"Kitchen Impossible": Tim Mälzer hat es wieder einmal übertrieben - und das ist auch gut so!

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MLZER
Pöbel-Auftritt im TV: Tim Mälzer hat es wieder einmal übertrieben - und das ist auch gut so! | MG RTL D / Nady El-Tounsy
Drucken
  • Große Klappe, größere Klappe, Tim Mälzer
  • Bei seinem letzten Koch-Duell gegen Christian Lohse hat der Hamburger es mal wieder übertrieben
  • Der Proll-Auftritt von Mälzer war nicht nur unterhaltsam, sondern auch eine Lehrstunde in Sachen Selbstbewusstsein

Was passiert, wenn man TV-Koch Tim Mälzer das Gericht eines Zwei-Sterne-Kochs serviert?

Er sagt: "Das ist ja eine Grobmotoriker-Bouillabaisse hier. Die ist relativ ruppig gekocht. Das ist keine feine Küche. Die Gräten sind noch drinnen - in einem schicken Restaurant würdest du die rausnehmen."

Und was passiert, wenn Tim Mälzer dieses Gericht für seine TV-Show "Kitchen Impossible" im Wettstreit gegen den Kollegen Christian Lohse nachkochen muss?

Er trifft erst einmal den Koch des Originalgerichtes. Das ist Jens Jakob, Überflieger der Gastrozene, der schon mit 43 Jahren zwei Sterne in der Tasche hatte.

Aber sowas interessiert einen Mälzer nicht. Der macht sofort klar: "Kannst mir gleich einen Tisch auf der Terrasse reservieren. In eineinhalb Stunden rutsch ich das Ding durch."

Dann beginnt die große Mälzer-Show. Und die hört sich so an:

"Mensch Mälzer, du bist brillant." Das sagt er mal eben so zu sich selbst.

Dass er den Sieg gegen Sternekoch Christian Lohse in dem Kochwettbewerb schon so gut wie in der Tasche hat, steht für Mälzer sowieso fest. Immerhin sei er der "beste italienische Koch außerhalb Italiens".

Wie sieht es mit französischer Küche aus? Für Mälzer auch kein Problem: "Man nehme alten Fisch, Wasser drauf und sammelt zehn Punkte ein." Lohse, Experte auf dem Gebiet der klassischen, französischen Küche schüttelt da nur mit dem Kopf.

Auch Mälzer wird am Ende ähnlich fassungslos sein.

Aber jetzt ist für Selbstzweifel kein Platz. Das bekommt auch Originalkoch Jakob zu spüren, der Mälzer in seiner Küche natürlich mit Argusaugen beobachtet.

Mälzer tönt: "Du wirst sagen, Digga, was hab ich die letzten zehn Jahre gemacht? Digga, ich liefere dir hier gerade Foodporn, geil!"

Sternekoch Jakob kann über solche Sprüche nur lachen. Doch Mälzer macht weiter. "Komm her, du Pfeife", kommandiert er den Hausherrn zu sich.

"Ich will ja nicht nur gewinnen. Irgendwann will ich auch schön gewinnen", sagt Mälzer.

Sein Ciabatta, das er gebacken hat, sieht auf jeden Fall schon sehr ordentlich aus. Aber das ist Mälzer selbst natürlich auch schon aufgefallen: "Wenn die Franzosen wüssten, dass es sowas gibt, dann wäre das Baguette nie auf die Welt gekommen."

So geht es dann munter weiter, während die Minuten und Stunden in der fremden Küche verstreichen.

Doch am Ende wird klar: Mälzer hat zu hoch gestapelt.

Er wird nur mit einem Punkte-Durchschnitt von 4,6 Punkten nach Hause gehen. Ernüchternd. War er sich seiner Kochkünste doch so sicher.

Doch der Proll-Auftritt von Mälzer war nicht nur unterhaltsam, sondern auch eine Lehrstunde in Sachen Selbstbewusstsein.

Wie könnte er denn andere Menschen von seinem Können überzeugen, wenn ihm das nicht einmal bei sich selbst gelingt?

Zu oft zweifeln wir an unseren eigenen Talenten. Trauen uns zu wenig zu - aus Angst vor einer Niederlage. Dann lieber erst gar nicht machen.

Dabei ist das die falsche Einstellung.

Mälzer hat gezeigt, wie man Respekt oder Angst vor großen Aufgaben umgehen kann: mit Spaß und einer frechen Portion Selbstsicherheit.

Das ist nicht nur gute Unterhaltung, sondern auch inspirierend.

Wir sollten alle ein bisschen öfter Mälzer sein.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Korrektur anregen