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12/08/2017 12:26 CEST

Wie ein von der EU finanzierter Sender in Deutschland Propaganda für Putin macht

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Wie ein von der EU finanzierter Sender in Deutschland Propaganda für Putin macht

  • Mit Russia Today hat Putin in Europa einen bekannten russischen Propagandasender etabliert

  • Weniger bewusst ist vielen, dass auch der Sender Euronews regelmäßig Werbung für den Kreml-Chef macht

  • Und das auch noch mitfinanziert durch Geld von der EU

Die russische Version des mit EU-Geld aufgepäppelten Senders Euronews, der in zwölf Sprachen sendet, ist nach Ansicht von Kritikern schon lange auf Kreml-Kurs, streicht kritische Beiträge oder übersetzt sie falsch.

Jetzt verherrlicht auch die englischsprachige Ausgabe des paneuropäischen Senders Putin.

Ein heroischer Film vom Abenteuer-Urlaub des "nationalen Leaders" ist jetzt bei Euronews zu sehen: Videos von Putins Macho-Show beim Fischen, mit nacktem Oberkörper und im Kampfschwimmer-Anzug mit Harpune, unterlegt mit pompöser Musik.

Euronews übernimmt mit dem Streifen einfach die PR-Videos, die der Kreml zur Verfügung stellt. De facto macht sich der Sender damit zur Propaganda-Abspielstation.

Mehr zum Thema: Die 10 Propagandamythen des russischen Präsidenten Wladimir Putin

"Kill count" für Putins Fischfang

Die Bilder erinnern an nordkoreanischen Personenkult.

Mit dem für russische Medien typischen "Propaganda-Airbag“: Ein paar Einblendungen sollen offenbar dafür sorgen, dass man im Zweifelsfall behaupten könnte, sie seien eine Distanzierung.

So wird etwa als Text eingespielt: "Putin ging fischen. Wie lief es?“. Links ist ein Fenster zu sehen mit der Überschrift "Kill count“ – und da wird angezeigt, wie viele Fische Putin erlegt hat.

Beim normalen Zuschauer kommt das aber wohl kaum als Distanzierung rüber. Die Botschaft ist viel mehr: Was für ein toller Typ! Auch der Begleittext zu dem Streifen auf der Homepage vermeidet jede wirklich kritische Auseinandersetzung mit den Bildern.

Euronews erhielt allein 2016 rund 25 Millionen Euro EU-Gelder. Auch für 2017 wurde Geld aus Brüssel in Aussicht gestellt.

Russische Oppositionelle machen Euronews schon länger Vorwürfe

Russische Oppositionelle erheben seit langem schwere Vorwürfe gegen den Nachrichtenkanal Euronews. Sie behaupten, er nehme zu viel Rücksicht auf den Kreml und es gebe Formen der Abhängigkeit.

Schon 2005 berichtete die "Nowaja Gaseta", dass in der russischen Version des Programmes kritische Beiträge fehlten bzw. die Übersetzung ins Russische weniger kritisch ausfalle; ein Vertreter von Euronews wies das zurück.

Im Umfeld der EU-Resolution zur Bekämpfung russischer Propaganda Ende 2016 klagte der Europa-Abgeordnete Petras Austrevicius (Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa), im Kampf gegen russische Fehlinformation müsse "in erster Linie die Euronews-Frage gelöst werden.“

Auch in der Ukraine-Krise gab es solche Vorwürfe gegen Euronews wegen angeblich kremlfreundlicher Berichterstattung.

53 Prozent des EU-subventionierten Senders übernahm 2015 der ägyptische Milliardär Naguib Sawiris, nachdem Putin seinem Land einen Besuch abgestattet hatte.

Sawiris Global Telecom Holding wurde 2010 von dem russischen Mobilfunkkonzern "Vimpel-com" übernommen, dessen wichtigster Anteilhalter die Moskauer Alpha Group ist.

Einer von deren Gründern ist Pjotr Awen – der Mann, der als Außenhandelsminister den Lokalpolitiker Putin in den 1990er Jahren im Korruptionsskandal um Lebensmittelimporte nach Petersburg rettete.

Russische Oppositionelle machen Euronews schon länger Vorwürfe

Sawiris kündigte nach der Übernahme an, er werde "widerstehen gegen Druck von beiden Seiten, repressiven Systemen und Europäischen Politikern, die fordern, westliche Medien müssten ein Gegengewicht zum kremlkontrollierten Russia Today bilden."

Sein Senderchef Michael Peters assistierte: "Wir haben Probleme mit manchen Europäern, die wollen, dass die russische Version von Euronews europäische Propaganda wiedergibt."

Euronews wurde bis Mai 2017 gleichzeitig auf Englisch, Französisch, Portugiesisch, Spanisch, Russisch, Arabisch, Türkisch, Spanisch, Russisch, Arabisch, Türkisch, Italienisch, Persisch, Ukrainisch, Griechisch und Ungarisch ausgestrahlt. Nach Angaben des Senders war sein Programm in rund 350 Millionen Haushalten in 155 Ländern zu empfangen.

Seit Mai 2017 wird das Programm nur noch in zwölf Sprachen übertragen, via Antenne, Kabel, Satellit und Internet. EU-finanzierte Putin-Propaganda also. Euronews - ein Arte für den Kreml.

Mehr zum Thema: Wie deutsche Medien Russlands Präsident Wladmir Putin hofieren

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(jg)