Identitäre wollten Flüchtlingsretter behindern, nun sind sie selbst in Seenot geraten - und eine NGO kommt zur Hilfe

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Identitäre wollten Flüchtlingsretter behindern, nun sind sie selbst in Seenot geraten - und eine NGO kommt zur Hilfe | ANGELOS TZORTZINIS via Getty Images
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  • Schon seit längerem dümpelt das Schiff der "Defend Europe"-Mission im Mittelmeer
  • Die rechtsradikale Identitäre Bewegung will damit gegen die Flüchtlingsrettung demonstrieren
  • Doch nun soll die "C-Star" selbst in Seenot geraten sein

Die "Defend Europe"-Mission meldet sich aus der Versenkung zurück. Offenbar ist ihre Mission derzeit aus dem Ruder gelaufen. Denn das Schiff "C-Star der sogenannten Identitären Bewegung soll in Seenot geraten sein.

Bereits seit einigen Tagen hatte sich das Boot auf einer Irrfahrt vor der tunesischen Küste befunden – weit weg von seinem eigentlichen Ziel, der Küste Libyens.

Das letzte Update von Bord war ein Bild, auf dem die rechten Flüchtlingsgegner ein anderes Boot mit einem Megaphone beschallen. Wohlgemerkt: Das war am Sonntag.

"Defend Europe" will die NGO-Tätigkeiten im Mittelmeer dokumentieren und observieren.

Das ultimative Ziel: Ein Stopp der Rettung von Flüchtlingen auf dem Mittelmehr - und damit ein Ende der humanitären Arbeit der NGOs.

Keine Antwort von der "C-Star"-Crew

Nun die ironische Wendung der Geschichte: Das Schiff der Identitären befindet sich offenbar selbst in Seenot. Denn die italienische Seenotleitzentrale beauftragte die Flüchtlingsrettungs-NGO Sea-Eye den Identitären zu Hilfe zu kommen.

Der Sea-Eye-Vorsitzende Michael Buschheuer soll informiert worden sein, dass das Schiff der Nazi-Hipster mit einem Maschinenschaden manövrierunfähig und der Hilfe bedürftig sei.

Buschheuer erklärt: "In Seenot Geratenen zu helfen, ist die Pflicht eines jeden, der auf See ist – unterschiedslos zu ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Gesinnung."

Auch die Identitären bestätigten auf Twitter, dass man "technische Probleme" habe.

Zuvor hatte die Gruppe noch eine große Aktion angekündigt: "Innerhalb der nächsten Tage werden die NGOs, Helfer und Pro-Migration-Medien eine große Überraschung erleben", berichtete ein Sprecher der Gruppe vor wenigen Tagen.

Mehr zum Thema: Ermittlungen gegen NGO: Jugend Rettet will weiter Flüchtlingen auf dem Mittelmeer helfen

NGOs und Küstenwache müssen sich neuen Begebenheiten stellen

Womöglich ist den Identitären der Treibstoff ausgegangen. Denn zuvor hatten unter anderem tunesische Fischer demonstriert und die "C-Star" davon abgehalten, vor Anker zu gehen.

Hohn und Spott für "die Identitären"

Hohn und Spott hagelt es indes in den sozialen Netzwerken. Journalist und Verleger Jakob Augstein ließ auf Twitter ironisch vermelden, dass er die nötige Professionalität der Identitären vermisse:

Und auch der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen, Dieter Janecek, ließ die Ironie des Ganzen nicht unkommentiert:

Knapp 2.230 Menschen sind in in diesem Jahr bereits beim Versuch gestorben, das Mittelmeer zu überqueren.

Migranten, die von Libyen aus das europäische Festland erreichen wollen, kommen aus Marokko, Tunesien, Algerien und dem Sudan, aber auch aus der Subsahara-Region und Syrien. Sie lockt das Versprechen von Arbeit und einer besseren Perspektive in Europa.

Mehr zum Thema: Die Flüchtlingszahlen aus Libyen brechen massiv ein - warum das keine gute Nachricht ist

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(mf)

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