Ein Sozialamt nahm Eltern ihr Baby weg, weil sie zu dumm seien - jetzt wehren sie sich

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  • Ein Paar aus Oregon kämpft seit vier Jahren um das Sorgerecht für seine Kinder
  • Die Behörden hatten es ihnen entzogen, weil der IQ des Paares zu niedrig sei
  • Nun wendet sich das Paar an die Öffentlichkeit

Amy Fabbrini und ihr Lebensgefährte Eric Ziegler aus dem US-Staat Oregon haben zwei Söhne, doch das Kinderbett in ihrem Haus ist leer. Denn die Behörden haben ihnen die beiden Kinder weggenommen und das Sorgerecht entzogen.

Nicht, weil die Behörden Missbrauch oder Vernachlässigung feststellten, sondern weil der IQ des Paares als zu niedrig eingestuft wurde. Das hat die Zeitung “The Oregonian” berichtet.

Macht die Intelligenz gute Eltern aus?

Der Vorwurf der Behörden lautet, dass das Paar nicht die geistigen Fähigkeiten besäße, sich um die beiden Kinder zu kümmern. Laut eines offiziellen Intelligenztests hat Amy einen IQ von 72, der IQ ihres Lebensgefährten beträgt 66.

Der durchschnittliche IQ in den USA beträgt 90 bis 110. Erst ab einem IQ von unter 50 wird von einer geistigen Behinderung gesprochen.

Müssen Eltern also schlau genug sein, um Kinder erziehen zu dürfen und macht das intelligente Menschen automatisch zu guten Eltern?

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Ihre erste Schwangerschaft hatte die 31-jährige erst bemerkt, als ihr Sohn Christopher im September 2013 geboren wurde. Auch der Vater hatte erst im Moment der Geburt bemerkt, dass Amy schwanger war.

Vater und Behörden stellen sich gegen das Paar

Der offizielle Fall-Bericht wurde von den Behörden nicht veröffentlicht, aber laut der Nachrichtenseite “Raw Story” werfen sie den Eltern vor, die banalsten Dinge zu vergessen, daran erinnert werden zu müssen, den Hund zu füttern, Sonnencreme nicht nur im Gesicht aufzutragen oder die Hände zu waschen, nachdem sie auf der Toilette waren.

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Außerdem hätte Eric Ziegler mit dem Baby auf dem Boden geschlafen und sich im Schlaf beinahe auf das Baby gerollt. Er wird in dem Bericht als geistig zurückgebliebener und leicht reizbarer Mensch beschrieben, der keiner Arbeit nachgehe. Auch Amy ist derzeit ohne Arbeit.

Amy Fabbrini hatte zuvor sieben Jahre lang das geteilte Sorgerecht für die beiden Kinder aus ihrer ersten Ehe. Doch auch die Zwillinge leben nun nicht mehr bei ihr. Ihr Vater behauptet, dass er und seine Frau sich maßgeblich um die beiden Kinder gekümmert hätten.

Hilfe aus Politik und Medien

Die beiden haben sich nun an die Medien gewandt, nachdem auch eine Petition aus dem März dieses Jahres keinen Erfolg gebracht hatte.

Die Petition hatte Sherrene Hagenbach, eine ehemalige Mitarbeiterin des Sozialamtes, das überprüfen sollte, ob das Paar geeignete Eltern seien, online gestellt. Nachdem sie den zuständigen Behörden mitgeteilt hatte, dass sie das Paar für fähige Eltern hält, wurde sie entlassen, berichtet “Oregon Live”. "Ich konnte nicht erkennen, dass die beiden intellektuell nicht in der Lage wären, ihre Kinder zu erziehen“, sagte sie.

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Auch der republikanische Senator des Bundesstaates Tim Knopp hat sich nun in den Fall eingeschaltet und kämpft dafür, dass die beiden das Sorgerecht für ihre Kinder zurückbekommen. Er sagte, dass er bei einem Treffen keine Anzeichen dafür gesehen habe, dass die beiden unqualifizierte Eltern seien. Er sei der Meinung, dass der Staat gerade Menschen mit Behinderung unterstützen sollte.

“Ich denke, dass der Staat in einem Fall, in dem es keine spezifische Anschuldigung des Missbrauchs oder der Vernachlässigung gibt, Familien zusammenführen sollte und die Kinder nicht in eine Pflegeeinrichtung schicken sollte”, sagte er der Zeitung.

Die Tante der Mutter kann die Entscheidung der Behörden ebenfalls nicht verstehen.

Seit vier Jahren kämpfen die Eltern für das Sorgerecht

Der Streit mit den Behörden um das Sorgerecht dauert nun schon seit 2013 an. Damals wurde ihr erster Sohn Christopher geboren.

Kurz darauf war ein anonymer Hinweis bei den Behörden eingegangen. Aller Wahrscheinlichkeit von Amys Vater, obwohl er sie in seinem Haus wohnen lässt. Dieser hält seine Tochter nicht für eine geeignete Mutter.

“Sie hat keinen Mutterinstinkt”, sagte er einer Reporterin von “Oregon Live”. Doch Amy Fabbrini sagte, sie liebe Kinder. Sie wäre von Kindern umgeben aufgewachsen, da ihre Mutter Vorschullehrerin gewesen sei.

Das Paar hofft auf einen Sieg vor Gericht

Das Paar bekam dieses Jahr noch einen weiteren Sohn, doch gleich nach der Geburt im Krankenhaus wurde ihnen auch dieses Kind weggenommen.

Auch deutsche Medien wie die “Welt” und “RTL II” hatten über den Fall berichtet.

Die Behörden weigern sich noch immer, den Eltern das Sorgerecht zurückzugeben und die Kinder wieder in die Obhut ihrer Eltern zu geben. Das Paar geht gerichtlich gegen sie vor und hofft, dass ihre Fürsprecher wie Sherrene Hagenbach und Tim Knopp das Urteil des Gerichts zu ihren Gunsten beeinflussen wird.

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(ame)

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