Frauen in Burkas oder ein leerer Bus? Rechte flippen beim Anblick dieses Bildes aus

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  • Ein eigentlich harmloses Bild hat in Norwegen eine Welle von Hass erzeugt
  • Viele rechte Facebook-Nutzer hielten sechs leere Bussitze für Frauen in Burkas
  • Für den Urheber ist das ein Lehrstück, wie schnell einige seiner Landsleute beim Thema Islam überreagieren
  • Eine Zusammenfassung der Geschichte seht ihr oben im Video

Am Anfang war es ein Scherz, den sich der Norweger Johan Slåttavik erlaubte. "Ein bisschen unschuldiges Trolling", wie er selbst sagt.

Ende Juli postete er das Bild von sechs unbesetzten Bussitzen im Sonnenlicht in die rechte Facebookgruppe "Fedrelandet viktigst" ("Vaterland zuerst") - zusammen mit der Frage: "Was denken Leute hierüber?"

Mit der nachfolgenden Resonanz hat er nicht gerechnet.

Viele der fast 13.000 Gruppenmitglieder sahen nämlich das, was sie sehen wollten: sechs Frauen in Burkas. Für sie versinnbildlichte das Foto die aktuelle Situation in Norwegen.

"Schmeißt sie raus aus meinem Land"

Erbost kommentierten über hundert Nutzer das Foto:

"Das sieht sehr beängstigend aus und sollte verboten werden. Man kann nie wissen, wer sich darunter verbirgt. Könnten Terroristen mit Waffen sein."

Schmeißt sie raus aus meinem Land. Die, die wie zusammengebrochene Regenschirme aussehen. Es sind beängstigende Zeiten, in denen wir leben.

"Ich dachte, das wäre so im Jahr 2050. Aber es passiert JETZT!!!"

Wie Vorurteile Bildung übertrumpfen

Das skandinavische Land nahm in den vergangenen Jahren eine große Zahl muslimischer Migranten auf. Derzeit sollen etwa 150.000 Muslime in Norwegen leben, bei insgesamt 5,3 Millionen Einwohnern.

Als Facebook-Nutzer Sindre Beyer die gesammelten Antworten der geschlossenen Gruppe veröffentlichte, ging das harmlose Foto viral. Beyer sei über das Ausmaß von Hass und Fake News in der Gruppe geschockt gewesen.

"Der Hass, den einige bei leeren Bussitzen offenbarten, zeigt wirklich, wie dermaßen Vorurteile Bildung übertrumpfen", erklärte Beyer dem Nachrichtenportal "The Local".

Internationale Medien, von der US-Zeitung "Washington Post" über den britischen "Independent" bis hin zur "Bild"-Zeitung berichten daraufhin über das gepostete Fotos und seine tragisch-komischen Folgen.

"Ich hatte einen ordentlichen Lachanfall"

Und was denkt Urheber Slåttavik über seinen Streich? Gegenüber der "Washington Post" sagte er: "Ich hatte einen ordentlichen Lachanfall."

Für ihn hätte die ganze Geschichte auch einen erzieherischen Effekt gehabt.

"Ich habe über die Unterschiede zwischen der legitimen Kritik an der Einwanderung nach Europa und dem blinden Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit nachgedacht. Ich wollte diese Unterschiede betrachten: Ich glaube etwas habe ich erreicht, als ich diesen konkreten Witz geschaffen und die Reaktionen beobachtet habe."

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