POLITIK
03/08/2017 09:39 CEST | Aktualisiert 04/08/2017 13:27 CEST

"Dunja Hayali": Linken-Chef will sich bei junger Soldatin anbiedern – doch die erteilt ihm eine Lektion

  • Im ZDF-Talk von Dunja Hayali ging es um den Bundeswehreinsatz in Mali

  • Linken-Chef Bartsch kritisierte den Einsatz scharf, eine Soldatin wies ihn zurecht

  • Bartsch wollte fürsorglich wirken, vergriff sich aber im Ton

  • Seine Aussage seht ihr im Video oben

Vor vier Jahren billigte der deutsche Bundestag den Bundeswehreinsatz in Mali. Lange hörte man wenig über die Mission der Streitkräfte in dem westafrikanischen Land.

Das änderte sich am vergangenen Mittwoch schlagartig, als ein Bundeswehrhubschrauber in Mali abstürzte — zwei Soldaten starben.

Seither stellen sich viele Menschen die Frage: Was bringt der Einsatz der Bundeswehr in Mali? Sorgt das Parlament wirklich für die Sicherheit der Deutschen, wenn es die Armee in ferne Länder entsendet?

Auch ZDF-Talkmaster Dunja Hayali setzte das Thema am Mittwochabend auf ihre Agenda. Die Diskussion, die entbrannte, hatte es in sich: Weil der Linken-Vorsitzende Dietmar Bartsch sich ordentlich verpokerte.

Politik denke nicht "an die Menschen"

Bartsch saß auf Hayalis Sofa neben der Soldatin Nariman Reinke, die unter anderem zwei Mal in Afghanistan im Einsatz war. Sie kritisierte angesichts der schlechten Ausrüstung der Bundeswehr, die Politik denke nicht "an die Menschen".

Bartsch wollte das offenbar dafür nutzen, bei der Soldatin zu punkten. "Wenn es nach uns ginge, dann würde es den Einsatz in Mali nicht geben, weil wir nicht sehen, dass da irgendwelche sicherheitspolitischen Interessen Deutschlands wirklich vertreten werden", sagte Bartsch.

Doch das war offensichtlich nicht, was Reinke hören wollte. Bereits während Bartsch sprach und den Einsatz einen "Riesenfehler" nannte, biss sich die Soldatin bereits ungeduldig auf die Lippe. Spätestens als der Linken-Politiker den Einsatz mit dem Afghanistan-Einsatz verglich, war seine Charme-Offensive gescheitert.

Bartsch vergreift sich im Ton

Zur Beendigung des Mali-Einsatzes sagte Bartsch an die muslimische Soldatin gewandt: "Sie haben das im Übrigen nicht zu entscheiden, Sie sind eine Parlamentsarmee. Wenn wir an der Regierung sind und sagen, der wird beendet, dann wird der beendet und Sie kommen ordentlich zurück und dann wird es keinen Toten mehr geben."

Reinke strafte Bartsch für seinen dreisten und anmaßenden Ton ab: "Als allererstes entscheidet das der Wähler."

Zweitens könne man nicht einfach anfangen, "eine Suppe zu kochen und hört dann mittendrin auf", kritisierte die Soldatin Bartschs einfaches Heilrezept. "Sie können nicht anfangen, etwas aufzubauen – wir haben in Afghanistan seit 39 Jahren diese Krise. Glauben Sie das kriegt man in 15 Jahren hin?"

Es gehe immerhin um drei Generationen, die in den Krieg hineingeboren seien. "Alles wofür meine über 50 gefallenen Kameraden gekämpft haben, was sie dort geleistet haben, unter welchen Entbehrungen sie geleistet haben, wurde durch den Abzug (...) zunichte gemacht", wütete die Soldatin.

Soldatin wird emotional

Das sei ein "Hohn" für die gefallenen Bundeswehr-Angehörigen.

Plötzlich beteuerte Bartsch, es sei ja die Regierung gewesen, die die Soldaten damals abgezogen habe. Schnell rückte er von seiner so anti-interventionistischen Haltung ab.

Sein Vorschlag, die Entwicklungsarbeit in Mali und Afghanistan ohne die Beteiligung von Soldaten zu gestalten, zeigte, wie sich Bartsch die Bekämpfung von Fluchtursachen in der Praxis vorstellt.

Dass humanitäre Hilfe allein reiche, glaubt die Soldatin jedoch nicht. "Wer bildet denn die Sicherheitskräfte aus? Der Entwicklungshelfer oder die Bundeswehr?", fragte sie Bartsch.

Auch Hayali, die sich zuvor in Mali selbst ein Bild von der Lage gemacht hatte, verlor irgendwann die Geduld mit dem Linken-Politiker. Natürlich reiche es nicht nur, die Armee zu entsenden. Dennoch stelle sich die Frage: "Wenn man die Bundeswehr jetzt abziehen würde, was würde denn dann passieren?“

Bartsch hatte keine Antwort. "Naja, erst mal haben wir sie ja hingeschickt..."

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(mf)

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