"Dreifacher Kontrollverlust": Forscher zeigen, warum Menschen die AfD wählen

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  • Laut einer Studie wählen Menschen die AfD, weil sie das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren
  • Es sei ein Kontrollverlust in dreifacher Hinsicht: persönlich, politisch und nationalstaatlich
  • Mehr über die Ergebnisse der Studie erfahrt ihr oben im Video

Eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hat sich mit den Gründen beschäftigt, warum Deutsche rechtspopulistische Parteien wählen. Dabei fanden die Forscher heraus: Die Angst vor einem Kontrollverlust ist für viele Wähler ein Grund, sich der AfD zuzuwenden.

"AfD-Wähler empfinden einen dreifachen Kontrollverlust – persönlich, politisch und in nationalstaatlicher Hinsicht", sagt Richard Hilmer, Wahlforscher und Co-Autor der Studie, gegenüber "Focus Online".

Die Forscher befragten für die Studie knapp 5000 Wahlberechtigte zwischen Mitte Januar bis Anfang Februar.

Kontrollverlust in drei Aspekten

Ein zentrales Ergebnis der Forscher ist der empfundene Kontrollverlust der AfD-Wähler - bei drei Aspekten:

Persönlich: AfD-Wähler blickten sorgenvoll auf den technologischen Wandel. "Die Zukunft der Arbeitswelt wird überdurchschnittlich stark mit Unsicherheit verbunden", schreiben die Autoren in der Studie.

Politisch: Die Politik und die Institutionen würden als abgehoben empfunden. Sie "enttäuschten das Bedürfnis, gehört zu werden".

In nationalstaatlicher Hinsicht: Die Menschen glaubten, der Staat komme seiner Aufgabe nicht ausreichend nach, "wie z.B. im Fall der Aufnahme von Flüchtlingen".

Der Großteil der AfD-Wähler ist der Studie zufolge zwar in der unteren Mittelschicht zu finden. Bei den Berufsgruppen seien Arbeiter überrepräsentiert.

Menschen mit besonders hohem Einkommen wählen häufiger AfD

Allerdings: Nicht nur die sogenannten "sozial Abgehängten" würden der AfD ihre Stimme geben. Auch Menschen mit besonders hohem Nettoeinkommen weisen der Studie zufolge eine hohe Wahrscheinlichkeit auf, die AfD zu wählen.

Auch andere Studien haben das bereits gezeigt.

In der Studie der Hans-Böckler-Stiftung heißt es zu diesem Ergebnis: "Es sind also weniger reale Entbehrungen, sondern vor allem eine Kombination aus wahrgenommenem Abstieg in der Vergangenheit und Abstiegsängsten (...) in Bezug auf die Zukunft, die dazu führen, dass Menschen AfD wählen."

Dazu schreiben die Forscher weiter: Die empfundene Abstiegsangst sei entscheidend.

Zwar sei die Grundstimmung in der Bevölkerung überwiegend positiv. Aber viele Menschen würden mit Sorgen in die Zukunft blicken, schreiben die Autoren.

"AfD-Wählerinnen und AfD-Wähler ordnen sich unabhängig von ihrem realen Einkommen in der Gesellschaft niedrig ein und erlebten im Vergleich zu den Eltern einen sozialen Abstieg", heißt es in der Studie.

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(mf)

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