LIFESTYLE
08/08/2017 16:08 CEST

7 Dinge, die euch niemand über Sex nach der Geburt erzählt hat

  • Nach der Geburt ihres Kindes erleben viele Eltern eine starke Veränderung ihres Sexlebens

  • Das sei jedoch ganz normal, wie mehrere Mütter berichten

  • Sie erzählen von den 7 Dingen, die euch niemand über Sex nach der Geburt erzählt hat

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Dieser Artikel erschien ursprünglich bei Refinery29.

Während meiner Schwangerschaft verbrachten mein Mann und ich viel Zeit damit, uns gegenseitig zu versichern, dass nichts anders werden würde, nur weil wir ein Kind bekommen. Vor meiner Schwangerschaft waren wir ziemlich experimentierfreudig, was den Sex anging, und wir sahen nicht ein, dass das mit dem Elternwerden vorbei sein sollte.

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Vielleicht anfangs, wenn wir zu erschöpft waren. Aber den Ärzten zufolge sollte man erst sechs Wochen nach der Entbindung wieder in den Sattel steigen – was für uns nach einer halben Ewigkeit klang.

So dachten wir jedenfalls während der Schwangerschaft. Nachdem ich das erste Trimester, in dem ich extrem erschöpft und ständig hungrig gewesen war, überstanden hatte, fühlte ich mich kerngesund und wollüstig. Mein Körper wurde von Hormonen durchflutet und ich war mehr als bereit, in die Kiste zu springen. Wir hatten ziemlich regelmäßig Sex, bis ich so rund wurde, dass ich kaum noch aufrecht sitzen konnte.

Aber dann kam die Geburt und alles veränderte sich.

Der Sex war einfach anders

Es war nicht so, dass wir auf einmal keinen Sex mehr hatten. Im Gegenteil: Wir schliefen sogar früher als empfohlen miteinander, fünf Wochen nachdem unser Kind auf die Welt gekommen war – und ja, ich hatte einen Dammschnitt. Aber der Sex war anders.

Seit ich ein Teenager war, war Sex ein wichtiger Teil meines Lebens gewesen, also dachte ich, ich wüsste, wie es sich anfühlt und wie es funktioniert. Aber ich hatte mich getäuscht.

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Deswegen erzähle ich euch hier sieben Dinge, die ihr vermutlich nicht über Sex nach der Entbindung wisst, aber definitiv wissen solltet.

1. Es kann sein, dass deine Brüste Milch absondern, wenn du erregt bist – vor allem beim Orgasmus

Nein, das ist kein Detail aus einem besonders geschmacklosen Porno, es ist eine wissenschaftlich erwiesene Tatsache: Beim Orgasmus wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, was den Ejektions- oder Milchspendereflex steuert. Es kann also passieren, dass Milch aus deinen Brustwarzen tropft oder sogar spritzt. Tatsächlich kann Milchabsonderung während des Orgasmus auch schon bei Frauen auftreten, die keine Kinder zur Welt gebracht haben.

Für eine frisch gebackene Mutter kann es ziemlich peinlich sein, wenn sich dieser Reflex bemerkbar macht, während man sich gerade an die Wäsche geht. Das Stillen ist noch immer mit einem Stigma behaftet und viele Partner oder Partnerinnen sind kein großer Fan von Muttermilch.

Mein Mann zum Beispiel fand den Geschmack und Geruch meiner Muttermilch eklig - was mich beim Sex unsicher machte und wahrscheinlich dazu führte, dass wir seltener miteinander schliefen, weil ich Angst hatte, eine Schweinerei anzurichten.

2. Hormonelle Veränderungen nach der Geburt und während der Stillzeit können deine Vagina trockener werden lassen

Sogar wenn sie richtig erregt ist, kann es sein, dass eine neue Mama während des Sex kein Vaginalsekret produziert. Janet Morrison, eine Hebamme und Sexcoach mit einem PhD in Humansexualität, sagt: "Während der Schwangerschaft sind die Östrogenwerte hoch. Aber nach der Geburt brechen sie sehr schnell ein (...) und niedrige Östrogenwerte bedeuten, dass die Libido sinkt und die Vagina weniger Lubrikation produziert.” Das kann frustrierend sein, wenn du oder dein Partner daran gewöhnt seid, dass du schnell feucht wirst.

