Eine Studie warnt vor den tödlichen Folgen der Einsamkeit: Darum solltet ihr noch heute die alte Dame an der Ampel ansprechen

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Darum solltet ihr noch heute die alte Dame an der Ampel ansprechen. | Getty Images
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  • Eine neue Untersuchung zeigt, welche tragischen Auswirkungen Einsamkeit hat
  • Einsame Menschen haben ein um 50 Prozent erhöhtes Risiko, einen frühen Tod zu sterben
  • Doch in unserer modernen Gesellschaft vereinsamen immer mehr Menschen

Die alte Dame wartet ungeduldig, bis die Fußgängerampel von Rot auf Grün schaltet, denn sie weiß: Sie muss bei Grün sofort losgehen, damit sie es überhaupt über die Straße schafft, bevor die Autos schon wieder fahren. Das fällt ihr zwar schwer, aber was soll sie machen? Sie ist allein und hat niemanden, der ihr hilft. Aber daran hat sie sich wohl mittlerweile gewohnt.

Denn ihre Situation ist in Deutschland - wie in den meisten wohlhabenderen Ländern - inzwischen Normalität: Die Isolation des Einzelnen nimmt zu.

Nun schlagen Forscher Alarm. Sie warnen, dass die moderne Gesellschaft uns krank macht. Die demographische Entwicklung führt zu mehr älteren Menschen und zu verstreuten Familien.

Das befördere eine Mentalität, sagen Forscher, die das Individuum über die Gemeinschaft stelle - und den Einzelnen isoliere.

Einsame Menschen sterben häufig früher

Eine neue Untersuchung legt sogar nahe, dass Einsamkeit zu einem frühen Tod führt: Julianne Holt-Lunstad, Professorin für Psychologie an der Brigham Young Universität in Utah, analysierte 148 Studien mit mehr als 300.000 Teilnehmern.

Ihr Ergebnis: Einsame Menschen haben ein um 50 Prozent erhöhtes Risiko, einen frühen Tod zu sterben.

Eine zweite Analyse von 70 Studien mit Daten von 3,4 Millionen Menschen aus den USA, Europa, Asien und Australien untermauert das Ergebnis: Das Risiko, einen früheren Tod zu sterben, ist genauso groß wie bei Fettleibigkeit.

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In unserer modernen Gesellschaft fühlen sich immer mehr Menschen einsam

Holt-Lunstad präsentierte vergangenen Frühling ihre Ergebnisse dem Senate Aging Committee, einem Ausschuss für Senioren des US-Senats.

Ihre Untersuchung ist auch für uns relevant: Immerhin fühlen sich acht von zehn Deutschen laut einer repräsentativen Studie des Instituts Mymarktforschung zumindest manchmal einsam.

"Mit einer alternden Bevölkerung wird der Effekt (...) noch zunehmen. Tatsächlich gehen viele Nationen auf der ganzen Welt davon aus, dass wir vor einer Art Einsamkeits-Epidemie stehen“, schreibt Holt-Lunstad in einer Pressemitteilung.

Die sogenannte Einsamkeits-Epidemie ist ein Ergebnis unserer modernen Gesellschaft: Unsere Gemeinschaft verzeichnet mehr ältere Menschen und höhere Scheidungsraten, dafür weniger Kinder und weniger Eheschließungen.

Wir müssen also Lösungen finden, mit dieser Herausforderung umzugehen. Ein erster Schritt wäre: Die alte Dame über die Straße begleiten, sie in ein Gespräch verwickeln.

Es würde ihr helfen. Vielleicht sogar mehr, als wir uns vorstellen können.

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(ll)

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