Reporter findet bei Höcke-Rede eine Notiz auf einem Bierdeckel – sie entlarvt das doppelte Spiel der AfD

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Reporter findet bei Höcke-Rede eine Notiz auf einem Bierdeckel – sie entlarvt das doppelte Spiel der AfD | Axel Schmidt / Reuters
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  • Bei einer Rede von Björn Hocke hat ein Journalist eine Notiz gefunden
  • Darauf warnt ein AfD-Mitglied Höcke vor den anwesenden Reportern
  • Das suggeriert: Die AfD zeigt ihr wahres Gesicht erst dann, wenn die Öffentlichkeit ausgeschlossen ist

Die AfD sieht sich als rechtskonservative Alternative. Als Partei für die enttäuschten Unionswähler, die Patrioten, und für die, die das Establishment satthaben. Doch besonders im Osten der Republik erweckt die AfD mitunter einen anderen Eindruck: Den, einer Partei, die von Rechtsradikalen unterwandert ist. Einer Partei, die Ausländerfeindlichkeit und Hass verbreitet.

Diese Diskrepanz zwischen Außendarstellung und Realität entlarvte erst kürzlich das Chatprotokoll einer WhatsApp-Gruppe der AfD in Sachsen-Anhalt. Bei einer Veranstaltung des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke trat sie am Freitag erneut auf anschauliche Weise zutage.

"Zeit“-Reporter Josa Mania Schlegel fand in Weimar nach eigener Aussage einen Bierdeckel auf Höckes Rednerpult. Darauf die Notiz: "Vorsicht Presse da! TA (höchstwahrscheinlich "Thüringer Allgemeine“, d. Red) + Zeit“.

Offenbar hatte ein AfD-Mitglied Höcke warnen wollen, seine Worte bedacht zu wählen. Denn der Thüringer AfD-Chef hatte mit einer skandalösen Rede im Januar in Dresden erst für Aufsehen und dann für einen parteiinternen Antrag auf Ausschluss aus der AfD gesorgt, der nach wie vor nicht abgeschlossen ist.

Auch deshalb weckt der Bierdeckel den Anschein: Erst wenn keine Pressevertreter anwesend sind, zeigt die AfD ihr wahres Gesicht. Wie das aussieht? Das kann man derzeit wohl erst erahnen.

Aussteiger berichten von massiver Drohkulisse

Zumindest die Chat-Protokolle aus Sachsen-Anhalt werfen ein Schlaglicht auf die rechtsradikalen Tendenzen der AfD in Sachsen-Anhalt. Hundert AfD-Politiker - fast alles Funktions- und Mandatsträger sowie Bundestagswahl-Kandidaten – ließen sich in einer WhatsApp-Gruppe über die Einschränkung der Pressefreiheit, Ausländer ("tollwütige Tiere") und die Einführung der Todesstrafe aus.

Der Landesvorsitzende André Poggenburg schrieb: "Natürlich gehört 'Deutschland den Deutschen' und so soll's auch bleiben!"

Auch Partei-Aussteiger berichten in der HuffPost immer wieder von dem radikalen Rechtsruck in der AfD. Das ehemalige Mitglied Jenny Günther berichtete so: "Getrieben wurde der Machtkampf von den Anhängern des rechten Flügels rund um den Thüringer Landeschef Björn Höcke, die mit diktatorischen Zügen die Macht ihrer Gruppe ausbauten und Gegner einschüchterten.“

"Immer wenn Höcke oder Poggenburg auftreten, herrscht Euphorie. Und wer nicht mitmacht, wird eingeschüchtert. Das habe ich selbst erlebt“, schreibt sie in ihrem Gastbeitrag weiter.

Auch der ehemalige Homosexuellen-Sprecher der AfD, Mirko Welsch, packte in der HuffPost aus. "Leider ist die AfD mittlerweile in vielen Bereichen so von rechtsextremen Gestalten durchsetzt, dass das Projekt einer konservativen Alternative zur Union vor die Wand gefahren wurde“, kritisierte Welsch seine Ex-Partei.

Er spricht von Einschüchterungen, Drohungen und Gewaltaufrufen, die er in seiner Zeit bei der AfD erlebt habe. Über die Zukunft der Partei sagt Welsch: "Wenn Jörg Meuthen gegen Frauke Petry gewinnt, wird es für die moderaten AfD-Mitglieder problematisch in der Partei zu bleiben, wenn sie ihr Gesicht wahren wollen. Denn so wie sie ist, wird die AfD schon bald nicht mehr existieren.“

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(mf)

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