Was läuft schief bei der SPD? Mehrere Ex-Parteichefs versuchen, den Absturz von Schulz zu erklären

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken
  • Mehrere ehemalige SPD-Parteivorsitzende haben mit der "Zeit" über die Probleme der Sozialdemokraten vor der Bundestagswahl gesprochen
  • Sie kritisierten auch das Verhalten von Kanzlerkandidat Schulz
  • Was die ehemaligen SPD-Chefs ihrer Partei nun raten, erfahrt ihr auch oben im Video

Die SPD kommt nicht aus ihrem Umfragetief heraus. Was läuft schief bei den Sozialdemokraten?

Wenige Wochen vor der Bundestagswahl haben mehrere ehemalige SPD-Vorsitzende mit der Wochenzeitung "Die Zeit" über die Probleme der SPD gesprochen.

In ihren Äußerungen kritisieren sie das bisherige Vorgehen von Kanzlerkandidat Martin Schulz oder das der Sozialdemokraten allgemein.

Matthias Platzeck, SPD-Bundesvorsitzender von 2005 bis 2006, riet seiner Partei, sich in Zukunft weniger an neuen Hoffnungsträgern zu berauschen.

Ein Seitenhieb auf Schulz, der mit hundert Prozent der Stimmen zum Parteivorsitzenden gewählt wurde und nach einem regelrechten Höhenflug in den Umfragen als Hoffnungsträger galt.

Stattdessen solle sich die SPD an der CDU orientieren, sagte Platzeck. "Angela Merkel ist eine Meisterin im Vermeiden von Euphorie. Denn sie weiß, dass dieser antieuphorische Politikstil länger trägt", sagte Platzeck der "Zeit".

Die SPD sei eine Partei der Hoffnung. "Wir sind aber auch skrupulöser und muten uns viel mehr Selbstzweifel zu als die anderen."

"'Ich will Kanzler werden' reicht nicht"

Auch Platzecks Vorgänger Franz Müntefering übte Kritik an der eigenen Partei: "Es gibt bei Sozialdemokraten und Sozialisten die Haltung, dass die Partei alles sei. Dass man mit einem ellenlangen Programm und aus dem Parteipräsidium heraus die Politik gestalten kann, das ist ein Irrglaube.“

Besonders deutlich wurde Oskar Lafontaine, SPD-Chef bis 1999 und später Linken-Parteivorsitzender: Als Schulz den SPD-Vorsitz übernahm, habe er viele Hoffnungen auf sich gezogen.

"Aber Schulz hat die Erwartungen auf eine kämpferische Sozialdemokratie, die den Sozialstaat wieder herstellt und für ein gerechtes Steuersystem eintritt, enttäuscht. Zu verkünden, 'Ich will Kanzler werden', das reicht nicht", sagte Lafontaine der "Zeit".

Laut der aktuellen Forsa-Umfrage liegt die SPD bei 23 Prozent. Immerhin: Die Partei kann im Vergleich zur Vorwoche einen Prozentpunkte aufholen. Trotzdem liegt Schulz immer noch abgeschlagen hinter der Union - die auf 40 Prozent kommt.

Mehr zum Thema: Der ehemalige SPD-Wahlkampfberater Frank Stauss analysiert schonungslos die Fehler der Schulz-Kampagne

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png
Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

Korrektur anregen