Wie wahrscheinlich ist ein Krieg zwischen den USA und Nordkorea? Diese 5 Fakten müsst ihr kennen

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KIM JONG UN
Wie wahrscheinlich ist ein Krieg zwischen den USA und Nordkorea? Diese 5 Fakten müsst ihr kennen | KCNA KCNA / Reuters
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  • US-Präsident Trump spricht von "Feuer und Zorn", Außenminister Gabriel warnt vor einem Atomkrieg mit Nordkorea
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass der Konflikt eskaliert?
  • Diese 5 Fakten müsst ihr kennen

Außenminister Sigmar Gabriel hat das Wort bereits ausgesprochen: Weltkrieg. Im fernen Afrika äußerte sich der SPD-Politiker zur derzeit gefährlichsten Krise weltweit: dem Konflikt mit Nordkorea.

Gabriel fühlt sich an die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg erinnert. Er mache sich Sorgen, dass wir ähnlich "schlafwandlerisch in einen Krieg hineinmarschieren". Um hinzuzufügen: Mit dem Unterschied, dass es sich in diesem Fall um einen Krieg handele, "der im Zweifel mit Atomwaffen geführt wird".

Die Rhetorik beider Seiten, der USA und Nordkorea, ist aufgeladen. US-Präsident Donald Trump drohte mit "Feuer und Zorn", sein Verteidigungsminister James Mattis schickte hinterher, das kommunistische Regime sollte Handlungen unterlassen, "die zum Ende ihres Regimes und zur Zerstörung ihres Volkes führen" würden.

Am Mittwoch versuchte US-Außenminister Rex Tillerson die Bürger der USA noch zu beruhigen: "Amerikaner können in der Nacht ruhig schlafen", sagte er. Aber können sie das wirklich?

Nordkorea antwortete spöttisch auf Trumps Drohungen. "Sachlicher Dialog ist mit so einem Typen bar jeder Vernunft nicht möglich, nur mit absoluter Stärke ist ihm beizukommen", hieß es in einer Stellungnahme der Streitkräfte, aus der die nordkoreanische Staatsagentur KCNA zitierte.

Wie nahe stehen die USA und Nordkorea also vor einem offenen militärischen Konflikt? Diese fünf Fakten müsst ihr kennen:

1. Kann Nordkorea die USA angreifen?

Zwar hat das nordkoreanische Regime erfolgreich zwei Interkontinentalraketen getestet. Laut Berechnungen von Experten könnte Pjöngjang damit sogar das Festland der USA treffen.

Zudem ist es Nordkorea gelungen, atomare Sprengköpfe zu entwickeln, die klein genug für die Raketen sind. Das bestätigten mehrere Berichte.

Allerdings, Fakt 1: Die Sprengköpfe seien noch nicht für einen Abschuss bereit, berichtet die "New York Times". Das Regime arbeite noch an Sprengköpfen, die den Wiedereintritt in die Atmosphäre überstehen können.

Ziele in mittlere Entfernung, wie Japan, Südkorea oder auch die US-Pazifikinsel Guam könnte das Regime allerdings beschießen, berichtet die "New York Times" weiter.

2. Wird Nordkorea Guam angreifen?

Eine zentrale Rolle im Konflikt mit Nordkorea spielt für die USA nun die Pazifikinsel Guam. Sie gehört offiziell zum US-Territorium und bildet eine Art Drehkreuz für die US-Luftwaffe.

Vom Stützpunkt in Guam brechen Verbände zu Manövern auf. Dort befinden sich 5000 Soldaten, Bomber-Geschwader, vier atomarbetriebene U-Boote und Spezialkräfte, berichtet "Spiegel Online".

Die Insel liegt etwa 3400 Kilometer von der koreanischen Halbinsel entfernt. Pjöngjang drohte als Reaktion auf ein Bomber-Manöver der USA am Dienstag mit einem Angriff. "Eine solche Attacke" ziehe man "ernsthaft in Erwägung", meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA.

Am Donnerstag legte die Führung in Pjöngjang nach: Man werde bis Mitte August Pläne fertigstellen, nach denen vier Mittelstreckenraketen über Japan fliegen und etwa 30 bis 40 Kilometer vor Guam ins Meer stürzen sollen.

Sobald die Einsatzpläne fertiggestellt seien, entscheide Diktator Kim über das weitere Vorgehen.

Fakt 2: Ein anonymer US-Soldat sagte gegenüber der "New York Times", Trump habe mit seinen Drohungen die Insel unnötig in Gefahr gebracht. Eine nordkoreanische Attacke scheint also auch für das dort stationierte Personal wahrscheinlich.

3. Was könnte Nordkorea von einem Angriff abhalten?

Was diesen Konflikt so gefährlich macht, ist die Unberechenbarkeit seiner Akteure - auf beiden Seite. Wie die "New York Times" etwa berichtet, war Donald Trumps "Feuer und Zorn"-Rede improvisiert - und nicht mit seinen Beratern abgestimmt.

