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09/08/2017 11:02 CEST | Aktualisiert 09/08/2017 14:35 CEST

"Rücksichtslos, dumm, gefährlich": So bewerten US-Sicherheitsexperten Trumps Drohungen an Nordkorea

Carlos Barria / Reuters
Trumps Warnung an Nordkorea sind “falsch” und “leichtsinnig”

  • Mehrere Experten haben Trumps Drohungen an Nordkorea als "sehr gefährlich" und "leichtsinnig" eingestuft

  • Sie befürchten, dass die Rhetorik Trumps einen atomaren Krieg befeuern könnte

“Feuer, Wut und Power wie es die Welt noch nie gesehen hat”: Donald Trump hat mit einer drastischen Warnung an Nordkorea für Aufsehen gesorgt.

“Nordkorea sollte besser damit aufhören, den Vereinigten Staaten weiter zu drohen”, sagte Trump am Dienstag auf einer Pressekonferenz zu der amerikanischen Opioid-Krise. “Kim Jong Uns Drohungen haben ein normales Level überstiegen.”

Doch Trumps Äußerungen, die er in seinem Golf Club Bedminster in New Jersey machte, seien Zündstoff in der angespannten Lage mit Nordkorea, warnten jetzt mehrere Experten.

Nordkorea könnte atomare Langstreckenraketen getestet haben

“Das ist so ziemlich das dümmste und gefährlichste Statement, das ich einen amerikanischen Präsidenten jemals habe sagen hören”, sagte John Mecklin, Chefredakteur des “Bulletin of the Atomic Scientists”.

“The Bulletin” hat eine “Weltuntergangsuhr” entwickelt, ein Symbol für die drohende apokalyptische Zerstörung der Menschheit.

Trumps Bemerkungen folgten auf Berichte von “NBC News” und der “Washington Post”, dass Nordkorea derweil Langstreckenraketen mit atomaren Sprengköpfen entwickelt haben könnte.

John Mecklin: Trump "steigert die Wahrscheinlichkeit eines nuklearen Krieges"

Trumps Bemerkungen sind zudem als Reaktion auf die heftige Rhetorik aus Pjöngjang zu verstehen. “Sollten die USA die Demokratische Volksrepublik Nordkorea angreifen, sind wir bereit, den USA eine Lektion bezüglich unserer nuklearen Kraft zu erteilen,” sagte etwa Nordkoreas Außenminister Ri Yong Ho.

Während diese harten Worte keine Überraschung mehr darstellen, attestiert Experte John Mecklin Trump eine “genau rückwärtsgewandte” Rhetorik.

“Sie ist richtig falsch. Sie steigert die Wahrscheinlichkeit eines nuklearen Krieges. Und diese Art Drohungen sind nichts, was ein amerikanischer Präsident tun sollte”, sagte Mecklin.

Im Januar stellte das Team um Mecklin die “Weltuntergangsuhr” 30 Sekunden näher zur Stunde Null – die Stunde der globalen Katastrophe. Der Minutenzeiger ist jetzt zweieinhalb Minuten vor Mitternacht. Trumps Kommentare zu Nuklearwaffen und Klima-Entwicklungen waren unter anderem Faktoren, die zur Umstellung des Sekundenzeigers führten.

Senator vergleicht Situation um Nordkorea mit der Kuba-Krise

In einem Interview mit MSNBC verglich Senator Ed Markey den aktuellen Konflikt der USA mit Nordkorea sogar mit der Kuba-Krise.

Gegenüber dem Nachrichtensender sagte das Mitglied des Senatsausschusses der Vereinigten Staaten zur Außenpolitik: "Wir leben in einem Land, dessen Nuklearwaffen auf jedes andere Land der Welt zielen können. Wenn (diese Situation) nicht richtig behandelt wird, können sich Dinge ereignen, die wir gerade nicht einmal absehen können".

Experten: "Trumps Führungsstil beunruhigt"

Der emeritierte Linguistikprofessor Noam Chomsky stimmte derweil der Beurteilung John Mecklins zu. “Trumps Statement ist extrem gefährlich,” sagte Chomsky.

Chomsky glaubt, es bedürfe einer Annäherung an Nordkorea, indem man Verhandlungen mit China und Nordkorea aufnehme. Dafür müsse Nordkorea sein Nuklearprogramm einfrieren und das US-Militär seine Manöver an den Grenzen Nordkoreas beenden.

Trump und weitere Politiker haben China schon früher dazu gedrängt, Nordkorea in die Pflicht zu nehmen. Die Regierung in Beijing gilt als die Einzige ist, die einen Einfluss auf die isolierte Nation hat.

Princeton-Professor: Trumps Führungsstil "beunruhigend"

Bruce Blair, ein Sicherheitsexperte für Nuklearwaffen an der Universität Princeton, sagte der HuffPost, dass er über Trumps Führungsstil sehr beunruhigt sei und dass er eine nukleare Eskalation befürchte.

"Trump hat uneingeschränkte Autorität über den Einsatz von konventionellen und nuklearen Waffen gegen Nordkorea", sagte Blair. "Ich glaube, dass gerade beide Optionen geprüft werden und diese Vorbereitungen die Akzeptanz des Militärs gegenüber Trumps Autorität reflektieren, beides auszuüben."

Trump besitzt die alleinige Autorität, Nuklearwaffen nur mit einem einzigen Anruf zu starten, erklärte Blair der HuffPost. Da es keine "Checks and Balances" auf diese Autorität gebe, könne kein Veto des Kongresses oder des Supreme Court etwas dagegen ausrichten.

Trump könnte unüberlegt eine Katastrophe ausüben

Mit seinen tausenden Sprengköpfen sei das Präsidentenbüro der Vereinigten Staaten eine "nukleare Monarchie", erklärte Blair bereits letztes Jahr. Trump als "Commander in Chief" besäße "nahezu uneingeschränkte Power, nukleare Waffen auf jedes erdenkliche Regime und Land regnen zu lassen", was "hundert Millionen Leben in nur wenigen Stunden auslöschen könnte."

Blair bezweifelt außerdem, ob Trump das richtige Temperament habe, in der Lage sei, etwa mitten in der Nacht einen Anruf entgegenzunehmen und vollen Verstandes über einen Nuklearschlag zu entscheiden.

Blair erklärte der HuffPost, dass es unmöglich sei, das Verhalten von Trump oder von Kim vorherzusagen. "Sie sind beide impulsive, störrische Raufbolde, die geneigt wirken, lieber zu eskalieren als zurückzustecken."

"Trumps Statement ist rücksichtslos und idiotisch"

Trump hat sich gegenüber der Idee eines nuklearen Engagement bisher äußerst gleichgültig gezeigt. So weigerte er sich, das Benutzen von Nuklearwaffen im Krieg gegen den IS auszuschließen.

Generell zeigte sich Trump in der Vergangenheit als Freund von Nuklearwaffen und stellte sogar die Frage, warum die USA im Besitz solcher Waffen sei, wenn sie sie nicht nutze.

"Trumps Statement ist unfassbar rücksichtslos und idiotisch", sagte Kingston Reif, Direktor für Abrüstung und Annäherungspolitik der Arms Control Association der HuffPost.

"Der eskalierende Wortkrieg zwischen beiden Seiten trägt nur zu einer steigenden Spannung und der Gefahr eines Fehltritts bei, sagte Reif. "Wenn nicht bald die Bremse betätigt wird, könnten wir in eine sehr gefährliche Situation geraten."

Dieser Artikel ist zuerst auf HuffPost.com erschienen. Übersetzung von Andreas Marx

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(jg)