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08/08/2017 15:41 CEST | Aktualisiert 09/08/2017 12:48 CEST

Fipronil-Eier: Betroffene Chargen-Nummern und was ihr noch wissen müsst

sergeyryzhov via Getty Images
Es sind Eier in den Handel gelangt, die mit dem Insektizid Fipronil belastet sind - jetzt wird ermittelt

  • Es sind Eier in den Handel gelangt, die mit dem Insektizid Fipronil belastet sind - jetzt wird ermittelt

  • Die Gefahr einer Vergiftung ist für Menschen bei normalem Eier-Verzehr sehr gering

  • Welche Chargen-Nummern in Deutschland betroffen sind - und was Kunden nun wissen sollten

Möglicherweise haben niederländische Händler mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier auch nach Deutschland geliefert. Etliche Millionen Eier wurden bereits aus den Supermarktregalen - auch von Rewe, Penny und Aldi - geholt und vernichtet.

Inzwischen gibt es zudem erste Rückrufe für Produkte mit verarbeiteten Eiern.

Deutschlandweit sollen möglicherweise belastete Eier aus den Niederlanden in den Handel gelangt sein. Die betroffenen Unternehmen sind von den Ministerien über die notwendige Rücknahme der Eier informiert worden.

Chargen-Nummern: Welche Eier sind betroffen?

Wer selbst prüfen will, ob er möglicherweise diese Eier gekauft hat, sollte einen Blick auf die Schachteln werfen. Dort finden Verbraucher eine Nummer aufgedruckt. Auch die Eier selbst können bedruckt sein.

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Credit: Reuters

Die Seite "Lebensmittelwarnungen.de", ein Portal der Bundesländer und des Verbraucherschutz-Ministeriums, hat die Chargen-Nummern aufgelistet, die nach einer Überprüfung belastet sind.

Hier findet ihr die aktuellen Lebensmittelwarnungen in Deutschland

Insgesamt lag die Zahl gelisteter Kennzeichnungen am Sonntag bei 170, weshalb nicht mehr alle Zahlen hier aufgelistet werden können. Trotzdem: Hier ein erster Überblick (Stand: 7. August, 10 Uhr).

Deutschlandweit sind Eier mit diesen Chargen-Nummern vermutlich mit dem Biozid belastet: 0-NL-4310001, 1-NL-4167902, 1-NL-4385701, 1-NL-4339301, 1-NL-4339912, 2-NL- 4385702, 1-NL-4331901, 2-NL-4332601, 2-NL-4332602, 1-NL-4359801, 2-NL-4212103 und 0-NL-4031001.

Nach Thüringen wurden Eiern mit Fipronil-Rückständen geliefert, betroffen sind aber wohl auch Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen. "Nach der aktuellen Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sind bei solchen Gehalten von bis zu 0,72 mg/kg im Ei keine gesundheitlichen Risiken zu erwarten", heißt es auf der Informationsseite zu Lebensmittelwarnungen. Die hier betroffene Chargennummer ist: 0-NL-4352602.

In Niedersachsen und Sachsen-Anhalt kamen den Behörden zufolge möglicherweise ebenfalls belastete Eier in den Handel. Die betroffenen Printnummern sind hier: 1-DE-0357731, 1-DE-0358001, 0-DE-0360521 und 2-DE-0358621.

In Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Sachsen liegt für weitere Chargen-Nummern Warnungen vor

Laut amtlicher Prüfung sind Eier mit diesen Stempeln betroffen: 1-NL 4128604, 1-NL 4286001, 0-NL 4392501 und 0-NL 4385501.

Zudem haben Betriebe eigene Kontrollen durchgeführt. Demnach sind auch Eier mit folgenden Printnummern belastet: 2-NL-4322402, 1-NL-4322401, 0-NL-4170101, 1-NL-4339301, 1-NL-4385701 und 1-NL-4331901.

Das Umweltministerium von Nordrhein-Westfalen verweist zudem auf die Seite der niederländischen Prüfbehörde. Dort wird empfohlen, Eier der Chargen-Nummer 2-DE-4015502 nicht zu verzehren, da die Belastung zu hoch sei.

Zudem listet die Behörde weitere Chargennummern von Eiern auf, die von Kindern nicht gegessen werden sollten - da dies zu gesundheitlichen Problemen führen könnte. Das X in diesen Chargen steht für alle Zahlen von 0 bis 9.