Jessica, die mit 29 gerade Mutter geworden ist, hat diese Erfahrung gemacht. "Mein Körper liefert viel weniger natürliche Lubrikation, wenn ich stille. In Kombination mit den Verletzungen, die während der Geburt passiert sind, machte das jede Berührung der Haut um meine Vagina herum - und in meiner Vagina - extrem schmerzhaft. Es fühlte sich immer an, als würde sich etwas verhaken.”

Gleitmittel zu benutzen kann zuerst ein bisschen komisch sein, wenn ihr es vorher nie benutzt habt, aber oft macht es den Sex für alle Beteiligten besser, vor allem nach der Geburt eines Kindes.

3. Postpartale Hormone können deine Libido verringern

Dank Milchproduktion und dem Verlust deiner Plazenta (das hormonreiche Organ, das dir im letzten Trimester dabei half, die Ruhe zu behalten) verändert sich dein Hormonhaushalt stark, es kann also gut sein, dass du einfach nicht in Stimmung bist.

Aber es gibt noch weitere Faktoren, die deine Libido beeinflussen können. Ein Kind zur Welt zu bringen ist wie ein emotionaler und physischer Marathon: Gerade wenn du völlig erschöpft bist und denkst, du könntest keine weitere Sekunde körperlicher Anstrengung ertragen, zieht jemand entweder ein Baby aus deinem Schritt oder schneidet dich auf.

Und bevor du auch nur Atem holen kannst, wirst du auch schon aus dem Krankenhaus geschoben und mit einem Kind im Arm nach Hause geschickt. Die 31-jährige Justine, die ihr Kind vor etwa 18 Monaten zur Welt gebracht hat, sagt: "Meine Libido ging komplett flöten. Bevor ich ein Kind hatte, brauchte ich Orgasmen genauso wie meine tägliche Tasse Kaffee. Ich hatte immer ein größeres Bedürfnis nach Sex, als mein Mann und war zu allem bereit."

Sie erzählt weiter: "Aber im ersten Jahr mit Kind wurde aus Sex ein eher halbherziger und seltener Versuch, die Verbindung zu meinem Mann aufrecht zu erhalten. Schlafentzug, postpartale Depression und der Heilungsprozess nach meinem Kaiserschnitt hatten meine Lust auf Sex in die Tonne gekloppt.”

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4. Es kann aber auch genau andersrum laufen

"Ich war überrascht, wie angeturnt ich in den ersten Wochen nach der Geburt war”, sagt Karen, die 30 Jahre alt ist. "Ich glaube, meine Hormone spielten verrückt und meinen Mann als Vater zu erleben war ziemlich aufregend.”

5. Sex muss nicht immer Geschlechtsverkehr im herkömmlichen Sinne bedeuten

Deine Definition von Sex wird sich vermutlich wandeln. In einer Studie, die 2013 in Michigan durchgeführt wurde und für die 114 Partner oder Partnerinnen von neuen Müttern befragt wurden, sagten beinahe 60 Prozent, dass sie innerhalb von sechs Wochen nach der Geburt oral befriedigt wurden.

Laura, 33, stellte fest, dass nicht-penetrativer Sex ein wichtiger Teil ihres postpartalen Sexlebens wurde. "Ich hatte einen Riss ersten Grades, aber der Arzt war ein bisschen übermotiviert und hatte mich beinahe komplett zugenäht. Deswegen beschränkte sich der Sex im ersten Jahr nach der Geburt fast nur auf den Mund, die Hände und unsere Sextoys. Obwohl wir also größtenteils auf vaginale Penetration verzichteten, funktionierte das für uns beide richtig gut. Mein Mann fand es super und ich konnte Sex ohne Schmerzen genießen.”

