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06/08/2017 11:52 CEST | Aktualisiert 06/08/2017 12:10 CEST

3 Gründe, warum die UN-Sanktionen das Raketenprogramm von Nordkorea nicht stoppen werden

KCNA KCNA / Reuters
3 Gründe, warum die UN-Sanktionen gegen Nordkorea das Regime nicht stoppen werden

  • Der UN-Sicherheitsrat hat die Sanktionen gegen Nordkorea nach dem jüngsten Test einer Interkontinentalrakete verschärft

  • Es ist unwahrscheinlich, dass sich das kommunistische Regime davon beeindrucken lassen wird

  • Drei Gründe, warum Nordkorea weiterhin Raketen testen wird

Der UN-Sicherheitsrat hat am Samstag die bislang schärfsten Sanktionen gegen Nordkorea verhängt. Mit wirtschaftlichem Druck soll das kommunistische Regime zurück an den Verhandlungstisch gedrängt werden - statt mit wiederholten Raketentests die Welt in Schrecken zu versetzen.

Die Ausfuhrverbote betreffen Kohle, Eisen, Eisenerz, Blei, Bleierz sowie Fisch und Meeresfrüchte. Nach US-Angaben soll das Nordkorea um Export-Einnahmen von 850 Millionen Euro bringen.

Ob sich Nordkorea aber damit von seinen Raketentests abbringen lässt, ist ungewiss. Wahrscheinlicher ist, dass Diktator Kim Jong-Un auch weiterhin die Welt mit Abschüssen provozieren wird.

1. Raketenteile kommen aus Russland und China

Schon seit Jahren kann Nordkorea keine Waffen, keinen Flugzeug- oder Raketentreibtstoff mehr kaufen. Auch dafür wurden Sanktionen verhängt.

Trotzdem testete das Regime kürzlich zum zweiten Mal eine Interkontinetalrakete. Laut Berechnungen von Experten hätte sie sogar New York treffen können, wäre sie flacher abgeschossen worden.

Wie gelang es Pjöngjang, eine solche Rakete zu entwickeln - trotz all der Widerstände?

Laut dem Ingenieur Robert Schmucker stammten alle wesentlichen Teile der Rakete aus Russland. Das Triebwerk sei etwa in den sechziger Jahren für die russischen Langstreckenraketen entwickelt worden, sagte Schmucker gegenüber der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”.

Möglich sei zudem, dass Nordkorea direkt Hilfe von russischen Ingenieuren bekam. Die Amerikaner hätten sieben Jahre lang versucht, ein anderes russisches Triebwerk nachzubauen - ohne Erfolg. Und Nordkorea gelingt das einfach so?

Die russischen Raketenteile sollen aus der Zeit stammen, als Russland in den 90er Jahren abrüstete. “Die sowjetischen Raketen wurden teilweise abgerüstet und teilweise außer Dienst gestellt”, sagte Experte Schmucker der “FAS”. “Aber das heißt nur, dass sie nicht mehr fliegen können.”

Die Komponenten seien nicht vernichtet worden. Gut möglich also, dass sie jemand zu Geld gemacht habe, indem er sie an Nordkorea verkaufte, meint Schmucker.

Mehr zum Thema: Rote Lkw pendeln täglich zwischen China und Nordkorea - Experten haben einen schlimmen Verdacht

Belege gebe es dafür bisher nicht. Aber nur mit fremder Hilfe sei möglich, dass Nordkorea immer neue Prototypen einsetze, berichtet die “FAS”,

Womöglich ändern neue Sanktionen also nichts daran, dass Pjöngjang weiter Raketen in den Himmel schießt und Südkorea, Japan und die USA provoziert.

Wie viel die Regierungen von China und Russland von der Unterstützung für Nordkorea wissen, lässt sich schwer sagen.

Das ernüchternde Fazit der “FAS”: “Solange China und Russland die Sanktionen nicht wirksam durchsetzen, wird Kim Jong-un die Welt immer wieder mit neuen Raketen überraschen."

2. China macht nicht genügend Druck

China ist der wichtigste Verbündete von Nordkorea. Der chinesische Außenminister hat am Sonntag Nordkorea zur Abkehr von Raketen- und Atomtests aufgerufen. Pjöngjang dürfe nicht gegen UN-Beschlüsse verstoßen.

Fraglich ist, ob die Ermahnung Wirkung zeigen wird. In den Augen der USA geht China nicht rigoros genug gegen den Verbündeten vor.

Trump griff China nach dem jüngsten Raketentest scharf an: “Sie machen NICHTS für uns bei Nordkorea, nur reden. Wir werden nicht erlauben, dass das so weitergeht. China könnte dieses Problem leicht lösen.”

Tatsächlich stimmte auch China am Samstag für die UN-Resolution und neue Sanktionen. Der US-Politikwissenschaftler Ian Bremmer sah darin einen "echten Fortschritt", immerhin gebe es nun einen multilateralen Ansatz - und keinen Alleingang der USA, schrieb er auf Twitter.

Fraglich ist, ob China sich zu mehr durchringen kann. Die chinesische Regierung hat bislang einen Umsturz in Nordkorea verhindert - auch wegen der Furcht vor einer Flüchtlingskrise, die dann entstehen könnte.

Dohoon Kim, Chefredakteur der südkoreanischen HuffPost, sagte daher: “China ist mit Sicherheit einer der Gründe, warum das nordkoreanische System weiterhin existieren kann.”

Mehr zum Thema: TDass die nordkoreanische Diktatur noch existiert, liegt auch an einer großen Angst Chinas

3. Nordkorea braucht Atomwaffen zur Selbsterhaltung

Aus noch einem weiteren Grund werden die Raketentests auf der koreanischen Halbinsel wohl weitergehen: Das kommunistische Regime braucht Atomwaffen und -raketen. Allein schon zur Selbsterhaltung.

Die Atomwaffen sollen das Überleben der Führung von Kim Jong-un garantieren. Die nordkoreanische Armee gilt als nicht zeitgemäß ausgerüstet. Einem militärischen Angriff dürfte sie nicht lange standhalten.

Der ehemalige US-Botschafter John Kornblum sagte der HuffPost bereits im April: “Man könnte die Führung dort wahrscheinlich innerhalb eines halben Tages beseitigen, wenn man das wollte.”

Um sich vor solchen Überfällen abzusichern, treibt Diktator Kim Jong-un das Atomwaffenprogramm immer rascher voran. Auch wenn er damit den Konflikt weiter anheizt - sein Überleben hängt in gewisser Weise auch vom Erfolg des Raketenprogramms ab.

Mit Material der dpa.

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(ujo)

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