POLITIK
31/07/2017 16:35 CEST

Warum Erdogan gerade dutzende Leute ins Gefängnis wirft, die dieses harmlose T-Shirt tragen

  • Die Verhaftungswelle in der Türkei geht weiter

  • Medien berichten: Schon ein falsches T-Shirt reicht, um ins Visier der Justiz zu geraten

  • Über 20 Menschen mit einem harmlosen "Hero"-Shirt wurden in zwei Wochen festgenommen

1098 Verhaftungen waren es allein in der vergangenen Woche: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan geht weiter scharf gegen vermeintliche Terroristen und politische Gegner vor.

Menschen, denen vorgeworfen wird, der islamischen Gülen-Bewegung anzugehören, geraten ins Visier - ebenso kurdische Politiker oder linke Aktivisten.

Doch dabei bleibt es nicht: Offenbar reicht es in der Türkei mittlerweile, das falsche T-Shirt zu tragen, wie auch das Video oben zeigt.

Ein "Hero"-Aufdruck bedeutet Gefängnis

Über 20 Menschen, die ein Oberteil mit dem Aufdruck "Hero“ getragen haben, sollen in der Türkei in den vergangenen zwei Wochen festgenommen worden sein. Das berichtet unter anderem der US-Sender CNN.

Dabei ist das T-Shirt nicht etwa ein politisches Kampfmotiv. Zumindest war es das anfangs nicht. Im Gegenteil: Das weiße Shirt mit dem schwarzen "Hero“-Print wurde von der beliebten türkischen Modemarke Defacto in Einkaufszentren in der ganzen Türkei verkauft.

Politisch aufgeladen ist es nun trotzdem. Denn Gokhan Guclu, ein ehemaliger türkischer Soldat, der nun beschuldigt wird, Gülenist zu sein, trug das T-Shirt bei seinem Gerichtsprozess.

Hat das Shirt eine geheime Bedeutung?

Nun laufen auch wegen seiner Kleiderwahl Ermittlungen: Gegen Guclu, seine Schwester, die ihm das T-Shirt ins Gefängnis schickte und die Leiter der Haftanstalt, die Guclu das Tragen des Kleidungsstück erlaubten.

Was stört die türkische Justiz an dem Motiv? Ist es die vermeintliche Heroisierung des Beschuldigten? Offenbar nicht nur das.

Die regierungsnahe türkische Zeitung "Sabah“ berichtet, "Hero“ könne auf Türkisch auch ein Akronym sein: Für die Phrase "Möge der geliebte Meister euch segnen.“ Eine angebliche Anspielung auf den als Terrorist denunzierten Prediger Fethullah Gülen.

In Folge von Guclus Auftritt vor Gericht häuften sich Vorfälle mit dem "Hero“-Motiv. Laut der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu wurden beispielsweise zwei Studenten verhaftet, die das T-Shirt gekauft hatten. "Wir haben die T-Shirts in einem Einkaufszentrum gekauft. Wir wussten nicht, dass sie verboten sind. Wir wollten zueinander passende Outfits haben“, sagten die Beiden demnach.

Auch ein Hotelarbeiter in Antalya hat laut CNN Probleme wegen des T-Shirts bekommen. Eine rechtliche Grundlage gibt es dafür bisweilen nicht. Die Firma Defacto hat den Verkauf dennoch gestoppt, berichtet die türkische Zeitung "Cumhuriyet“.

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(jg)

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