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01/08/2017 10:39 CEST | Aktualisiert 01/08/2017 17:08 CEST

Wegen Handelsboykott: Katar verklagt mehrere Golfstaaten

Amr Dalsh / Reuters
Katar heizt die diplomatische Krise wieder an - und verklagt mehrere Golfstaaten

  • Katar hat gegen den Handelsboykott mehrerer Golfstaaten Klage bei der WTO eingereicht

  • Diplomaten fürchten, dass in dem Verfahren ein weltweites Tabu gebrochen werden könnte

  • Unterdessen hat eine Zeitung die scheinheilige Politik der Vereinigten Arabischen Emirate entlarvt

Still ist es geworden um Katar in den westlichen Medien. Doch die Krise zwischen dem Emirat am Golf und seinen Gegnern ist längst nicht beigelegt.

Am Montag hat Katar nach einem Bericht der Presseagentur Reuters gegen seine Gegner am Persischen Golf eine Klage bei der Welthandelsorganisation WTO eingereicht.

Katar setzte eine Frist von 60 Tagen: Wenn bis dahin der Streit nicht beigelegt ist, drohen eine Klage und wirtschaftliche Sanktionen.

Klage könnte ein Tabu brechen

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Bahrain boykottieren und isolieren Katar seit Anfang Juni. Auch Ägypten ist mit von der Partie, wird aber in der Klage nicht genannt.

Der Fall ist nicht nur für Katar relevant, sondern könnte Präzedenzcharakter bekommen: Denn laut Reuters rechtfertigen Katars Gegner ihren Boykott mit Gründen der nationalen Sicherheit.

Auf diese Ausnahmeregelung der WTO, die sich dem freien Handel verpflichtet fühlt, hätten sich bislang nur wenige Staaten berufen. Juristen fürchteten nun, dass ein Tabu gebrochen werde. Sollte die WTO den Gegnern Katars Recht geben, könnten auch andere Länder sich auf Sicherheitsgründe berufen, um Handelsvereinbarungen zu verletzten.

Katars Gegner werfen dem Land Unterstützung von Terroristen vor, unter anderem der Muslimbruderschaft und der Taliban. Außerdem missfällt der sunnitischen Großmacht Saudi-Arabien, dass die Kataris relativ gute Beziehungen zum Erzrivalen, dem schiitisch dominierten Iran, unterhalten.

Die Vorwürfe wirken allerdings zumindest in Teilen scheinheilig.

Neue Enthüllung blamiert die VAE

So enthüllte etwa die "New York Times" am Montag, dass die VAE zwar angeprangert hatten, dass die radikalislamischen Taliban 2013 in Katar eine Botschaft eröffnen durften. Doch in Wirklichkeit war die Führung der VAE vor allem erbost, weil sie selbst die Niederlassung der Radikalen hätte im Land haben wollen.

Das geht aus einer geleakten E-Mail hervor sowie aus Gesprächen mit drei ehemaligen US-Beamten, schreibt die "New York Times".

Die Enthüllung zeigt einmal mehr: In der Katar-Krise geht es vor allem um die Vormachtstellung am Golf.

Mehr zum Thema: Am Persischen Golf droht Krieg - und es geht um weit mehr als nur Katar

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(ll)

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