POLITIK
11/08/2017 11:26 CEST

Wird es Krieg zwischen den USA und Nordkorea geben oder nicht? Das sagen die Medien

  • Das Verbalduell zwischen Donald Trump und Kim Jong-un geht in die nächste Runde

  • Der US-Präsident kündigte an, dass den Nordkoreanern Dinge passieren werden, die sie niemals für möglich gehalten hätten

  • So urteilen die Medien in dem Konflikt

Seit Tagen überbieten sich Washington und Pjöngjang mit immer neuen Drohungen.

Der “Spiegel” interpretiert den Streit deshalb auf dem Niveau eines Proseminars in Außenpolitik:

Tatsächlich wägen die deutschen Medien derzeit aber sehr vorsichtig ab, was aus dem Konflikt wird. Die zentrale Frage: Kommt es zum Krieg oder nicht?

Das sind die aktuellen Argumente:

Warum ein Krieg so wahrscheinlich ist, wie seit langem nicht

Die “Welt” schreibt: "Krieg wird wieder vorstellbar. Es steht nach gegenwärtigem Erkenntnisstand wohl eine Auseinandersetzung bevor, die nach Intensität und Reichweite nur mit der Berlin- und der Kubakrise der Jahre 1958 bis 1962 in Vergleich zu setzen ist.”

Die "Welt" sieht die Ursache dafür vor allem bei Donald Trump - der sei als Krisenmanager schlicht nicht zu gebrauchen.

Auch der “Mannheimer Morgen” beschäftigt sich mit der Rolle Trumps in dem Konflikt.

“In Zeiten des Kalten Krieges waren die Amerikaner irgendwie doch immer die Guten, auf die man sich verlassen konnte”, schreibt das Blatt. Das sei vorbei. Donald Trumps Unberechenbarkeit und Unfähigkeit, sich zu zügeln, stünden jeder Konfliktlösung im Weg.

“Um einen Psychopathen vom Kaliber Kim Jong Un im Zaum zu halten, braucht es ein souveränes, strategisch denkendes Gegenüber, das eine Konfliktlösung über persönliche Eitelkeiten und Impulse stellt. All das ist Trump nicht”, analysiert der “Mannheimer Morgen”.

Die Süddeutsche Zeitung sucht einen Vergleich in der Geschichte und findet ihn im Einstieg der USA in den 2. Weltkrieg.

“Im Dezember 1941 überfiel Japan die amerikanische Pazifikflotte in Hawaii. Japans Macht damals war, verglichen mit jener Nordkoreas heute, unvergleichlich größer. Doch auch Tokio hatte keine Chance, einen Krieg gegen die USA zu gewinnen. Die Verbaleskalation zwischen Nordkorea und den USA weckt düstere Erinnerungen an den Sommer vor Pearl Harbor”, warnt die “SZ”.

Was dagegen spricht, dass ein Krieg ausbricht

Die “Nürnberger Nachrichten” kommentieren: "An einen atomaren Präventivschlag der USA glauben in Washington wenige. Zu groß wäre die Gefahr, in eine Eskalationsspirale und eine direkte Konfrontation auch mit China zu geraten.”

Was aber kann den Konflikt entschärfen? Die “Nürnberger Nachrichten” hoffen auf die Nato. “Es wird Zeit, dass sich - offen oder hinter den Kulissen - auch die Nato-Verbündeten einmischen und Besonnenheit einfordern."

Mehr zum Thema: Was passiert, wenn Kim Jong-un Atomraketen schickt? Die 6 wichtigsten Fragen und Antworten

Das “Handelsblatt” wiederum hofft auf den mäßigenden Einfluss Chinas. Die Wirtschaftszeitung schreibt:

"Im Koreakrieg hatten 1950 chinesische 'Freiwilligenverbände' an der Seite der Nordkoreaner gegen die US-Streitkräfte gekämpft. Heute aber erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass Peking bereit wäre, die Leben seiner Soldaten für einen unberechenbaren Machthaber zu opfern.”

Peking werde also alles unternehmen, um einen offenen Konflikt abzuwenden.

Und wer trägt die Schuld an der Eskalation?

Durchaus interessant: Fast keiner der Kommentatoren sucht die Schuld für die Eskalation bei Kim Jong-un. Die “Bild”-Zeitung schreibt dagegen:

“Was in vielen Kommentaren und Politiker-Statements zum Kim-Konflikt nur leise bis gar nicht formuliert wird, muss hier einmal laut gesagt werden: Der Mann, den wir fürchten müssen, sitzt nicht im Weißen Haus, sondern er sitzt in Pjöngjang.”

“Ist Kim irre?”, fragt die “Bild” weiter. Die Antwort schiebt die Zeitung gleich hinterher: “100 Prozent!”

Und weiter: “Ist es Trump? Vorsicht, vielleicht will er nur nicht berechenbar sein.”

Mehr zum Thema: Die Welt hält Kim Jong-un für einen irren Diktator - ein Nordkorea-Experte erklärt, warum das ein schwerer Fehler ist

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(jg)