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11/08/2017 22:43 CEST | Aktualisiert 11/08/2017 22:50 CEST

Chef der Barmer-Krankenkasse verteidigt Einsatz von Homöopathie

dpa
Christoph Straub, Chef der Barmer-Krankenkasse, verteidigt Einsatz von Homöopathie

  • Nach der Techniker Krankenkasse verteidigt nun auch der Chef von Deutschlands zweitgrößter Krankenversicherung den Einsatz von Homöopathie

  • Der Gesetzgeber habe die Kassen dazu verpflichtet, unter Umständen homöopathische Therapien zu erstatten

  • Jedoch hält Straub nichts von einer Verteufelung von Behandlungsalternativen

Der Chef von Deutschlands zweitgrößter Krankenkasse Barmer hält Homöopathie für völlig okay. Christoph Straub verteidigte in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus" die Homöopathie gegen Angriffe.

In Deutschland würden nur 0,01 Prozent unserer Leistungsausgaben für Homöopathie aufgewendet, sagte Straub. Der Gesetzgeber habe die Kassen verpflichtet, "unter bestimmten Voraussetzungen auch alternative Therapien wie etwa Homöopathie, Anthroposophie und Phytotherapie zu erstatten".

Das Problem: Die Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln ist umstritten. Sogar die Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte, Cornelia Bajic, hatte eingeräumt, dass sie nicht wisse, wie die Homöopathie wirke.

Straub, der Arzt ist und selber vor Jahren das kritische Netzwerk für evidenzbasierte Medizin mitgegründet hatte, hält nichts von einer Verteufelung von Alternativen, da es in der Bevölkerung eine hohe Präferenz für Homöopathie gebe.

Mehr zum Thema: Warum es attraktiv ist, an Homöopathie zu glauben

Krankenkassen seien keine Erzieher

"Wir leben in einer pluralen Gesellschaft, die diese Behandlungsform wünscht", sagte Straub im "Focus"-Interview. "Ich bin dafür, dass wir in Verbindung mit der Schulmedizin diese Therapie über Ärzte mit einer Zusatzausbildung auch erbringen."

Man müsse auch akzeptieren, dass es in der Medizin immer wieder Phänomene wie den Placebo-Effekt gebe, "die sich nicht mit einem eindeutigen naturwissenschaftlichen Nutzennachweis klären lassen", argumentierte der Barmer-Chef. Krankenkassen müssten kritisch informieren, "wir sind aber keine Erzieher", gab Straub zu bedenken.

Bereits im März hatte ein ähnlicher Vorschlag zu einem Shitstorm gegen die Techniker Krankenkasse geführt. Viele Nutzer kritisierten nicht nur, dass die Techniker Krankenkasse Homöopathie finanziert, wodurch es, so der Vorwurf, an Geld für schulmedizinische Behandlungen fehle.

Die gesetzliche Krankenkasse finanziere außerdem Behandlungsmethoden, denen es an wissenschaftlichen Beweisen fehle, sagten die Kritiker.

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(ll)