Die machtlose Supermacht: China hat kaum noch Einfluss auf die Entwicklungen in Nordkorea

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CHINA NORDKOREA
Die machtlose Supermacht: China hat kaum noch Einfluss auf die Entwicklungen in Nordkorea | Getty
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  • China gilt neben Russland als letzter und wichtigster Verbündeter Nordkoreas
  • Doch davon ist nicht mehr viel übrig: Peking hat sich deutlich von seinem Nachbarn distanziert
  • Doch die aktuelle Krise zeigt auch: China hat ohnehin kaum noch Einfluss auf das Kim-Regime

Donald Trump ist in der Nordkorea-Krise von China abhängig. Der US-Präsident bedrängte Peking monatelang mehr gegen das kommunistische Regime von Diktator Kim Jong-un zu unternehmen.

Vermeintlich erfolgreich. Denn Peking ging in den vergangenen Wochen deutlich auf politische Distanz zu seinem Nachbarn. Zugleich kritisierte die chinesische Führung die Provokationen sowie Raketen- und Atomtests Nordkoreas.

Viele Beobachter werten insbesondere die am Samstag vom UN-Sicherheitsrat beschlossenen - und auch von China mitgetragenen - Sanktionen gegen das Kim-Regime als Zeichen für einen neuen Kurs. Auch Trump glaubt, dass China in dem Konflikt nun deutlich mehr tun und den Druck auf Nordkorea erhöhen wird.

Das Problem: So eng, wie viele glauben, ist die Verbindung zwischen China und Nordkorea längst nicht mehr. Die Einflussmöglichkeiten sind beschränkt.

Einfluss Chinas in Nordkorea hat massiv abgenommen

Die Zeit sei vorbei, dass Peking in Nordkorea "einfach den Stecker ziehen" könnte, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ"). "Das Atomprogramm Nordkoreas beschleunigte die Entfremdung."

Auch der China-Korrespondent des Deutschlandradios, Steffen Wurzel, betonte am Freitag in einem Beitrag: "Der Einfluss Chinas hat in den letzten Jahren massiv abgenommen." Das sei spätestens so, seit Kim Jong-un 2011 an die Macht kam.

Nordkoreas Diktator war seitdem selbst nie in China - im Gegensatz zu seinen Amtsvorgängern, seinem Vater Kim Jong-il und seinem Großvater Kim Il-sung. "Die beiden haben immer wieder die direkte Nähe zur Führung in Peking gesucht", erklärte Wurzel im Deutschlandfunk.

Umgekehrt hätte China gerne einen direkten Draht zur nordkoreanischen Führung. "Doch den gibt es wohl nicht mehr", sagte Wurzel.

Allerdings habe auch Peking wenig Interesse den nordkoreanischen Diktator einzuladen, sagt Patrick Köllner im Gespräch mit der HuffPost. Der Direktor des GIGA Institut für Asien-Studien unterstreicht: "Es gibt schlicht keine Erfolge zu vermelden."

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Viele chinesische Firmen haben direkte Beziehungen zur Führung in Nordkorea

Mit Blick auf die jüngsten Sanktionen erläutert der Politikwissenschaftler aus Hamburg: "Für China wäre es im Prinzip möglich, die bestehenden Sanktionen noch zu erweitern. Das gilt insbesondere für die Lieferungen von Heizöl und flüssigen Kraftstoffen an Nordkorea."

Allerdings sei das völlige Kappen aller Handelsbeziehungen zum Nachbarn selbst bei gutem Willen der chinesischen Führung nur schwer umzusetzen.

"Es wird immer korrupte Grenzbeamte geben und die Händler werden immer Möglichkeiten finden, ihre Waren zu vertreiben. Sei es nur, dass die Fischer ihren Fang auf der See austauschen", so Köllner.

Das höchste UN-Gremium hatte in seiner Resolution Ausfuhrverbote auf Kohle, Eisen, Eisenerz, Blei, Bleierz aber auch für Fisch und Meeresfrüchte festgelegt.

Auch China-Korrespondent Steffen Wurzel betont, dass es einen großen informellen Sektor in China gebe. "Viele Firmen kochen ihr eigenes Süppchen und haben direkte Beziehungen zur Führung in Nordkorea."

Die 1400 Kilometer lange Grenze zwischen den beiden Ländern sei sehr durchlässig. Zwar soll Wurzel zufolge der kleine Grenzverkehr deutlich zurückgegangen sein. Er berichtet aber: In Dandong, wo fast der gesamte Handel zwischen den beiden Ländern abgewickelt wird, fahren immer noch Züge über die Brücke der Freundschaft.

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China sieht sich als "Zaungast"

Zwar stoppte China im Frühjahr schon sämtliche Kohleimporte gen Süden. "Aber in Peking geht man davon aus, dass Sanktionen, egal welcher Art, Kim Jong-un nie einknicken lassen werden", erklärt die "SZ".

China sehe sich eher als "Zaungast" in der aktuellen Krise, sagt Wurzel. Aus Sicht von Peking müsse der Konflikt allein zwischen den USA und Nordkorea gelöst werden.

Allerdings gebe es zwischen den USA und Nordkorea aktuell keine Schnittflächen für eine Verhandlungslösung, bemerkt Asien-Experte Köllner gegenüber der HuffPost.

Die UN-Sanktionen würden einen Ersatz für eine echte Strategie im Umgang mit Nordkorea darstellen. Köllner zufolge hätte Peking die UN-Sanktionen auch mitgetragen, "um ein Zeichen an die eigene Bevölkerung zu senden, etwas gegen Nordkoreas Atom- und Raketenprogramme zu tun."

Ebenso ist Köllner davon überzeugt, dass Nordkorea von seinem Nuklearprogramm nicht abrücken wird, für das Land ist der Besitz von Nuklearwaffen unverhandelbar.

"Demzufolge ist es egal, ob es zwischen den Ländern einen heißen Draht gibt oder nicht."

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(jg)

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