8 Dinge, die du nicht sagen solltest, wenn dein Partner Depressionen hat

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  • Wenn dein Partner unter Depressionen leidet, willst du ihm natürlich dabei helfen, dass es ihm wieder besser geht
  • Doch die falschen Worte können mehr Schaden anrichten, als Gutes zu bewirken
  • Deshalb erklären Therapeuten und Betroffene, wie du deinem depressiven Partner am besten helfen kannst

Wenn dein Partner an Depressionen leidet, versuchst du natürlich, so unterstützend und liebevoll zu sein wie nur irgendwie möglich. Es ist jedoch schwer, die richtigen Worte zu finden oder zu verstehen, wie du deinem Partner helfen kannst, vor allem dann, wenn du selbst noch keine Erfahrungen mit Depressionen gemacht hast.

Du solltest auch unbedingt mit deinem Partner reden.

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Falsche Worte können mehr Schaden anrichten, als Gutes zu bewirken - Credit: Gettystock

Die falschen Worte können jedoch manchmal mehr Schaden anrichten, als Gutes zu bewirken – auch wenn du eigentlich nur helfen willst. Wir haben Experten gebeten, uns die schlimmsten Sätze zu nennen, die Menschen mit Depressionen von ihren Partnern zu hören bekommen, und uns zu verraten, wie man die Botschaften hinter diesen Aussagen einfühlsamer ausdrücken könnte.

1. Was du nicht sagen solltest: “Du musst dir dringend Hilfe holen.”

Was du stattdessen sagen solltest: “Ich mache mir Sorgen um dich und um uns. Ich liebe dich und ich will dich unterstützen. Wie kann ich dir helfen?”

“Frage deinen Partner: ‘Soll ich mich nach einem Therapeuten für dich umschauen oder einen Paarberater für uns beide suchen? Oder soll ich einen Termin für dich vereinbaren, damit du mit deinem Arzt über Medikamente sprechen kannst?’ Auf diese Weise gehst du das Problem gemeinsam mit deinem Partner an, statt ihm oder ihr Vorwürfe zu machen.

Denn wenn dein Partner unter Depressionen leidet, ist es für ihn oder sie sehr viel weniger abschreckend oder anstrengend, wenn du die Suche nach einem Therapeuten übernimmst oder einen Termin vereinbarst. Sag deinem Partner: ‘Wir stehen das gemeinsam durch. Es wird wieder besser werden.’” Shannon Kolakowski, Psychologin und Autorin von "When Depression Hurts Your Relationship"

2. Was du nicht sagen solltest: “So schlimm kann es doch gar nicht sein.”

Was du stattdessen sagen solltest: “Wie geht es dir denn momentan? Ist es an manchen Tagen schlimmer als an anderen?”

“Stell deinem Partner Fragen, statt Kommentare abzulassen. Versuche nicht, ihn aufzumuntern, indem du ihm sagst, dass alles doch gar nicht so schlimm sein kann. Verkneif dir, ihm zu sagen dass er bald darüber hinweg sein wird oder dass morgen alles schon wieder viel besser aussehen wird. Schreib ihm nicht vor, wie er das Problem lösen soll.

Stattdessen solltest du deinem Partner Fragen stellen. Erkundige dich, wie es ihm gerade geht. Frag ihn, ob es an manchen Tagen schlimmer ist als an anderen. Frag ihn, was seiner Meinung nach der Auslöser für die Depressionen war.

Wenn du deinem Partner Fragen stellst, bietest du ihm die Gelegenheit, offen über seine Gefühle zu sprechen. Durch Gespräche schafft man eine Verbindung, die sehr hilfreich sein kann, da depressive Menschen dazu neigen, sich von anderen zurückzuziehen.” Susan Heitler, Psychologin und Autorin

Mehr zum Thema: 12 Dinge, die du wissen musst, wenn du einen Menschen mit Depressionen liebst

3. Was du nicht sagen solltest: “Wie lang dauert es denn noch, bis es dir wieder besser geht?”

Was du stattdessen sagen solltest: “Wie fühlst du dich denn gerade?”

“Einer meiner Ex-Partner hat mir diese Frage nach einer Therapiesitzung gestellt. Als gäbe es einen festen Zeitrahmen für Depressionen und ein Enddatum für die Behandlung, das bei allen Patienten gleich ist. Diese Frage gab mir das Gefühl, dass ich in meiner Therapie versagt hatte und sie wirkte sich kontraproduktiv auf die Fortschritte aus, die ich bisher gemacht hatte, denn ich hatte den Eindruck, unglaublich weit von dem Punkt entfernt zu sein, an dem ich eigentlich sein ‘sollte’ oder an dem ich glaubte, sein zu müssen.

