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05/08/2017 21:57 CEST | Aktualisiert 06/08/2017 11:22 CEST

Republikanischer Senator attackiert die eigene Partei: Sie habe sich Donald Trump willenlos unterworfen

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Ein republikanischer Senator attackiert die eigene Partei: Sie habe sich Donald Trump willenlos unterworfen

  • Der republikanische Senator Jeff Flake ist kein Freund von US-Präsident Donald Trump

  • Er spricht von einem "Pakt mit dem Teufel", den die Republikaner mit Trump geschlossen hätten

  • Sie hätten ihr konservatives Gewissen der Macht geopfert

Donald Trump droht, Verbündete in den eigenen Reihen zu verlieren. Eine Schattenkampagne gegen den US-Präsident sei in den Reihen der Republikaner im Gange, schreibt die "New York Times" am Samstag.

Ranghohe Parteimitglieder würden sich für eine Kandidatur im Jahr 2020 in Stellung bringen, so die Zeitung. In anonymen Interviews hätten 75 Mitglieder der republikanischen Partei aus allen Machtebenen ihren Unmut mit Donald Trump als Präsidenten kundgetan.

Der "NYT" zitiert den Senator und Trump-Gegenspieler John McCain mit den Worten: "Sie sehen eine Schwäche in diesem Präsidenten."

Die sieht auch ein Kollege McCains, der Republikaner Jeff Flake. Doch es ist nicht Trump, den Flake in seinem Buch "Das Gewissen eines Konservativen" kritisiert. Sondern die Partei, die ihn überhaupt erst an die Macht gebracht hat - die Republikaner selbst.

Flake über Trump: "Unser Pakt mit dem Teufel"

Das Magazin "Politico" hatte unter der Woche einen Auszug aus Flakes Buch veröffentlicht. Der Beitrag ist eine flammende Kritik an der republikanischen Partei - ihrer Unbekümmertheit, ihrer Hörigkeit und ihrer Machtgier.

"Meine Partei befindet sich bei Donald Trump in einem Zustand der Verdrängung", schreibt Flake. "Wir haben ihn geschaffen und jetzt wollen wir ihn normalisieren." Das müsse aufhören - die Regierung der USA sei durch Trump auf dem höchsten Level destabilisiert worden. Gleichzeitig sei die Republikanische Partei Trump erlegen wie ein "betäubter Elephant".

"Wir haben so getan, als sei der Kaiser nicht nackt", schreibt Flake. "Schlimmer noch: Wir haben unser kritisches Denken an der Tür abgegeben und so getan, als würde der Kaiser irgendeinen Sinn machen."

Doch wenn die Partei für Trump ihre tiefsten Werte opfere, nur damit sie den Kongress und das Weiße Haus kontrolliere, dann sei jeder politischer Erfolg der Republikaner ein Pỵrrhussieg, resümiert Flake: "Wenn das unser Pakt mit dem Teufel war, dann war er es nicht wert."

Muss Trump Flake und seine Republikaner fürchten?

Warum wagt Jeff Flake diesen offenen Angriff auf Donald Trump, den mächtigsten Mann in der republikanischen Partei - den Mann, der auch über Flakes Zukunft entscheiden wird?

Die "New York Times" macht in dieser Hinsicht aus Flake einen Don Quijote - einen, der nichts mehr zu verlieren hat. "Seine Umfragewerte in Arizona sind so niedrig, dass sie wohl in irgendeinem Raketensilo gelagert werden", schreibt die Zeitung. "Vielleicht braucht es einen Mann, der seinem politischen Ende entgegensieht: einen, der sagt, was er wirklich denkt."

Flake kann es sich leisten, so ein Mann zu sein. Auf der Liste der Feinde des US-Präsidenten steht er sowieso schon: Laut "Politico" sagte Trump einmal, dass er im Wahlkampf gerne 10 Millionen Dollar ausgegeben würde, um Flake loszuwerden.

Der republikanische Senator kann also über Trump sagen, was er will. Gefährlich werden wird er dem US-Präsidenten nicht. Ebenso wie die ambitionierten Republikaner, die sich für 2020 in Stellung bringen.

Zu stark ist die Partei von Trump abhängig: Die Basis der Republikaner steht geschlossen hinter ihm. Trump Country hält eisern zu ihrem Präsidenten.

Doch die Mitglieder der Schattenkampagne werden warten, auf ihren Moment - auf einen neuen Skandal Trumps, auf einen Vertrauensverlust des Präsidenten an der Basis. Dann werden sie versuchen, den "Pakt mit dem Teufel", von dem Flake schrieb, aufzukündigen. Und versuchen, Trump zu stürzen.

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(ll)

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