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08/08/2017 22:43 CEST | Aktualisiert 09/08/2017 07:23 CEST

SPD-Kanzlerkandidat Schulz besucht Rentner in Jena - das Thema Flüchtlinge ist tabu

  • SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat am Dienstag ein Mehrgenerationenhaus in Jena besucht

  • Die Bewohner waren irritiert: Die Arbeiterwohlfahrt informierte sie vorab, das Thema Flüchtlinge nicht anzusprechen

Es sollte um Rente gehen und Pflege, um das Zusammenleben der Generationen. Und nicht um Flüchtlinge.

Beim Besuch von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz am Dienstag in einem Mehrgenerationenhaus im thüringischen Jena waren einige Bewohnerinnen irritiert.

Denn: Sie waren vorab schriftlich gebeten worden, die Themen Flüchtlinge und Migration nicht zu thematisieren, "da bei diesem Besuch die anderen Themen im Fokus stehen sollen." Der Zettel kam laut Briefkopf von der Arbeiterwohlfahrt, der AWO Jena-Weimar, die das Haus betreibt.

Sollte vermieden werden, dass Schulz sich vor laufenden Kameras mit Rentnern über Integration streiten muss?

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Schulz: "Ich hätte Ihnen keinen Zettel gegeben"

Die SPD weist das zurück: "Es ist selbstverständlich, dass die Bewohner mit Martin Schulz über alles sprechen können", sagte ein Sprecher. Schulz selbst setzte sich zu einigen älteren Damen an den Tisch: "Ich hätte Ihnen keinen Zettel gegeben." Versöhnt wirkten sie danach nicht gerade.

Sie hätten den Umgang mit Flüchtlingen gern thematisiert, erklärte Frank Albrecht, der Vorstandsvorsitzende der AWO Jena-Weimar. "Da hat ganz klar Berlin gesagt: Nein, wir haben nur wenig Zeit, und das Thema ist so wichtig, dass wir es nicht mehr dem Thema Mehrgenerationengerechtigkeit und Pflege zusammenfügen können."

Berlin, das seien die Organisatoren bei der SPD, sagte er noch. Man habe nicht Probleme, sondern positive Beispiele der Integration thematisieren wollen, sagte Albrecht - "es ist uns eine Herzensangelegenheit". Aber man habe ja nur eineinhalb Stunden Zeit gehabt.

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(jg)

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