5 Fakten über Dieselautos - die viele Dieselgegner derzeit nicht sehen wollen

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DIESEL
"Selbst ein Fahrrad erzeugt mehr Feinstaub": 5 Fakten über Dieselautos - die viele Dieselgegner derzeit nicht sehen wollen | Reuters Staff / Reuters
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  • Der Diesel wird gerade zum Synonym für alles, was in der deutschen Autoindustrie falsch läuft
  • Aber sind Dieselautos wirklich so gesundheits- und umweltschädlich wie ihr Ruf?
  • Diese fünf Fakten sollte jeder Dieselgegner kennen

Die deutsche Autoindustrie steckt in der Krise: Kartellvorwürfe, Abgas-Manipulation und zu hohe Stickoxid- und Feinstaubwerte in den deutschen Städten.

Schuld an der Luftverschmutzung soll der Diesel sein. Zumindest wenn es nach Politikern, Richtern, Umweltschützern und vielen Journalisten geht.

Sie meinen: Verbannen wir den Diesel aus den Städten, sind wir die Probleme los.

Doch stimmt das wirklich?

Jeder, der den Diesel pauschal verteufelt, sollte diese fünf Fakten kennen:

1. Der Feinstaub-Ausstoß beim modernen Diesel ist sehr gering

In der Debatte um die Luftverschmutzung in den Städten werden Feinstaub und Stickoxid oft gleichgesetzt.

"Beim modernen Diesel gibt es aber kein Feinstaubproblem mehr", sagt Thomas Koch, Professor für Kolbenmaschinen am Karlsruher Institut für Technologie in einem Interview mit der Helmholtz-Gemeinschaft.

Für die Feinstaubbelastung sind vielmehr Reifenabrieb, Abrieb von Bremsbelägen und der Kupplung entscheidend. So komme es auch dazu, dass ein Fahrrad auf einem Kilometer drei bis vier Milligramm Metalloxide an die Umgebung abgebe - allein durch das Bremsen, wie Koch erklärt.

Ein Diesel stößt aus dem Auspuff auf einen Kilometer dagegen nur 0,2 bis 0,5 Milligramm Metalloxide aus.

Und noch mehr Beispiele zeigen, dass nicht zuerst Dieselautos für das Feinstaubproblem in den Städten verantwortlich sind.

"Auch drei Zigaretten verursachen zehnmal so viel Feinstaub wie ein alter Euro-3-Diesel in einer halben Stunde", sagte Gerd Gigerenzer, Risikoforscher am Max-Planck-Institut in Berlin, kürzlich der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”.

Auch Kaminfeuer verursachen erhebliche Feinstaub-Belastungen in den Metropolen. Brennt ein Feuer eine Stunde, produziert das im Schnitt so viel Feinstaub wie eine 100-Kilometer-Fahrt mit einem Dieselauto.

Aber wie so häufig bei Fragen des Umweltschutzes liegt der Teufel im Detail.

Denn Experten warnen, dass Feinstaub nicht gleich Feinstaub ist. Die Partikel, die durch den Dieselruß entstehen, sind besonders klein. Und je kleiner, desto tiefer können sie in den Körper dringen - und dort großen Schaden anrichten.

Laut einer WHO-Untersuchung sind Dieselabgase so krebserregend wie Asbest.

Die Partikel, die durch den Reifenabrieb oder Bremsmanöver von Fahrrädern entstehen, sind größer als die im Dieselruß - sie richten also im menschlichen Körper weniger Schaden an.

Prinzipiell haben Rußpartikelfilter, die Anfang der 2000er-Jahre bei Dieselautos eingeführt wurden, zu weitaus weniger Feinstaub-Ausstoß geführt. Allerdings vermutet die Deutsche Umwelthilfe, dass auch hier Messungen für die Filter manipuliert wurden oder viele Filter fehlerhaft sind.

Daten des Umweltbundesamtes zeigen dennoch eine erfreuliche Entwicklung: In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Feinstaub-Ausstoß von Dieselfahrzeugen um 75 Prozent reduziert.

Fazit: Wenn wir über eine zu hohe Feinstaubbelastung in Städten reden, sollten wir nicht nur auf den Diesel schauen.

Mehr zum Thema: Diese Menschen leben an den schmutzigsten Straßen Deutschlands - und haben eine klare Botschaft an die Politik

2. Die neuesten Diesel-Modelle halten die Stickoxid-Werte ein

“Die Dieseldiskussion ist eine reine Altlastendiskussion”, sagt Thomas Koch. Modelle, die jetzt auf den Markt kommen - bei ihnen sprechen Experten von der Euro-6D-Norm - stoßen nur noch 20 bis 60 Milligramm Stickoxid pro gefahrenen Kilometer aus.

