Russischer Politiker zeigt Putin wegen eines Fotos an - und offenbart so die absurden Zustände im Land

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PUTIN FISHING
Putin fischt in Sibirien - ohne Schwimmweste! | ALEXEY NIKOLSKY via Getty Images
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  • Angeblich soll der russische Präsident bei PR-Bildern gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen haben
  • Volksvertreter: "Kein Fotomodell, sondern Staatschef"
  • Von der Staatsanwaltschaft hat der Kremlchef dennoch nichts zu fürchten

Alles war so schön: Die Bilder von Wladimir Putin mit nacktem Oberkörper beim Angeln in der südsibirischen Provinz Tuwa gingen um die Welt.

Doch jetzt streut ein streitbarer Regionalabgeordneter aus der fernen russischen Provinz Lipezk Salz in die Kreml-Suppe der schönen Bilder.

Oleg Chomutinnikow, einst für die ebenso kremltreue wie nationalistische Partei LDPR gewählt und dann zur Opposition gewechselt, hat bei der Generalstaatsanwalt Anzeige gegen seinen Präsidenten erstattet, wie die Nachrichtenseite "Newsru" berichtet.

"Nicht auf den Präsidenten aufgepasst"

Der "nationale Leader", wie sich Putin gerne nennen lässt, habe offenbar Schönheit vor Sicherheit gehen lassen - und auf eine Schwimmweste verzichtet. Ein Tragen derselben schrieben aber die Sicherheitsnormen vor, schrieb der Nachrichtendienst "Metoditschka."

Wer als Privatmann auf diese Sicherheitsmaßnahme verzichte, bekomme über kurz oder lang Ärger mit den Behörden.

Der Fall Putin wiege viel schwerer, beklagt Chomutinnikow: Die Verantwortlichen für den Angel-Ausflug des Kreml-Chef hätten besonders verantwortungslos gehandelt – und "überhaupt nicht auf unseren Präsidenten aufgepasst".

Es gebe nicht einmal einen Vize-Präsidenten, mit dem Staatschef und Oberkommandierenden müsse man deshalb auf Nummer Sicher gehen. Schließlich sei er kein Fotomodell - sondern zum Regieren da: "Man darf ihn nicht tauchen oder über die Berge springen lassen, nur schöner Fotos wegen."

Kritik an der PR-Show des Staatschefs

In der Tat hätte der Präsident in Schwimmweste wohl weitaus weniger hergemacht und nicht – wie zumindest vieler seiner Anhänger behaupten - Frauen- und Männerherzen weltweit höher schlagen lassen

Wie bei vielen Nachrichten aus Russland scheint die Grenze zwischen Ernst und Satire bei Chomutinnikow Aussagen und seiner Anzeige fließend. In jedem Fall hat er einen Dreh gefunden, um öffentlichkeitswirksam die PR-Show des Staatschefs vor den Präsidentschafts-Wahlen nächstes Jahr zu kritisieren.

Putin wird die Häme verschmerzen können. Bei Verstößen gegen das Schwimmwesten-Gebot drohen Normalsterblichen laut "Newsru" bis zu 500 Rubel, Amtspersonen bis zu 1000 Rubel Strafe. Umgerechnet sind das rund 16 Euro. Das dürfte das Budget Putins kaum sprengen, wo ihn doch Kritiker für den reichsten Mann der Welt halten.

Zudem hat der Staatschef von seiner Generalstaatsanwaltschaft kaum Ärger zu befürchten.

Das letzte Mal, als die gegen einen Kremlchef ermittelte, war unter Putins Vorgänger Boris Jelzin, Ende der 1990er Jahre. Der Vorwurf damals: Korruption.

Erpressung mit einem Sexvideo

Und es war kein anderer als Putin selbst, der damals als Geheimdienstchef den Generalstaatsanwalt, Juri Skuratow, mit einem Sexvideo zum Nachgeben bewegen wollte: Auf dem Streifen war der Chefermittler nackt mit Prostituierten zu sehen.

Putin siegte damals. Er bewies so seine bedingungslose Treue zu Jelzin und wurde bald darauf von dem zu seinem Nachfolger ernannt.

Die Generalstaatsanwalt ist seither an der kurzen Leine des Kremls. Und Putins de-facto-Immunität vor dem Gestz geht weit über Schwimmwesten hinaus.

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(ben)

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