Zu der niederländischen Seite

→ Der Blick auf den Eierstempel bringt demnach folgende Informationen:

Die erste Ziffer steht für das Haltungssystem: - 0 = Ökologische Erzeugung - 1 = Freilandhaltung - 2 = Bodenhaltung - 3 = Käfighaltung

Die zweite Ziffer steht für den EU-Mitgliedsstaat, aus dem die Eier stammen, zum Beispiel: - DE = Deutschland - NL = Niederlande

Zum Schluss folgt die Betriebsnummer. In Deutschland stehen die ersten beiden Ziffern nach dem Ländercode für das Bundesland, in dem das Ei gelegt wurde, zum Beispiel - 03 für Niedersachsen, - 05 für Nordrhein-Westfalen - 06 für Hessen - 07 für Rheinland-Pfalz.

Die Ziffern danach identifizieren den genauen Betrieb.

Diese Eierprodukte werden aktuell zurückgerufen

Doch nicht nur die Eier selbst sind betroffen. So dürften Rückstände bei anderen Lebensmitteln wie etwa Mayonnaise oder Eierlikör zu finden sein, nehmen Experten an. Prüflabore bundesweit arbeiten auf Hochtouren.

Die Neue MAYO Feinkost GmbH ruft bereits seine Produkte zurück, da das Unternehmen bei der Herstellung mit Fipronil belastete Eier verwendet hat. Es sei eine Maßnahme des vorbeugenden Verbraucherschutzes, schreibt das Portal "Lebensmittelwarnungen.de". Betroffen sind:

  • Porreesalat Toscana, Oma's Pellkartoffelsalat MHD 16.08.2017
  • Gosch Sonntagsfrühstück, Eiersalat klassisch MHD 18.08.2017
  • Hofgut Eiersalat MHD 16.08.2017
  • Hofgut Thunfischsalat MHD 16.08.2017

Wie gefährlich ist der Konsum der Eier?

Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung ist bei normalem Verzehr von Eiern nicht von einem gesundheitlichen Risiko auszugehen.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer jedoch verlangte eine Null-Toleranz-Politik. "Bei diesem toxischen Stoff gilt die Nulltoleranz. Er hat in Lebensmitteln nichts zu suchen", sagte der Grünen-Politiker am Mittwochabend.

Die Argumentation, für Kinder gehe bei einem Durchschnittskonsum in Deutschland keine Gesundheitsgefahr aus, verharmlose das Problem. Wenn ein Kind mehr Eier esse als durchschnittlich angenommen, sei die tägliche Aufnahmedosis dieses Giftes bereits überschritten.

Was ist Fipronil?

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Credit: Reuters

Fipronil wird etwa bei Hunden gegen Hautparasiten wie Läuse, Milben und Flöhe eingesetzt. Die Anwendung bei Tieren, die Lebensmittel liefern, ist in der EU aber verboten.

Derzeit wird angenommen, dass ein belgischer Hersteller einem gängigen Reinigungsmittel verbotenerweise Fipronil beimengte und die Mischung an Betriebe in Belgien, den Niederlanden und Deutschland verkaufte.

Was steckt hinter dem Eier-Skandal?

In den Tagen nach der offiziellen Bekanntgabe hatte es Dutzende Nachweise in Eiern niederländischer Produzenten gegeben, Millionen dieser Eier waren nach Deutschland, die Schweiz und Schweden geliefert worden. In Deutschland wurde zudem klar, dass das Fipronil-Gemisch an eine Briefkastenfirma sowie vier Geflügelhöfe in Niedersachsen verkauft worden war.

In den Niederlanden haben die Behörden in mindestens 28 Betrieben mit Fipronil belastete Eier entdeckt. Insgesamt 180 Betriebe wurden in den Niederlanden gesperrt, bis die Testergebnisse vorliegen. Sie alle hatten ihre Ställe mit einem Anti-Läusemittel gereinigt.

Die belgische Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK wusste schon am 2. Juni von einem Fipronil-Verdachtsfall in der Geflügelbranche. Die anderen EU-Staaten wurden aber erst am 20. Juli gewarnt. In Belgien ist eine Diskussion über das Verhalten der Behörde entbrannt.

Falls Belgien im Fipronil-Skandal zu langsam gehandelt haben sollte, könnte dem Land ein EU-Vertragsverletzungsverfahren drohen. Wenn ein Land eine Gefährdung der Lebensmittelsicherheit nicht früh genug melde, verstoße es gegen europäisches Recht, sagte eine Sprecherin der Brüsseler EU-Kommission am Dienstag und ein Verfahren könne eingeleitet werden.

"Aber das ist aktuell nicht der Fall in Belgien", betonte sie. "Zahlreiche Informationen sind noch zu ermitteln, im Rahmen der rechtlichen Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft und durch unsere Kontakte mit den belgischen Behörden." Ein Vertragsverletzungsverfahren kann zu einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof und Geldstrafen führen.

Passend zum Thema: Eier liegen im Supermarkt nicht in der Kühlabteilung - aus einem einfachen Grund

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Mit dpa-Material

(ll)

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