW“ auf der Titelseite warnt, zudem in den Niederlanden oder in den US-Bundesstaaten, die den Konsum legalisiert haben?

Gras ist keine Moralfrage

In 28 Bundesstaaten ist die Abgabe mindestens teilweise freigegeben. Und Studien zeigen: Der Konsum hat abgenommen. Es stellt sich eine Cannabis-Vernunft ein, keine fatale Psychose-Epidemie.

Ohnehin, als Argument gegen eine Legalisierung der Droge taugt der Jugendschutz nicht. Denn Cannabis würde durch eine Öffnung des Gesetzes für Jugendliche immer noch verboten bleiben. Auch heute gelangt jeder Hauptschüler und Gymnasiast auf dem Schulhof an Gras – das zudem noch keinerlei Qualitätskontrolle unterliegt.

Viele Erwachsene könnten durch eine Legalisierung dagegen endlich ihrem vermeintlichen Laster nachgehen – ohne sich strafbar zu machen. Für die "Frankfurter Allgemeine" mag das nicht moralisch sein. Aber das sind der freitagabendliche Alkoholexzess, Glücksspiel und der Solarium-Besuch auch nicht – damit muss eine offene Gesellschaft umgehen. Auch wenn der "Frankfurter Allgemeinen" das nicht gefällt.

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(jg)