Ex-"Bild"-Chefredakteur reist in die Türkei - Erdogan-nahe Medien machen ihn zur Zielscheibe

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DIEKMANN
Ex-"Bild"-Chefredakteur macht in der Türkei Urlaub - Erdogan-nahe Medien machen ihn zur Zielscheibe | DPA / TWITTER / HUFFPOST
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  • Der frühere "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann macht derzeit Urlaub in der Türkei
  • Die türkische Presse hat ihn zur Zielscheibe erhoben - und bringt ihn damit möglicherweise sogar in Gefahr

Kai Diekmann macht gerade im Südwesten der Türkei Urlaub. Der ehemalige Chefredakteur der "Bild"-Zeitung ist laut eigenen Aussagen ein "Türkei-Fan".

Die Medien im Land sehen das offenbar anders. Regierungsnahe Medien haben Diekmann entdeckt - und machen schon auf der Titelseite Stimmung gegen den Journalisten.

Wie viele deutsche Medien sieht auch die "Bild" die Vorgänge in der Türkei kritisch. Nach der Verhaftung des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner sind die deutsch-türkischen Beziehungen angespannt. Die Bundesregierung kündigte einen neuen Kurs in der Türkei-Politik an, aus Ankara folgten einige giftige Reaktionen.

Die türkische Zeitung "Milat Gazetesi" schreibt auf ihrer Titelseite nun etwa über die "Bild" und Diekmann: "Der ehemalige Herausgeber der wichtigsten Presseinstitution, die gegen die Türkei ist, macht in Bodrum Urlaub."

Eine andere Zeitung kommentiert: "Sie sind hier nicht willkommen".

Sicherheit von Diekmann sei gefährdet

Immer wieder verweisen die türkischen Zeitungen auf einen Artikel der Bild von Mitte Juli. "Verhaftet Erdogan jetzt auch Urlauber?", lautete die Schlagzeile.

Nach der Erklärung von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD), in der Türkei seien unbescholtene Bürger in Gefahr, verhaftet zu werden, herrschte große Unsicherheit unter Türkei-Urlaubern.

Mit etwas Häme kommentieren die türkischen Medien daher, dass nur einige Wochen später nach Erscheinen des "Bild"-Artikels der frühere Chefredakteur der Zeitung selbst in die Türkei fahre.

Abdullah Bozkurt, Präsident des Stockholmer Center for Freedom, warnte auf Twitter nun: Die Medien brächten Diekmann in Gefahr. Sie könnten ihn zur Zielscheibe machen - entweder für den Hass von AKP-Anhängern oder womöglich gar für die türkische Regierung selbst.

Erst am Samstag warnte der türkische Oppositionelle Kemal Kilicdaroglu Urlauber vor einer Reise in sein Land. "In der Türkei gibt es derzeit für niemanden Sicherheitsgarantien, weder für Leib und Leben noch fürs Eigentum“, sagte der Chef der Republikanischen Volkspartei (CHP) im Gespräch mit dem "Focus".

Diekmann nimmt die Schlagzeilen in der Presse bisher mit Humor. "Der Name ist richtig geschrieben. So viel hab' ich verstanden...", schrieb er auf Twitter und teilte die Titelseite der türkischen Zeitung "Takvim".

Mehr zum Thema: 7 Schritte zur Türkei-Krise - die Chronik einer angekündigten Eskalation

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(ujo)

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