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03/08/2017 10:17 CEST | Aktualisiert 03/08/2017 10:24 CEST

Erschossener Türsteher in Konstanz: "Hells Angel" lädt zur Beerdigung ein

Reuters/Bjoern
Erschossener Türsteher in Konstanz: "Hells Angel" lädt zur Beerdigung ein

  • An diesem Donnerstag soll der erschossene Türsteher aus der Konstanzer Disko beigesetzt werden

  • Ein Mitglied der Rocker-Gruppe "Hells Angels" ruft dazu auf, dem Toten die letzte Ehre zu erweisen

  • Er hoffe, dass das der Familie Trost spende

Ramazan Ö. starb in der Nacht zum Sonntag. Der zweifache Vater war der Türsteher der Konstanzer Disko "Grey", vor der ein 34-Jähriger mit einem Sturmgewehr um sich schoss.

Er tötete den 50-Jährigen, der laut "Südkurier" erst seit zwei Tagen in der Disko arbeitete.

An diesem Donnerstag soll Ramazan beerdigt werden. Und ein nach Informationen der Zeitung hochrangiges Mitglied der Rockergruppe "Hells Angels" aus der Schweiz ruft dazu auf, zu seiner Beisetzung zu kommen. Die Familie des Toten habe ihn darum gebeten.

"Auf ihn habe ich mich verlassen können"

Rocker Björn schreibt:

"Ich kann mir nicht vorstellen was so ein Schicksalsschlag in einem Familienangehörigen auslösen kann, mir persönlich würde es aber zumindest etwas Trost spenden, wenn ich sehen würde, dass in dieser manchmal ach so kaputten Welt möglichst viele Menschen Ramazan das letzte Geleit geben und so ihre Teilnahme an dem furchtbaren Schicksal erkennen lassen."

Björn schreibt auf Facebook, Ö. er sei ein alter Arbeitskollege:

"Ich kann gar nicht zählen wie oft wir früher an der Tür zusammengearbeitet haben und wie viel Spaß wir im damaligen Team hatten. Es ist heutzutage schon selten genug geworden sich in heiklen Situationen auf andere Menschen zu verlassen. Auf ihn habe ich mich aber immer zu 100 Prozent verlassen können."

"Vergesst nicht die Menschen, die für eure Sicherheit sorgen"

Börn schreibt, die meisten Menschen wüssten nicht, wie hart der Job des Türstehers sei. Sie müssten sich "für ein paar Euro pro Stunde von Besoffenen" schikanieren lassen, würden oft wie Abschaum behandelt.

Wenn es zu Auseinandersetzungen mit Gästen komme, die Drogen konsumiert hätten, laufe man Gefahr, ins Gefängnis zu kommen.

Und gegen eine Kugel, wie sie Ö. traf, habe man selbst als guter Kampfsportler keine Chance. "Wenn Ihr das nächste Mal feiern geht, denkt an meine Worte und vergesst nicht die Menschen die dort für EURE Sicherheit sorgen."

Polizei beobachtet Beerdigung

Der städtische Friedhof rechnet mit vielen Trauergästen zur Beerdigung. Von der Polizei heißt es: "Wir beobachten das und werden je nach Erkenntnissen Einsatzmaßnahmen treffen."

Die "Hells Angels" sind eine Rockergruppe, deren Mitglieder immer wieder durch Gewalt auffallen. Das Bundeskriminalamt bezeichnet die streng hierarchisch organisierten "Hells Angels" als "polizeilich relevant", was Rockerkriminalität angehe.

Björn präsentiert sich auf seiner Internetseite mit Slogans wie "Fuck the world" und "Hate society" und "Humanity is nothing more than a word".

Polizei geht von persönlichem Motiv aus

Auf Facebook zitiert er den Philosophen Immanuel Kant: "Den Tod fürchten die am wenigsten, deren Leben den meisten Wert hat." Ö. habe sich dem Angreifer heldenhaft in den Weg gestellt, um andere zu schützen, sagt Björn.

Auch der Disko-Betreiber betont, dass Ö. und andere Türsteher durch ihr Eingreifen die Gäste geschützt hätten.

Wie das Drama im Detail abgelaufen ist, ermittelt die Polizei und wertet dazu auch Videos aus. Die Beamten gehen von einem persönlichen Motiv aus. Der Angreifer, der von der Polizei getötet wurde, war der Schwager des Disko-Betreibers.

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(ben)

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