Ob eine Attacke von Nordkorea ausgeht, wird auch davon abhängen, wie bedroht sich das Land fühlt. Mit einem US-Präsidenten, der rhetorisch die Eskalation übt, könnte das schneller der Fall sein, als den Beteiligten lieb ist.

"Sollte Kim Jong-un den Eindruck gewinnen, dass Trump tatsächlich einen amerikanischen Angriff auf sein Land ernsthaft in Erwägung zieht, droht das Pulverfass Korea zu explodieren", analysiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Was nun also wichtig ist:

Die USA müssen die Lage beruhigen. Indirekte Drohungen, das nordkoreanische Volk zu vernichten, wie von US-Verteidigungsminister Mattis, helfen nicht.

China muss Druck auf Nordkorea ausüben. Der Volksrepublik kommt eine entscheidende Rolle in dem Konflikt zu. Sollte China die verhängten UN-Sanktionen umsetzen, würde das Kims Regime wohl das Genick brechen.

Die Sanktionen sehen scharfe Ausfuhrverbote vor. Über 90 Prozent seines Außenhandels betreibt Nordkorea mit China.

Und ein Druckmittel bleibt noch: Sollte China die Lieferung von Erdöl an Nordkorea stoppen, würde das dem Regime wehtun. "Denn ohne diesen Treibstoff kann Kim weder seine Flugzeuge noch seine Panzer einsetzen", berichtet die "Taz".

Fakt 3: Bei all der Kriegsrhetorik bleibt also festzustellen: Auch eine friedliche Lösung ist realistisch.

Aber wollen die USA die Lage beruhigen?

4. Wie wahrscheinlich ist ein Angriff der USA?

Trump hat in der Vergangenheit keinen Hehl daraus gemacht, mit einem Präventivschlag das nordkoreanische Regime daran hindern zu wollen, sein Atomwaffenprogramm zu Ende zu führen.

Allerdings würde eine solche Attacke nicht unbemerkt bleiben, auch Nordkorea könnte darauf reagieren - und womöglich den US-Verbündeten Südkorea angreifen.

Der US-Sender CNN berichtet daher, das US-Militär brauche vermutlich einige Wochen, um einen Angriff auf Nordkorea vorzubereiten. Denn die Bewohner von Südkorea würden evakuiert werden, die Streitkräfte müssten verstärkt werden, sagte der pensionierte US-General Mark Hertling gegenüber CNN.

Fakt 4: Davon sei bisher aber noch nichts zu sehen, ein Angriff derzeit also unwahrscheinlich.

Möglich ist auch ein Angriff einer Spezialeinheit, um die kommunistische Führung mit einem Schlag auszuschalten. Sollte die Operation allerdings fehlschlagen, wären die Folgen verheerend.

Als Fazit bleibt nur: Die Lage ist unübersichtlich und schwer einzuschätzen. Schon öfter war der Konflikt äußert angespannt, bisher beruhigte sich die Lage immer wieder.

Neu ist nun der drastische Ton aus Washington unter Trump. Seine Worte erinnerten an die Rede von US-Präsident Harry Truman vor dem Abwurf der Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima.

Hoffnung macht: In den USA wächst der Druck auf Trump, die Lage zu deeskalieren. Der außenpolitisch profilierte US-Senator John McCain mahnte den US-Präsidenten zur Zurückhaltung. "Die großen Führer, die ich kenne, sprechen keine Drohungen aus, solange sie nicht bereit zum Handeln sind", sagte er.

Womöglich verschafft aber auch ein Blick nach Südkorea, zu den unmittelbar Betroffenen eines möglichen Krieges, Klarheit.

5. Wie reagieren die Südkoreaner?

Drohungen des Nachbarn sind die Südkoreaner gewohnt. Die Südkoreanerin Crystal sagte daher der amerikanischen Ausgabe der HuffPost: "Die Menschen hier sind beunruhigt, aber die Menschen in den USA sind viel ängstlicher über diese Nachrichten, als wir es sind."

Sie fügte hinzu: "In Südkorea wissen die Menschen, dass Kim Jong-un nichts Dummes machen würde, dass seine Macht aufs Spiel setzen würde."

Ein südkoreanischer Regierungsvertreter schätzte die Lage gegenüber der Nachrichtenagentur Yonhap ähnlich ein. "Wir arbeiten daran, den Konflikt mit Nordkorea endgültig und zum frühesten möglichen Zeitpunkt zu lösen. Wir glauben, dass die Wahrscheinlichkeit dazu sehr hoch ist."

Fakt 5: Die Menschen in Südkorea glauben an eine friedliche Lösung des Konflikts.

Mehr zum Thema: "Vor dem Verrückten hat hier niemand Angst": Warum sich Südkoreaner nicht vor Kim Jong-un fürchten

Mit Material der dpa.

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