NACHRICHTEN
09/08/2017 17:59 CEST | Aktualisiert 09/08/2017 20:30 CEST

So schimpft die "Süddeutsche Zeitung" über Deutschlands Schnarch-Wahlkampf

SASCHA SCHUERMANN via Getty Images
Wie weiter? Martin Schulz steckt im Umfragetief

  • Die "Süddeutsche Zeitung" kritisiert den schleppenden Wahlkampf

  • Die aktuelle Situation erwecke den Eindruck, als sei die Wahl schon gelaufen

  • Die Zeitung sieht die eigentlichen Entscheidungen für Merkel, CDU und SPD erst nach der Wahl kommen

Deutschlands Fußgängerzonen sind seit dem Wochenende mit Tausenden Wahlplakaten gepflastert.

Offiziell hat der Wahlkampf also jetzt begonnen.

So wie vor einigen Wochen, als die SPD gefühlt Wahlprogramme wie am Fließband vorstellte. So wie vor einigen Wochen, als die Einführung der Ehe für alle die Republik begeisterte. So wie vor einigen Wochen als die Debatte um ein Autokartell die Republik bewegte. So wie...

Tatsächlich hat der Wahlkampf trotz all dieser Ereignisse immer noch nicht begonnen. Die Deutschen wählen in rund sechs Wochen ein neues Parlament - doch für die Politiker scheint das kein Anlass zu sein, auf Touren zu kommen, und endlich darum zu kämpfen, wer am Ende die Mehrheit im Reichstag stellt.

Mehr zum Thema: Diese Wahlplakate zeigen, wie schlimm der Bundestagswahlkampf werden könnte

"Wahlkampf ist nicht einmal lau"

Genau das ist die Diagnose, die der Journalist Heribert Prantl von der “Süddeutschen Zeitung” in einem Kommentar stellt.

Prantl schimpft: “Auf Bundesebene ist der Wahlkampf nicht heiß und nicht kalt; er ist nicht einmal lau; er ist gar nichts.”

Weiter urteilt Prantl: “Es ist wohl der sonderbarste Wahlkampf in der Geschichte der Bundesrepublik.”

Prantl nennt mehrere Gründe dafür:

In Deutschland gibt es aktuell keine Wechselstimmung. Vielen ist klar, dass ohnehin nur wieder eine Große Koalition in Berlin regieren wird.

Dem Wahlkampf fehlt der Charakter. Was Prantl meint: Schulz müht sich zwar, aber er kann dem Wahlkampf kein Thema aufdrücken.

Schulz steckt in seiner Abwärtsspirale fest - je tiefer die SPD in den Umfragen fällt, je mehr Wähler wenden sich von ihr ab.

Die SPD hat keine Vision präsentiert, wie eine “gute Zukunft” Deutschland aussieht. Prantl schreibt: “Es hätte mehr gebraucht als ein nettes Wahlprogramm… Es hätte eines Krachers bedurft, einer Forderung, die ein Wagnis ist.” Und weiter: Die SPD gewinne nichts, weil sie nichts wage. “Sie muss eine Alternative anbieten, kein Alternativlein.”

Einen weiteren, schon oft beschriebenen Grund, für die Wahlkampfmüdigkeit sieht Prantl in der Person Angela Merkels. Die Menschen hielten sich in einer Welt, “in der Verrückte regieren gern an eine Kanzlerin, die nicht verrückt ist”.

Soweit die Analyse der Gründe für den deutschen Wahlkampf, der im Sommer 2017 keiner ist.

Doch die Probleme, die Merkel jetzt im Wahlkampf nicht hat, wird sie nach der Wahl bekommen, argumentiert Prantl. Erst dann werde die bisher aufgesparte Kritik auf sie zukommen.

“Die heutige Freude an der Merkel’-schen Erfahrung wird dem Überdruss an der ewigen Dauer ihrer Regierung weichen.”

Der wahre Wahlkampf beginnt laut Prantl deshalb erst nach der Wahl: “Nach der Bundestagswahl beginnt der Kampf um die Zeit nach Merkel - um die Zukunft der CDU und um die Zukunft der SPD.”

Mehr zum Thema: Der ehemalige SPD-Wahlkampfberater Frank Stauss analysiert schonungslos die Fehler der Schulz-Kampagne

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png

Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

(ks)

Sponsored by Trentino