Kurz gesagt, Vorspiel muss nicht nur ein Mittel zum Zweck sein, es kann auch zum Hauptereignis werden.

Vertraue auf deinen Körper. Er wird dich wissen lassen, wann du für vaginalen Sex bereit bist. Und sprich mit deinem Partner oder deiner Partnerin darüber, womit du dich wohlfühlst.

6. Stillen kann erregend sein

In den Worten von Ricki Lakes Dokumentation Breastmilk: "Wenn Stillen sich nicht gut anfühlen würde, wäre das wohl das Ende der Menschheit gewesen.” Aber wie du dir sicher vorstellen kannst, gibt es nicht so viele Frauen, die von ihren eigenen Erfahrungen damit berichten wollen.

In den frühen 1990er Jahren rief die frischgebackene Mutter Denise Perrigo eine Krisenhotline an, weil sie bemerkte, dass sie erregt wurde, wenn sie ihr Kind stillte. Aber anstatt an einen La Leche League Laktationsberater verwiesen zu werden, worum sie gebeten hatte, wurde sie verhaftet und verlor für ein Jahr das Sorgerecht für ihr Kind.

Das Stillen selbst hat natürlich nichts mit Sex zu tun. Aber weil sowohl beim Stillen, als auch beim Orgasmus das Hormon Oxytocin ausgeschüttet wird, ist Erregung gar nicht ungewöhnlich. Morrison erklärt: "Wenn das Baby an der Brust saugt, wird Oxytocin produziert. Aber Oxytocin löst außerdem Kontraktionen der glatten Muskulatur im Uterus aus und trägt so zum Orgasmus bei."

Und weiter: "Weil es diese doppelte Funktion hat, ist es also nicht ungewöhnlich, dass junge Mütter während des Stillens genitale Erregung spüren. Das ist aber kein Zeichen dafür, dass die Mutter ihrem Kind gegenüber sexuelle Gefühle hegt. Es bedeutet nur, dass ihr Körper sensibel auf das Hormon reagiert.” Manche Frauen empfinden außerdem bei jeder Berührung ihrer Brustwarzen sexuelle Erregung.

Fazit: Es muss nicht sein, dass es dir auch so geht. Aber wenn, bist du damit nicht alleine und es gibt eine Erklärung.

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7. Es kann sein, dass der Sex softer wird

Immer dicker zu werden und dich zu fühlen, als ob ein Alien in deinem Bauch herumrollt, sind nicht die einzigen körperlichen Veränderungen, die dich während deiner Schwangerschaft beschäftigen können. Eine Freundin, die vor ihrer Schwangerschaft auf Härteres stand, erzählte mir, dass sie keine Berührungen mehr rund um ihren Hals ertragen konnte - keine sexy Halsbänder, kein Würgen, nicht einmal Rollkragenpullis. Es war, als ob ihr Körper sagen wollte: Nee, lass mal, wir brauchen den Sauerstoff.

Justine, die unter postpartaler Depression litt, sagte, sie fühlte sich nach der Geburt "emotional nackt”. “Ich brauchte Liebe, Pflege und Zärtlichkeit von meinem Mann”, sagt sie. "Also lief bei uns eher zärtliches 'Liebe machen’, als das grobe pseudo-BDSM Zeug, das ich vorher mochte.”

Auch hier gibt es keine allgemein gültigen Regeln. Es kann sein, dass ihr einfach keine Zeit mehr für die aufwändigen Rollenspiele habt, die ihr früher mochtet. Wenn das Baby nur eine halbe Stunde lang schläft und du noch zu Mittag essen musst, klingt ein Quickie eher machbar. Oder es liegt an Stress und Erschöpfung.

Außerdem werden frisch gebackene Eltern im ersten Jahr viele emotionale Veränderungen durchmachen - und das gilt für eure Partner genauso wie für euch selbst. Das bedeutet zwar nicht, dass du nie wieder kinky sein wirst. Aber es kann heißen, dass du eine kleine Pause brauchst.

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(lm)