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01/08/2017 15:36 CEST

Die japanische Geister-Insel Hashima hat eine grausame Geschichte

Unmengen Beton, die aus dem Wasser ragen. Hashima trägt den Beinamen

Die Japaner nennen Hashima ehrfurchtsvoll "Gunkanjima", was so viel wie "Schlachtschiff-Insel" bedeutet. Ein Beiname, der sich dem Betrachter binnen Sekunden erschließt. Vom Festland aus betrachtet, wirkt es tatsächlich so, als würde ein Kriegsschiff vor Anker liegen. Mächtige Mauern, mehrgeschossige Gebäude und ein Fels ragen - völlig unbeeindruckt vom rauen Seegang - aus dem Ostchinesischen Meer. Einst stand der Ort für Fortschritt und Hoffnung, doch die lange Geschichte der Insel hat auch ihre dunklen Kapitel.

Japan besteht aus fast 7000 Inseln, Hashima zählt zu den kleinsten. Trotzdem lebten auf einer Fläche von neun Fußballfeldern einst unfassbare 5259 Menschen. Der Grund: Kohle. Die Nachfrage nach dem "schwarzen Gold" war in den vergangenen Jahrhunderten extrem hoch und vor allem die Gegend um die Stadt Nagasaki war für große Kohle-Vorkommen bekannt. Nachdem bereits auf den Nachbarinseln erfolgreich Untersee-Abbau betrieben wurde, kaufte der Konzern Mitsubishi 1890 das bis dahin unbedeutende Mini-Eiland Hashima und errichtete darauf eine wahre Festung.

Im Film "Skyfall" stellt James Bond (Daniel Craig) seinen Widersacher Raoul Silva (Javier Bardem) auf Hashima - hier können Sie den Film streamen

Doch nicht nur der 200 Meter lange Förderschacht war revolutionär. Um Arbeiter anzulocken, stampfte Mitsubishi eine Musterstadt aus dem Boden, in der es den Bewohnern an nichts fehlte - außer an Platz vielleicht. Hashima schrieb in den darauffolgenden Jahrzehnten an einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Eine Geschichte, die mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs ein abruptes Ende nahm.

Der Weltkrieg als Blaupause

Hashimas Arbeiter mussten von heute auf morgen ihre Schaufel gegen ein Gewehr tauschen. Um die steigende Nachfrage trotzdem stillen zu können, schickte die japanische Führung tausende Zwangsarbeiter aus China und Korea auf die Insel. Unter unmenschlichen Bedingungen mussten sie Untertage schuften. Schätzungsweise 1300 Arbeiter starben an Erschöpfung oder wurden nach Gasexplosionen verschüttet.

Mit dem Ende des Weltkriegs erlebte Hashima einen erneuen Aufschwung. Der Bedarf an Kohle war höher als je zuvor und um die Insel auch für Familien attraktiv zu machen, investierten die Betreiber viel Geld. Die Infrastruktur wurde verbessert, es entstanden Freizeitmöglichkeiten, Schulen und sogar ein Hotel. Der Boom hielt lange an. Als am 15. Januar 1974 die Stilllegung der Werke beschlossen wurde, verließen alle Bewohner die Insel fluchtartig und ließen fast ihr komplettes Hab und Gut zurück. Es entstand eine überdimensionale Zeitkapsel, die heute nach und nach für Touristen geöffnet wird.