Sonderermittler Mueller nimmt Trumps Ex-Berater Flynn ins Visier - auch wegen möglicher Verbindungen zu Erdogan

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MICHAEL FLYNN
Sonderermittler Mueller nimmt Ex-Berater Flynn in den Fokus - auch wegen möglicher Verbindungen zu Erdogan | Mike Segar / Reuters
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  • Sonderermittler Mueller hat Akten vom Weißen Haus zu Ex-Sicherheitsberater Flynn angefragt
  • Flynn ist eine Schlüsselfigur in der Russland-Affäre - und steht auch im Verdacht, Geld von der türkischen Regierung erhalten zu haben

Für einige Ex-Mitarbeiter von Donald Trump war es ein kurzes Gastspiel im Weißen Haus. Michael Flynn hielt sich nur 24 Tage im Amt des Nationalen Sicherheitsberaters.

Er verlor den Job, weil er falsche Angaben zu seinen Gesprächen mit dem russischen Botschafter in Washington gemacht hatte.

Laut einem Bericht der “New York Times” nimmt Sonderermittler Robert Mueller Flynn nun genau unter die Lupe. Muellers Mitarbeiter sollen vom Weißen Haus Unterlagen im Zusammenhang mit Flynn angefordert haben.

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Es sei die erste bekannte Anfrage von Muellers Team, um Unterlagen direkt vom Weißen Haus ausgehändigt zu bekommen.

Mueller untersucht mögliche Absprachen zwischen Trumps Wahlkampf-Team und Russland - und Flynn nimmt eine Schlüsselposition in der Affäre ein.

Doch auch Verbindungen in die Türkei könnten den ehemaligen Sicherheitsberater in Bedrängnis bringen.

Die Anti-Gülen-Kampagne

Michael Flynn betreibt die Beratungsfirma Flynn Intel Group. Die Firma soll 2015 nicht nur Zahlungen aus Russland angenommen haben, sondern auch aus der Türkei.

Flynn habe mittlerweile drei Versionen seiner finanziellen Offenlegung an das Team von Mueller übermittelt, berichtet die “New York Times”.

In der aktuellsten Fassung erhöhte Flynn demnach die Summe seiner Einkommen von zuvor 1,4 Millionen Dollar auf 1,8 Millionen Dollar.

Besonders heikel: Zu seinen Einnahmen gehörte ein Vertrag mit Inovo BV. Dieses Unternehmen wiederum gehört dem türkischen Geschäftsmann Ekim Alptekin, einem Vertrauten des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Alptekin sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, Flynn sollte für seine Firma untersuchen, wie der türkische Prediger Fetullah Gülen die Atmosphäre zwischen der Türkei und den USA “vergiftet”.

Die Türkei verdächtigt Gülen, hinter dem gescheiterten Putsch vor einem Jahr zu stecken.

Erhielt Flynn Geld von der türkischen Regierung?

Im Juni sagte Alptekin in einem Interview mit der “New York Times” sogar, dass Flynn den Ruf von Gülen in den USA schädigen sollte.

Für 530.000 Dollar soll er eine Kampagne gegen Gülen gestartet haben, um den Prediger zu diskreditieren, berichtet die Zeitung nun.

Die Ermittler um Mueller wollen laut der “New York Times” nun herausfinden, ob das Geld dafür auch von der türkischen Regierung kam. Auch wegen der widersprüchlichen Angaben, was die Aufgabe von Alptekin für Flynns Firma angeht, nehmen die Ermittlungen gegen Donald Trumps ehemaligen Sicherheitsberater nun offenbar Fahrt auf.

Dabei beging Flynn wohl noch kein Vergehen, als er das Geld annahm. Heikel könnte allerdings sein, dass er seine Tätigkeit für den türkischen Geschäftsmann Alptekin nicht registrieren ließ. Personen in den USA müssen sich beim Justizministerium registrieren, wenn sie im Auftrag einer ausländischen Regierung handeln - ansonsten begehen sie ein Verbrechen.

Doch die Spur Flynns führt eben nicht nur in die Türkei - sondern eben auch nach Russland.

Wie viel Einfluss hatte Russland auf Flynn?

Flynn verlor seinen Posten im Weißen Haus, nachdem bekannt wurde, dass er dem russischen Ex-Botschafter Sergej Kisljak in einem Telefonat versprochen haben soll, Trump werde nach der Wahl die US-Sanktionen gegen Russland lockern.

Laut einem Bericht des US-Senders CNN sollen russische Regierungsbeamte mit ihrem Einfluss auf Flynn geprahlt haben.

Kisljak bestritt am Samstag in einer russischen Talkshow, es habe illegale Absprachen zwischen ihm und Flynn gegeben. “Wir haben die einfachsten Dinge besprochen”, sagte Kisljak.

Es sei unter anderem um den Kampf gegen den Terrorismus gegangen. Über die US-Sanktionen gegen Russland will Kisljak nach eigener Darstellung nicht mit Flynn gesprochen haben.

Die heikelste Angelegenheit um Flynn ist vermutlich jedoch gar kein Treffen mit einem russischen Vertreter. Sondern ein Satz von US-Präsident Trump.

Hat Trump die Justiz behindert?

Laut der Aussage des gefeuerten FBI-Chefs James Comey soll Trump ihn bei einem Abendessen aufgefordert haben, die Ermittlungen gegen Flynn einzustellen. "Ich hoffe, Sie können das fallenlassen", soll der US-Präsident gesagt haben.

Vor dem Geheimdienstausschuss sagte Comey, er habe Trumps Äußerung als Aufforderung verstanden. Damit hätte sich Trump in laufende Ermittlungen eingemischt - ein Tatbestand, der rechtliche Konsequenzen für den US-Präsidenten hätte.

Flynn bleibt also auch lange nach seinem erzwungenen Rücktritt eine zentrale Figur in der Russland-Affäre - und eine der zwielichtigsten Personen im Dunstkreis des Weißen Hauses.

Mit Material der dpa.

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(jg)

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