Deutsche Touristen führen sich auf Mallorca asozial auf - jetzt reißt den Insel-Bewohnern der Geduldsfaden

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MALLE
Mitglieder der Initiative «Ciutat per qui l'habita» (Die Stadt für die Bewohner) protestieren in Palma (Spanien) gegen Massentourismus. | dpa
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  • Die Touristenzahlen brechen in Spanien derzeit alle Rekorde
  • Bürgerinitiativen protestieren seit einigen Wochen gegen das Ausmaß des Tourismus
  • Vor allem auf Mallorca und in Barcelona kommt es immer wieder zu gewaltsamen Ausschreitungen

Die Touristenzahlen brechen in Spanien derzeit alle Rekorde. Die Kassen klingeln. Doch das schlechte Benehmen vieler Besucher und die explodierenden Immobilienpreise bringen viele auf die Palme. Der Protest wird heißer - vor allem in Barcelona und auf Mallorca.

Eine Bürgerinitiative Mallorcas hat gegen den Massentourismus auf der spanischen Urlaubsinsel protestiert. Mitglieder der Organisation "Ciutat per qui l'habita" (Die Stadt für die Bewohner) sperrten am vergangenen Samstag in Palma symbolisch das Tourismusministerium der Balearen.

Sie klebten Zettel mit der Aufschrift "geschlossen" an die Eingangstür des Gebäudes.

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(Mitglieder der Initiative "Ciutat per qui l'habita" sperrten in Palma symbolisch das Tourismusministerium. Credit: dpa)

Eine Sprecherin der Vereinigung las eine Botschaft vor und kritisierte dabei unter anderem die Vermietung von Ferienwohnungen in Mehrfamilienhäusern, die das Angebot für die Einheimischen reduziere und die Immobilienpreise nach oben treibe.

Die Wirtschaft sei für die Regierenden wichtiger als das Recht auf eine Wohnung, hieß es.

Probleme durch "Besäufnisse und Schlägereien"

Die Probleme des Tourismus und die rapide wachsenden Besucherzahlen lösen auf Mallorca immer mehr Kritik aus. Palma-Bürgermeister Antoni Noguera hatte Anfang Juli nach mehreren Prügeleien zwischen Touristen - unter anderem aus Deutschland - sowie anderen Zwischenfällen gesagt, man wolle keine Besucher, die "durch Besäufnisse und Schlägereien" Probleme bereiten.

Am Freitag machte die Chefin der städtischen Reinigungsfirma von Palma (Emaya), Neus Truyol, den Tourismus für die wachsenden Müllmengen mitverantwortlich. Sie wies darauf hin, dass in besonders stark von Touristen aufgesuchten Vierteln der Müll zweimal am Tag eingesammelt werden müsse.

In den vergangenen Tagen waren in Palma zudem zum wiederholten Mal Graffitis aufgetaucht, die die Ferienvermietung von Privatwohnungen kritisierten.

Auch in Barcelona ist es erneut zu gewalttätigen Protestaktion gegen Massentourismus gekommen. Zahlreiche Leihfahrräder sind beschädigt worden.

Mehrere Aktivisten der linken Organisation Arran hätten zu Wochenbeginn in der spanischen Metropole unter anderem die Reifen der vor allem bei Touristen sehr beliebten städtischen Räder zerstochen, berichteten spanische Zeitungen.

Gewalt werde vor allem "von diesem Modell des Massentourismus erzeugt", sagt die Aran-Sprecherin

Arran-Sprecherin Laura Flores wies Kritik zurück und sagte am Dienstagabend im Interview des TV-Senders La Sexta, es handele sich nicht um kriminelle Handlungen: "Solche Aktionen sind genauso legitim wie Kundgebungen."

Gewalt werde vor allem "von diesem Modell des Massentourismus erzeugt", betonte sie.

Ein von der Gruppe auf Twitter gestelltes Video zeigt Szenen der Aktion. "Wir haben die Besetzung des öffentlichen Raumes durch Tourismus-Unternehmen in unserem Viertel satt!", heißt es.

Erst am vergangenen Donnerstag hatten vier vermummte Mitglieder von Arran in Barcelona einen Touristenbus zum Halten gezwungen.

Vor den Augen der erschrockenen Fahrzeuginsassen, darunter vieler Kinder, zerstachen die Aktivisten dann alle Reifen. Außerdem sprühten sie mit Farbdosen Parolen auf die Windschutzscheibe wie "Der Tourismus tötet die Stadtviertel".

Mit Material der dpa

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