Martin Schulz hat eine absurde Erklärung für das Umfragetief der SPD

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MARTIN SCHULZ
Martin Schulz hat eine absurde Erklärung für das Umfragetief der SPD | Antonio Parrinello / Reuters
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  • Martin Schulz äußert sich im "Spiegel" zu seinem Umfragetief
  • Der Wahlkampf habe ohnehin noch nicht begonnen, redet er sich selbst gut zu
  • In Wahrheit hat er gegen Merkel wohl keine Chance mehr

Für die SPD werden die Aussichten auf einen Wahlsieg im September immer düsterer.

Laut der jüngsten Forsa-Umfrage trennen die Sozialdemokraten mittlerweile 18 Punkte von der Union. Während die Konservativen bei 40 Prozent liegen, ist die Partei von Kanzlerkandidat Martin Schulz auf 22 Prozent abgestürzt.

Für Schulz ist das der traurige Tiefpunkt einer langen Negativserie. Fast könnte der SPD-Chef einem leidtun. Doch just dann erinnert Schulz einen wieder daran, wie fleißig er selbst an der Dekonstruktion der SPD gearbeitet hat.

Denn was Schulz jetzt im "Spiegel“ über die desaströsen Umfragewerte der SPD sagt, zeigt, dass der SPD-Chef sich mittlerweile offensichtlich nicht nur von der Kanzlerschaft, sondern auch von der Realität entfernt hat. "Im Moment ist die ganze Republik im Urlaub, das spürt man“, erklärt Schulz das SPD-Tief.

Es scheint, als seien vor allem die SPD-Wähler gerade in den Ferien.

"Die Umfragen für uns sind nicht gut, aber der Wahlkampf hat auch noch gar nicht richtig begonnen“, beruhigt Schulz.

Dabei wird die Zeit knapp: Gerade einmal sieben Wochen sind es noch bis zur Bundestagswahl. Für den Herausforderer eigentlich höchste Zeit, den Wahlkampf einzuläuten. Sollte man meinen.

Schulz macht keinen Urlaub, aber taucht ab

Doch von Schulz war in den letzten Tagen wenig zu hören. Auch wenn der SPD-Chef beteuerte, keinen Urlaub zu machen, blieb etwa sein Twitter-Account zuletzt mehrere Tage stumm. Auf seiner eigenen Webseite ist der nächste öffentliche Termin von Martin Schulz für den 13. August angekündigt.

Dann hätte er nur noch rund fünf Wochen für ein Wahnsinns-Comeback.

Zwar ist auch Kanzlerin Merkel in ihrem Urlaub in Südtirol abgetaucht: Schlabberlook-Fotos aus der Gondel inklusive.

Doch zu schaden scheint ihr das nicht. Wohl auch deshalb zeigt Schulz sich im "Spiegel"-Interview fassungslos, warum Merkel noch immer so beliebt ist.

"Die CDU-Vorsitzende ist ein Profi im Vertagen von Problemen: Marode Schulen, Flüchtlingselend, Steuerflucht, Finanz- und Bankenkrise, Reform der EU-Institutionen, Angriffe auf die Demokratie in Ungarn und Polen - kein Wort dazu von der Kanzlerin“, kritisiert Schulz.

Der SPD-Chef ist nah an den Menschen, aber keinen interessiert es

Was er für sich in Anspruch nimmt: Dass er viel näher an den Menschen sei, als Merkel. Wie auch immer er das in diesem Fall meint.

Fakt ist, wenn man auf die Umfragen schaut: Vermeintliche Nähe scheint für die Deutschen nicht das Kanzlerkriterium Nummer Eins zu sein. Verlässlichkeit schon eher. Offenbar auch Kontinuität. Ruhe.

"Deutschland geht es gut", lautet der inoffizielle Wahlkampfslogan der Union. Das klingt beruhigend.

Und selbst der selbsternannte Kämpfer für Gerechtigkeit Schulz gibt Merkel in diesem Punkt jetzt Recht: "Ja, Deutschland geht es gut.“

Die Frage ist: Warum braucht Deutschland dann die SPD?

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(ben)

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