Diese Wahlplakate zeigen, wie schlimm der Bundestagswahlkampf werden könnte

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  • Die ersten Plakate zur Bundestagswahl hängen
  • Sie zeigen: Inhalte wollen die meisten Parteien vermeiden

In vielen Städten Deutschlands hat er an diesem Wochenende begonnen: Der Plakat-Wahlkampf zur Bundestagswahl. Bereits die ersten aufgehängten Motive geben eine Vorahnung, was in den nächsten rund sieben Wochen auf die Deutschen zukommt.

Die Motive zeigen, dass der Wahlkampf noch weitaus schlimmer werden könnte, als viele Experten seit Monaten mutmaßen. Nicht jedoch, weil die Debatten “schmutzig” werden, wie Politologen aufgrund der aufgeheizten politischen Stimmung befürchten.

Eher erwecken die Plakate den Eindruck: Die Parteien wollen Debatten lieber grundsätzlich aus dem Weg gehen.

Beispiel gefällig?

Die SPD thematisiert auf einem ihrer Plakate die Familienpolitik. Wie die ist? “Laut und fordernd.”

Was das bedeutet? Egal.

Immerhin hat das Foto einen gewissen Wiedererkennungswert. Denn es ist unfreiwillig komisch. So haben die Sozialdemokraten dem kleinen Jungen den halben Kopf abgeschnitten, dem Mädchen fehlt aufgrund der unglücklichen Perspektive der rechte Arm.

“Lieber Arm ab als Armut”, würde der Zyniker sagen.

Auf einem anderen Plakat verzichtet die SPD lieber gleich ganz auf lästige Politik. Bundestagskandidat Thomas Utz wünscht einfach mal “schöne Ferien”. Vermutlich hat er seinem Parteichef Martin Schulz zugehört. Der betonte zuletzt im “Spiegel”-Interview, der Wahlkampf habe noch gar nicht begonnen. Die Deutschen seien ja noch im Urlaub, so Schulz’ Erklärung für die schlechten Umfragewerte.

Auch Linke und CSU wünschen “schöne Ferien”. Besonders furchtbar ist dabei das Plakat des CSU-Spitzenkandidaten Joachim Herrmann. Der hat sich für das Fotoshooting kurzerhand aufs Fahrrad geschwungen.

Ein Motto seiner Partei scheint er dabei nicht zu berücksichtigen: “Freiheit braucht Sicherheit”. Oder warum hat Herrmann den schützenden Helm nicht auf dem Kopf sondern in der Hand?

Seine Parteikollegen Peter Gauweiler und Stephan Pilsinger scheinen da prinzipientreuer zu sein. Sie fordern: “Bayern zuerst”. War da nicht was?

Ja, das klingt gewaltig nach Trump. Nach “America First”. Und wie das klappt, sehen wir ja gerade.

Dann vielleicht doch lieber ohne Inhalte, dachte sich auch Martin Schulz. Dem reicht sein Name und der Aufruf “Am 24.9 SPD wählen” – frei nach dem Motto, das Satiriker Martin Sonneborn seit Jahren predigt: “Inhalte überwinden!”

Vielleicht nächstes Mal gleich so? Wäre nur konsequent.

Wahrscheinlich ist diese Inhaltsleere immer noch effektiver, als dieser FDP-Slogan. “Selbstbestimmung ist nicht verhandelbar”, steht auf dem Plakat von der niedersächsischen Kandidatin Nicole Langer. Das ist etwa so griffig wie Heideggers
Phänomenologische Interpretationen zu Aristoteles.

Während die FDP mit solchen Motiven wohl kaum für Aufsehen sorgen wird, hat die AfD den Wirbel schon lange erzeugt. Mit einer Kampagne, die an Peinlichkeit kaum zu überbieten ist: mit nackten Frauen, Alkohol, Sex und Schweinefleisch.

Linken-Politiker Niema Movassat hat offenbar ein anderes Publikum im Blick: 12-Jährige Jungs, die ihr Taschengeld in Comicläden verprassen. Vielleicht hätte jemand Movassat sagen sollen, dass die noch gar nicht wählen gehen.

Dann hätte er sich das Spiderman-Kostüm vielleicht gespart.

Auch FDP-Chef Christian Lindner ist modern unterwegs. Ohne Kostüm, dafür mit jugendlicher Sprache: “Digital First, Bedenken Second”. Klingt irgendwie ein wenig nach erst twittern, dann denken.

Auch die Satire-Sendung “Walulis” machte sich bereits über das Plakat lustig: “In Anbetracht des Troubles um #Krim + #lindner, wäre "Denken first. Reden second." wünschenswert gewesen.”

Mehr zum Thema: Ein FDP-Politiker hat ganz München mit seiner privaten Handynummer plakatiert - das hat er erlebt

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(sma)

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