"Fakten checke ich nicht": Grünen-Mann Palmer entlarvt seine Flüchtlingskritik als unglaubwürdig

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BORIS PALMER
Boris Palmer | Michael Gottschalk via Getty Images
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  • Tübigens Oberbürgermeister Boris Palmer wird immer wieder heftig kritisiert
  • Ihm wird Stimmungsmache in der Flüchtlingskrise vorgeworfen
  • Dabei hat Palmer offenbar ein lockeres Verhältnis zu Fakten, wie er heute in einer Pressekonferenz zugab

Es ist nur ein Satz, den der umstrittene Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer am Donnerstagvormittag bei einer Buchpräsentation fallen ließ – aber es ist ein Eingeständnis an seine tausenden Kritiker.

Palmer war in das Haus der Bundespressekonferenz gekommen, um gemeinsam mit CDU-Vize Julia Klöckner sein Buch "Wir können nicht allen helfen“ vorzustellen.

Darin nimmt er sich die Asylpolitik der Bundesregierung zur Brust – ein Thema mit dem er in den vergangenen Jahren einen Shitstorm nach dem anderen lostrat.

Zuletzt meldete er sich etwa bei den Übergriffen in Schorndorf zu Wort. Seine Kritiker – darunter viele Parteifreunde der Grünen – werfen ihm Stimmungsmache mit falschen Fakten gegen Flüchtlinge vor.

60.000 Beiträge auf Facebook

Ein Journalist fragte Palmer deswegen während der Buchpräsentation:

"Haben Sie durch das Schreiben des Buchs gelernt, dass Sie gelegentlich vorher nachdenken sollten, wenn Sie was Facebook schreiben?“

Palmer antwortet darauf überraschend ehrlich.

Wenn unter 60.000 Beiträgen, die er in den vergangenen fünf Jahren auf Facebook veröffentlichte, 500 Ärger machten, weil man sie nicht zu Ende gedacht habe, läge das in der Natur der Sache. Er poste ohne Sicherheitschecks, ohne Pressesprecher und das auch noch manchmal zwischen zwei Terminen an der Bushaltestelle.

"Dann kann man es ja auch lassen"

"Sobald ich alles sauber abwäge, meine Beiträge auf Fakten überprüfen lasse und durchdrechsle, bis sich keiner mehr darüber aufregt, sinkt meine Leserzahl auf Null“, sagt Palmer. "Dann kann ich es ja auch lassen.“

Kurz gesagt: Palmer nimmt falsche Fakten und Stimmungsmache in Kauf, um seine Reichweite zu erhöhen. Was im Weißen Haus funktioniert, klappt im Tübinger Rathaus offenbar auch.

Palmer ist sich wohl offenbar genauso wie Trump nicht bewusst, was einen x-beliebigen Internettroll von einem gewählten Volksvertreter unterscheidet. Der eine spricht für sich selbst, der andere bekleidet ein Amt.

Palmer erinnert an Trump

Und der Grünen-Politiker denkt gar nicht daran, an dieser Strategie irgendetwas zu ändern.

"Hab ich die Gewissheit, dass mir das nicht mehr passieren wird?“, fragt er. "Nein. Entweder höre ich damit auf oder akzeptiere, dass Facebook eine direktere, persönlichere, riskantere Art der Kommunikation ist.“

Na dann, happy trolling, Boris!

Hoffen wir, dass seine Anhänger ihn in Zukunft nicht mehr zu ernst nehmen.

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