Schickt Kim jetzt Raketen? Nach Sanktionen droht Nordkorea den USA mit Vergeltung

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NORDKOREA
Droht jetzt eine Eskalation? Nach den UN-Sanktionen droht Nordkorea mit Vergeltung | dpa
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  • Trotz der verhängten UN-Sanktionen will Nordkorea keine Abstriche bei seinem Atomwaffen-Programm machen
  • Wie geht es in dem Konflikt weiter? Experten sehen China als wichtigsten Akteur

Es war nicht die leiseste Spur eines Einlenkens zu vernehmen: Am Wochenende hatte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die bisher schärfsten Sanktionen gegen Nordkorea verhängt - und Diktator Kim Jong-un drohte mit Vergeltung.

"Wir sind bereit, die USA mit weit größeren Maßnahmen zur Rechenschaft für ihre Verbrechen gegen unser Volk und unser Land zu ziehen", ließ das Regime über die Staatsmedien verbreiten. Zu den Maßnahmen nannte Pjöngjang keine Details.

Nordkorea habe “nicht die Absicht, irgendein Land außer den USA mit Atomwaffen anzugreifen oder mit Atomwaffen zu bedrohen, es sei denn, es beteiligt sich an Militäraktionen der USA gegen Nordkorea”, sagte nordkoreanische Außenminister Ri Yong Ho.

Er bezeichnete sein Land sogar als “verantwortungsvolle Atommacht”.

Auch ein Gesprächsangebot von Südkorea schlug das Regime aus. Wie geht es nun in diesem Konflikt weiter? Die vier wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

1. Könnten die Sanktionen Nordkorea überhaupt stoppen?

Die verhängten Wirtschaftssanktionen würden Nordkorea empfindlich treffen. Insgesamt sollen Ausfuhrverbote die ohnehin schon mageren Exporterlöse Nordkoreas nach UN-Angaben um eine Milliarde Dollar kürzen. Das entspräche einem Rückgang von einem Drittel.

Tatsächlich wären die Sanktion ein großer Erfolg - sollten sie denn konsequent umgesetzt werden. Auch Russland und China stimmten für die Verabschiedung der Ausfuhrverbote. China ist Nordkoreas wichtigster Handelspartner - gerade auf die Führung in Peking kommt es nun also an.

US-Politikwissenschaftler Ian Bremmer schrieb auf Twitter: Sollten die Sanktionen von China umgesetzt werden, wäre das ein großer Gewinn für die Trump-Regierung im Konflikt um das Atomwaffenprogramm von Nordkorea.

US-Präsident Trump hatte wiederholt Nordkorea gedroht - und auch China kritisiert, nicht hart genug gegen das Regime vorzugehen.

2. Wird China die Sanktionen umsetzen?

In dieser Frage gehen die Meinungen auseinander. China hat kein Interesse daran, dass sich die wirtschaftliche Lage im Nachbarland Nordkorea weiter verschlechtert - und womöglich hunderttausende Nordkoreaner über die Grenze in die Volksrepublik fliehen.

Jay Lefkowitz, ehemals Sondergesandter für Menschenrechte in Nordkorea, sagte gegenüber der Nachrichtenseite “USA Today”: “China macht Versprechen, und dann begraben sie diese Versprechen.”

Er glaubt nicht, dass Peking sich nun anders verhalten werde - und verwies auf die neunjährige Geschichte von erfolglosen UN-Sanktionen gegen Nordkorea.

Lars-André Richter, Leiter des Büros der Friedrich-Naumann-Stiftung in Südkorea, dagegen hält es für möglich, dass China seinen Kurs nun ändert. Die chinesische Regierung sei pragmatisch, sagte er gegenüber dem Deutschlandfunk.

Es könnte ein Zeitpunkt kommen, an dem die chinesische Führung zu der Auffassung gelange, “wir tragen Sanktionen nicht nur mit, sondern wir führen sie auch durch, als dass wir da alles weiter so laufen lassen”. Denn der Konflikt spitze sich zu.

Mehr zum Thema: Dass die nordkoreanische Diktatur noch existiert, liegt auch an einer großen Angst Chinas

3. Wie wird es weitergehen?

Derzeit zeigt sich Nordkorea uneinsichtig. Das Atomwaffenprogramm werde weitergeführt werden, ließ das Regime mitteilen. Womöglich wird es auch zu einem weiteren Raketentest - und damit zu einer weiteren Verschärfung des Konflikts kommen.

Laut dem amerikanischen Militärdienst DIA soll Nordkorea nur wenige Monate davon entfernt sein, Raketen serienmäßig produzieren zu können. Diese Behauptung sei allerdings umstritten, berichtete die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung”.

Die Situation ist angespannt. Die jüngsten Tests zweier Interkontinentalraketen haben gezeigt, dass Nordkorea die USA vermutlich direkt angreifen könnte. Die US-Regierung wird selbstverständlich verhindern wollen, dass Nordkorea tatsächlich in Besitz einer Interkontinentalrakete käme, die auch einen Atomwaffensprengkopf tragen könnte.

Mehr zum Thema: Nordkorea: Zwei Aussagen von Donald Trump und Südkoreas Präsident zeigen, wie unterschiedlich sie den Konflikt bewerten

4. Wird es einen Krieg geben?

Einen offenen militärischen Konflikt möchten alle Beteiligten sicherlich verhindern. Zu hoch wären die möglichen Schäden und Opferzahlen.

Hoffnung in dieser verfahrenen Situation macht für Experte Richter das Verhalten Chinas. Denn eines würde Peking sicherlich verhindern wollen: einen Krieg vor der eigenen Haustür.

So könnte der verschärfte Ton aus Washington unter Trumps Präsidentschaft sogar hilfreich sein, den Konflikt zu lösen. Noch am Samstag habe US-Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster gesagt, “eine militärische Option ist eine Option”.

Das sei etwas, “was China nicht gefallen hat”, sagte Politikwissenschaftler Richter - und Peking wohl zum Einlenken in der Sanktions-Debatte gebracht habe.

Eine baldige Lösung des Nordkorea-Konflikts ist derzeit zwar nicht in Sicht. Aber ein erster Fortschritt könnte am Wochenende mit der Verabschiedung der Sanktionen erreicht worden sein.

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(mf)

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