Offene Fragen, zum Beispiel ein einfaches ‘Wie geht’s dir?’ oder ein ‘Woran merkst du, dass die Therapiesitzungen dir helfen?’, sind sehr viel förderlicher und klingen weniger nach einem Angriff. Vermeide Kommentare, die deinem Partner das Gefühl geben könnten, dass die Krankheit seine eigene Schuld ist.

Akzeptiere, dass es deinem Partner gerade nicht gut geht, und dass du ihn unterstützt und liebst, auch wenn es eine Weile dauern kann, bis er wieder ganz der Alte ist.” Lauren Hasha, Beraterin und Autorin

4. Was du nicht sagen solltest: “Warum stehst du nicht einfach auf und gehst spazieren, oder schaust dir einen lustigen Film an?”

Was du stattdessen sagen solltest: “Hast du Lust, eine kleine Runde mit mir zu drehen?”

“Wenn der eigene Partner an Depressionen leidet, wollen wir ihm helfen und am liebsten alles sofort wieder ins Reine bringen. Derjenige Partner, der sich um den anderen kümmern will und selbst nicht von Depressionen betroffen ist, sagt dann schnell mal Sätze wie ‘Warum kannst du nicht einfach mal ... – und diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen: spazieren gehen, einen lustigen Film anschauen, aufstehen.’

Denn uns ist schließlich klar, was helfen würde! Depressiven Menschen fällt es jedoch oft schwer, sich zu motivieren und etwas zu unternehmen, und deshalb sollten wir ihnen auch nicht vorwerfen, dass sie ihr Leben gar nicht ändern wollen.

Es kann einfach nur sein, dass sie es in eben diesem Moment einfach nicht schaffen, etwas zu unternehmen, das ihnen gut tun würde. Depressionen gaukeln einem ein falsches Bild von der Realität vor, und deshalb sind Betroffene oft in einem negativen Vakuum von destruktiven Gedanken, Bewegungsunfähigkeit und Trägheit gefangen.

Eine bessere Art, seinem depressiven Partner eine Unternehmung vorzuschlagen oder ihm zu helfen, in die Gänge zu kommen, wären zum Beispiel folgende Fragen: ‘Hast du Lust, eine kleine Runde mit mir zu drehen?’, oder: ‘Ich möchte diesen lustigen Film sehen, wollen wir ihn uns vielleicht gemeinsam anschauen?’

Du lädst deinen Partner zu einer Unternehmung ein, von der du denkst, dass sie ihm gut tun könnte. Dadurch fühlt er sich gebraucht und gewollt, und so schaffst du es vielleicht, ihn aus seinem depressiven Loch herauszuholen.”Angela Avery, Beraterin, die sich auf Depressionen und Eheprobleme spezialisiert hat

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5. Was du nicht sagen solltest: “Wie konnte das denn ausgerechnet dir passieren?”


Was du stattdessen sagen solltest: “Ich bin bei dir. Du bist nicht allein damit. Es gibt auch noch andere Menschen, die davon betroffen sind.”

“Jegliche Kommentare, mit denen du eine Wertung, deine Enttäuschung oder eine negative Haltung zu der Krankheit ausdrückst, sind problematisch. Ein depressiver Mensch fühlt sich sowieso schon schlecht. Was er jetzt braucht, sind Worte, mit denen du ihm zeigst, dass du ihn so akzeptierst, wie er ist, und dass du dich um ihn kümmerst.

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Depressive Menschen brauchen keine Belehrungen - Credit: Gettystock

Hilfreich sind Aussagen wie: “Ich bin bei dir. Du bist nicht allein damit. Es gibt auch noch andere Menschen, die davon betroffen sind.” Du musst nicht gleich den Cheerleader für deinen depressiven Partner abgeben, doch du solltest ihm unbedingt zeigen, dass du dir sicher bist, dass es ihm irgendwann auch wieder besser gehen wird, und dass er sich zwar in einer dunklen und schwierigen Phase befindet, dass dieser Zustand jedoch nicht ewig andauern wird.” Irina Firstein, Paartherapeutin

6. Was du nicht sagen solltest: “Du bist so negativ.”

Was du stattdessen sagen solltest: “Es wird nicht für immer so bleiben.”

