POLITIK
08/08/2017 09:57 CEST | Aktualisiert 08/08/2017 15:06 CEST

"Erdogan will eine Atombombe": Was hinter dem brisanten Vorwurf an die Türkei steckt

  • Ein türkischer Journalist ist überzeugt: Erdogan hat Pläne, die Türkei nuklear aufzurüsten (Video oben)

  • Politologe Aykan Erdemir bestätigt das türkische Interesse an der Atombombe

  • Die Diskussion sei bisher allerdings nur eine rhetorische Strategie

Schon jetzt stellt die Türkei die zweitgrößte Nato-Armee: Mit rund 400.000 Soldaten befehligt der Staatschef Recep Tayyip ein eindrucksvolles militärisches Aufgebot.

Dennoch soll Erdogan unlängst ein brisantes Aufrüstungsprojekt angeschoben haben.

Der regierungskritische türkische Journalist Abdullah Bozkurt spricht von einem "geheimen Plan, Massenvernichtungswaffen zu erwerben - darunter auch eine Atombombe zur Abschreckung".

"Erdogan will die Türkei zu einer Atommacht machen"

Bozkurts Beweis: Zuletzt sprachen einflussreiche Berater des Präsidenten und regierungsnahe Kleriker immer wieder von der Atombombe. Zudem habe Erdogan sich Russland und Japan angenähert und sich somit von der Nato entfernt.

Dieser Prozess beinhalte auch Abkommen mit Russland und Japan zur Errichtung von zwei Atomkraftwerken in der Türkei. Details über diese seien nicht bekannt, was Bozkurt als verdächtig beurteilt.

Doch reicht das als Beleg für die vermeintlichen heiklen Machenschaften der türkischen Regierung?

Türkei-Experte Aykan Erdemir vom US-Thinktank Foundation for Defense of Democracies bestätigte der HuffPost, dass Erdogan Interesse zeige, moderne Waffensysteme zu erwerben.

Dennoch sagt Erdemir, der früher selbst im türkischen Parlament saß: "Erdogan hat ein starkes Verlangen die Türkei zu einer Atommacht zu machen, aber nicht die Kapazität."

Erdogans Problem:

Wegen des andauernden Ausnahmezustands in der Türkei gebe es eine massive Kapitalflucht und Abwanderung von Wissen. “Der Türkei fehlt es an finanziellen Mitteln und Personal für so ein kostspieliges und hochtechnologischen Projekt”, sagt Erdemir.

Trotz dieser offensichtlichen Probleme gebe es in der Türkei derzeit eine große Nuklear-Euphorie.

“Die regierungsfreundlichen Medien übertreiben die Stärke des Militärs häufig, um die Moral in der Türkei zu steigern.” So solle von sozialen und ökonomischen Problemen abgelenkt werden, ist Erdemir überzeugt. Da passt der Plan, aus der Türkei eine Atommacht zu machen, ins Bild.

Nicht nur in der Zivilgesellschaft gilt es für Erdogan, skeptische Stimmen zu übertönen. Auch im türkischen Militär selbst steht Erdogan vor der schwierigen Aufgabe, die Motivation hoch zu halten und Gegenwind gegen seinen politischen Kurs zu vermeiden.

Bald haben Salafisten das Sagen in der türkischen Armee

Rund 160 der 324 Generäle der türkischen Armee hat er in den vergangenen Monaten gefeuert, dazu tausende Soldaten, viele von ihnen waren in ranghohen Positionen. Seit Jahren führt Erdogan einen internen Kampf mit den Eliten im Militär. Denn diese sind seit jeher säkular geprägt – und üben in der Türkei traditionell einen großen politischen Einfluss aus.

Noch gibt es in den Schaltzentralen der türkischen Armee viele, die den konservativ-islamischen Kurs des Präsidenten ablehnen.

Glaubt man den düsteren Ausführungen einiger ehemaliger türkischer Offiziere, zeichnet sich ab, dass das Militär bald frei von Erdogan-Kritikern ist.

Ein ehemaliger türkischer Nato-Offizier sagte dem Magazin “Vocal Europe” zuletzt: "Islamisten mit Bezug zur AKP, die viele Jahre lang vom Militär ausgeschlossen waren, werden gerade in die wichtigsten Positionen der Armee gehoben."

"Die Nato wird in zwei bis fünf Jahren eine Mitgliedsarmee voller Extremisten und Salafisten haben", ist er überzeugt. Sollten dann Atomwaffen in ihren Händen sein, würde das die Situation noch beängstigender machen.

Passend zum Thema: Erdogans Drohungen Richtung Europa werden immer wahnsinniger – doch seine Strategie scheitert

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(ben)

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