Der von der EU festgesetzte Höchstwert liegt momentan bei 80 Milligramm pro Kilometer.

Das Problem: Die 15 Millionen Dieselautos, die derzeit schon auf deutschen Straßen unterwegs sind, halten die EU-Grenzwerte nicht ein. Diesel-Fahrzeuge, die der Vorgängernorm Euro 6 entsprechen, stoßen mehr als 500 Milligramm Stickoxid pro Kilometer aus. Ältere Diesel pusten bis zu 800 Milligramm in die Luft.

Der Grund, warum die neuesten Diesel so viel sauberer sind: Ihre Motoren sind anders konzipiert als bei den alten Dieselautos. Allerdings verbrauchen die neuen Baureihen auch mehr Treibstoff.

Fazit: Das Stickoxid-Problem löst sich, je mehr alte Diesel ausgemustert werden.

3. Die Landwirtschaft hat einen doppelt so hohen Anteil an der Stickoxid-Verschmutzung wie der Verkehr

Entgegen dem Eindruck, den die aktuelle Diskussion erweckt, ist nicht der Diesel an der schlechten Luft in Deutschland schuld.

Die Hauptursache für Luftverschmutzung ist in Deutschland die Landwirtschaft, sagt Risikoforscher Gigerenzer. Knapp die Hälfte des Drecks in der Luft kommt aus der Landwirtschaft, rund 20 Prozent geht auf den Verkehr zurück.

Der hohe Anteil der Landwirtschaft an der Luftverschmutzung sei auf eine übermäßige Verwendung von Düngemitteln zurückzuführen, erklärt Gigerenzer. "Dadurch gelangt Ammoniak in die Atmosphäre, das sich in Nitrat verwandelt, am Ende hat man Stickoxide."

Er kommt zu dem Schluss: "Die Kuh ist gefährlicher als das Auto."

Hinzu kommt: Auch Busse und Lastwagen pusten deutlich mehr Stickoxide in die Luft als privat genutzte Diesel-Pkw.

Allerdings: In den Städten ist der Verkehr für immerhin die Hälfte der Stickoxid-Belastung verantwortlich.

Fazit: Wer Stickoxid-Emissionen verringern will, sollte auch in der Landwirtschaft und bei Bussen und Lkw ansetzen.

Mehr zum Thema: Wie die Autoindustrie die Politik beim Diesel-Gipfel vorgeführt hat

4. Der Diesel hat eine gute CO2-Bilanz

Wenn es darum geht, wie umweltschädlich der Diesel ist, wird meist nur über den Ausstoß von Stickoxid gesprochen.

Dabei wird vergessen, was eigentlich einmal für den Diesel gesprochen hat: seine gute CO2-Bilanz. Diesel gelten als vergleichsweise klimafreundliche Fahrzeuge - und das zurecht. Denn sie stoßen pro Kilometer bis zu 20 Prozent weniger des klimaschädlichen Gases aus als ein Benziner.

Der Prozess, bei dem Diesel im Motor verarbeitet wird, ist deutlich sparsamer, als bei einem Benziner. "Dies führt zu absolut unstrittigen ganzheitlichen Klimavorteilen für den Diesel", schreibt Koch in einem Gastkommentar für den TV-Sender n-tv.

"Vorher ging es gegen CO2 und Benziner, jetzt geht es gegen Stickoxide und Diesel. Was wollen wir eigentlich?", fragt Risikoforscher Gigerenzer.

Fazit: Wer klimafreundliche Mobilität fördern will, kann auf moderne Dieselautos setzen. Sie schneiden besser ab als Benziner.

5. Synthetische Diesel-Kraftstoffe können Ruß- und Stickoxid-Probleme in Zukunft lösen

Nicht nur die ganz neuen Dieselmodelle der Euro-6D-Norm geben Grund zur Hoffnung. Hinzu kommt: Ein Diesel-Motor muss nicht unbedingt mit konventionellem Diesel-Kraftstoff fahren.

Unternehmen und Universitäten auf der ganzen Welt forschen derzeit an neuen synthetischen Kraftstoffen, die nicht mehr aus Erdöl hergestellt werden, sondern zum Beispiel aus CO2 und Wasserstoff.

Diese neuen Kraftstoffe bilden aufgrund einer veränderten chemischen Struktur zum Beispiel keinen schädlichen Ruß mehr. Auch Stickoxide fallen bei diesen neuen Kraftstoffen kaum noch an.

Fazit: Künftig kann der Diesel gänzlich klima- und umweltfreundlich werden. Zu früh also, um den Diesel abzuschreiben.

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