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31/07/2017 16:06 CEST | Aktualisiert 31/07/2017 18:23 CEST

Zwei Männer wollten ohnmächtiger Frau im Zug helfen - wie das Bahnunternehmen jetzt reagiert, macht wütend

Fabrizio Bensch / Reuters
Kann man zum Schwarzfahrer werden, wenn man jemandem hilft?

  • Zwei Männer haben in einem Zug auf dem Weg nach Grafing einer Frau mit Kreislaufschwäche auf einen Sitzplatz geholfen

  • Der befand sich in der 1. Klasse - dafür sollen sie jetzt zahlen, weil sie nur Tickets für die 2. Klasse hatten

  • Das Unternehmen zeigt kein Verständnis für die Notsituation

Auch Notsituationen setzen die strikten Regeln der Bahn nicht außer Kraft. Das zeigt ein Vorfall, der sich am 22. Juni in der Oberlandbahn "Meridian" ereignet hat, zeigt. Das berichtete der “Merkur”.

Zwei Männer haben ihrer Begleiterin Liane F. geholfen, als sie nach eigenen Angaben einen Kreislaufkollaps erlitten hat. Jetzt müssen alle drei dafür eine Geldstrafe zahlen.

60 Euro für Hilfsbereitschaft

Nachdem die Frau an dem heißen Tag den gekühlten Zug am Ostbahnhof München betreten hatte, um nach Grafing zu fahren, habe sie gemerkt, wie ihr der Kreislauf weggerutscht sei, sagte sie dem “Merkur”.

Ihre Begleiter reagierten aber schnell und setzten sie auf einen freien Platz, berichten sie. Dieser befand sich allerdings in der 1. Klasse - die drei hatten aber nur ein Ticket für die 2. Klasse gekauft.

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Lange saß die Frau dort nicht, denn ihr Kreislauf hatte sich recht schnell wieder normalisiert. "Gerade als wir wieder aufstehen wollten ist ein Kontrolleur gekommen und hat gemeint: ‘Sie gehen jetzt nirgendwo hin'", sagt Liane F.

Keine Verständnis für die Situation

Der Zug war zu diesem Zeitpunkt nach den Angaben der drei Fahrgäste überfüllt. Deshalb konnten sich die Helfer nicht nach einem freien Platz in der 2. Klasse umsehen.

Obwohl sie dem Bahnmitarbeiter ihre Situation schilderten, stellte er allen dreien ein Strafticket in Höhe von 60 Euro aus - wegen Schwarzfahrens. “Der hat uns sogar die Ausweise abgenommen und war sehr unfreundlich“, schildern die Frau und Robert P., einer der Begleiter. Auch ein Zivilpolizist unterstützte ihn dabei.

Die Bahn gibt ihrem Kontrolleur Recht

Robert P. hat nun einen Brief an das Bahnunternehmen geschrieben, weil die drei die Strafe nicht zahlen wollen. Dies blieb jedoch ohne Erfolg, wie der "Merkur" berichtet, da die Antwort des Unternehmens lautete: Es wären 15 Plätze in der zweiten Reihe frei gewesen. Nach diesen hätten sie sich umsehen müssen.

“Wer Hilfe leistet, wird bestraft“, beklagte Robert P. Das dürfe nicht passieren. Deshalb will er sich nun an die Schlichtungsstelle wenden.

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(ujo)

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