“Es stimmt, dass Depressionen sogar den positivsten Menschen dazu bringen können, alles um sich herum nur noch aus einem negativen Blickwinkel heraus zu betrachten. Das hat überhaupt nichts mit dem Betroffenen persönlich zu tun, sondern liegt rein an der Depression.

Wenn du einen Satz mit ‘du’ beginnst, kann es sich für dein Gegenüber so anfühlen, als würdest du ihm die Schuld geben oder als würdest du ihm einen Vorwurf machen. Oder er nimmt ein Gefühl wahr, das er in diesem Moment überhaupt nicht kontrollieren kann. Dadurch erzeugst du zwischen dir und deinem Partner Verletzungen, Abwehr und Isolation.

Depressive Menschen betrachten die Welt durch eine Linse, die ihnen alles schrecklich und schlimm erscheinen lässt. Eigentlich wollen sie das Glas gar nicht als halb leer betrachten, doch sobald die Depression sie fest im Griff hat, können sie gar nichts anderes mehr sehen. Erinnere dich selbst und deinen Partner immer wieder behutsam und vorsichtig daran, dass in diesen Augenblicken die Depression das Kommando übernommen hat.

Erinnere dich selbst (und deinen Partner) außerdem daran, dass auch er das Gute auf der Welt wieder sehen können wird, sobald die Depression nachlässt. Wenn man in einer depressiven Phase steckt, hat man das Gefühl, dass die Symptome nie wieder weggehen werden, und deshalb ist es wichtig, seinen Partner daran zu erinnern, dass sie irgendwann wieder verschwinden werden.” Lauren Hasha

7. Was du nicht sagen solltest: “Du solltest dich nicht so fühlen.”

Was du stattdessen sagen solltest: “Ich möchte dich daran erinnern, dass du mir wichtig bist. Ich brauche dich, ich will dich, ich liebe dich.”

“Man sucht sich klinische Depressionen nicht bewusst aus. Es handelt sich dabei um eine Gemütsstörung, die von verschiedenen biopsychosozialen Faktoren abhängt. Wenn es deinem Partner schlecht geht, ist es ganz normal, dass du seine scheinbar irrationalen Gedanken herunterspielen willst und versuchst, ihn von einer positiven und konstruktiveren Sicht der Dinge zu überzeugen.

Sobald ein depressiver Mensch jedoch die Worte ‘du solltest’ am Satzanfang hört, empfindet er nur noch mehr Schuld, Scham und Verletzlichkeit wegen seiner eigenen Gedankenmuster, und es fühlt sich für ihn so an, als ob er etwas falsch gemacht hätte.

Stattdessen solltest du die Sichtweise deines Partners akzeptieren und Verständnis dafür aufbringen, dass er gerade alles durch seine depressive Linse sieht. Du könntest ihm zum Beispiel sagen: ‘Deine Depression redet dir ein, dass du niemandem wichtig bist. Ich verstehe, dass sie deine Gedanken fest im Griff hat. Ich möchte dich jedoch auch daran erinnern, dass du mir wichtig bist, dass ich dich brauche, dass ich dich will und dass ich dich liebe.’

Wenn wir es schaffen, unserem Partner den Unterschied klar zu machen zwischen dem, was die Depression ihm einredet, und wie es in Wirklichkeit aussieht, müssen wir nicht mit ihm streiten. Wir zeigen ihm stattdessen, dass es zu jedem Gedanken auch noch eine andere Sichtweise gibt.”Angela Avery

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8. Was du nicht sagen solltest: “Mit dir kann man überhaupt keinen Spaß mehr haben. Wir unternehmen nie etwas.”

Was du stattdessen sagen solltest: “Lass uns einen Kaffee trinken gehen.”

“Unternimm kleine Schritte, um deinen Partner wieder aus dem Haus zu locken. Schlag ihm einen gemeinsamen Spaziergang vor, oder ein Kaffeekränzchen mit Freunden - bereits eine einfache Alltagsunternehmung pro Tag kann die Stimmung deines Partners schon wieder verbessern.

Und pass dabei auch immer gut auf dich selbst auf. Unternimm Ausflüge mit deinen Freunden und deiner Familie oder gönn dir einen Wellness-Tag, damit du wieder Kraft tanken kannst. Dadurch schützt du dich davor, dass du selbst Depressionen entwickelst. Denn das kann leicht passieren, wenn es deinem Partner nicht gut geht.” ​Shannon Kolakowski

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Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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