POLITIK
10/08/2017 12:54 CEST | Aktualisiert 10/08/2017 23:10 CEST

Niemand hat Kims Nummer: Experten weisen auf ein beunruhigendes Detail im Nordkorea-Konflikt hin

KCNA KCNA / Reuters
North Korean Leader Kim Jong Un signs the order to carry out the test-fire of inter-continental ballistic rocket Hwasong-14 in this undated photo released by North Korea's Korean Central News Agency (KCNA) in Pyongyang, July, 4 2017. KCNA/via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THIS IMAGE. NO THIRD PARTY SALES. SOUTH KOREA OUT. TPX IMAGES OF THE DAY

  • 2013 wurde eine Krisen-Hotline zwischen Seoul und Pjöngjang gekappt

  • Auch zwischen Nordkorea und den USA fehlt eine direkte Verbindung

  • Wie wichtig diese ist, zeigte sich im Kalten Krieg

Das Rote Telefon hat Geschichte gemacht.

Nach der Kuba-Krise wurde die direkte Verbindung zwischen Washington und Moskau eingerichtet, um derartige Eskalationen in Zukunft zu vermeiden. Damals wäre es fast zu einem Atomkrieg zwischen den Großmächten gekommen.

Zusammen mit anderen Mechanismen hat der heiße Draht dafür gesorgt, dass die zahlreichen Krisen zwischen den beiden Staaten nicht völlig außer Kontrolle geraten sind.

Das Problem: Ein solches Sicherheitsnetz existiert nicht zwischen Washington und Pjöngjang.

Experten warnen, dass bereits ein Unfall, missverständliche Darstellungen oder falsche Annahmen einer Seite die Konfliktspirale außer Kontrolle geraten lassen könnte - auch wenn weder Nordkorea noch die USA einen Krieg wollen.

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Eskalation innerhalb weniger Tage

Wer die Nachrichten in den vergangenen Tagen verfolgt hat, ahnt, dass eine solche Eskalation nicht ganz unwahrscheinlich ist.

Nachdem Nordkorea trotz Verboten des UN-Sicherheitsrates und Warnungen aus dem Ausland Ende Juli eine Interkontinentalrakete getestet hatte, verhängte der UN-Sicherheitsrat die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea.

Pjöngjang drohte daraufhin Washington mit einer "heftigen Lektion". Darauf drohte wiederum US-Präsident Donald Trump mit "Feuer und Wut" , wie sie die Welt bisher nicht gesehen habe.

Auf Trumps Muskelspiele reagierte das totalitäre Regime von Kim Jong-un mit einer noch schärferen Drohung. Man prüfe Pläne für einen Raketenschlag gegen die US-Pazifikinsel Guam, rund 3400 Kilometer von Nordkorea entfernt, hieß es.

Mehr zum Thema: "Rücksichtslos und gefährlich": So bewerten US-Sicherheitsexperten Trumps Drohungen an Nordkorea

"Du kannst diese Krise nicht mit Tweets händeln"

"Du kannst diese Krise nicht mit Tweets und öffentlichen Statements lösen", betont Joseph Cirincione, Präsident der Rüstungskontrollgruppe Ploughshares Fund, mit Blick auf Trumps Vorliebe für den Kurznachrichtendienst.

Andere Experten bemängeln, dass es kaum Kanäle gebe, wo sich die beiden Konfliktparteien austauschen könnten, um Spannungen abzubauen.

"Wir haben einige Ad-hoc- und analoge Kommunikationswege mit Nordkorea, aber wir haben nichts, was sich bewährt hat und was im Fall einer Krise funktionieren würde", erklärt Jon Wolfsthal, einer der Top-Berater des ehemaligen Präsidenten Barack Obama.

Weitere Probleme sind:

Beide Seiten unterhalten keine diplomatischen Beziehungen.

Deshalb haben sie auch keine Botschaft in dem jeweils anderen Land.

Kontakte werden allein über die Vereinten Nationen, die Botschaften in Peking und in Panmunjeom gepflegt. Letztere ist eine Militäreinrichtung direkt an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea. Dort unterschrieben die Kriegsparteien 1953 den bis heute gültigen Waffenstillstandsvertrag nach dem Koreakrieg.

Des Weiteren kabelt Washington Nachrichten über Nordkoreas Verbündeten China oder Schweden nach Pjöngjang. Das skandinavische Land übernimmt in der kommunistischen Diktatur konsularische Aufgaben für die USA.

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Kein heißer Draht zwischen Nord- und Südkorea seit 2013

Auch zwischen Nord- und Südkorea fehlt ein heißer Draht. Zwar gab es in der Vergangenheit eine solche Verbindung. Doch Kim Jong-un kappte diese 2013 und weigert sich seitdem, sie wiederherzustellen.

Wie schwer es ist, ein Rotes Telefon zwischen zwei Konfliktparteien zu schaffen, zeigt der Kalte Krieg. Es dauerte Jahre, bis sowohl Washington als auch Moskau genug Vertrauen aufgebaut hatten, um eine direkte Verbindung einzurichten.

Wie wichtig diese wiederum ist, zeigt ein Zwischenfall auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, der in einer atomaren Katastrophe hätte enden können:

"Die Sowjetunion erhielt eine Warnung, dass eine Angriff drohte", erläutert Lisbeth Grolund von der Union of Concerned Scientists, einer US-Wissenschaftlervereinigung, die sich für Abrüstung einsetzt. Alles habe real ausgesehen. Doch die verantwortliche Person entschied, die Meldung nicht an die Vorgesetzten zu melden.

"Das war eine gute Sache, weil es kein Angriff war", sagt Grolund. "Der sowjetische Satellit hatte lediglich eine Reflexion von Wolken registriert."

Der Artikel stammt von der Nachrichtenagentur Reuters und erschien zuerst bei der HuffPost USA. Er wurde von Marco Fieber aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet.

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