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31/07/2017 14:01 CEST | Aktualisiert 31/07/2017 16:03 CEST

In den Schulen unterrichten immer mehr unqualifizierte Lehrer - mit dramatischen Folgen für die Schüler

Ulrike Schmitt-Hartmann via Getty Images
In den Schulen unterrichten immer mehr unqualifizierte Lehrer - mit dramatischen Folgen für die Schüler

  • Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes kritisiert die Qualität der Lehrer an deutschen Schulen

  • Unter den Quereinsteigern leide der Unterricht, wie die Pisa-Studien gezeigt hätten

  • Besonders in ostdeutschen Bundesländern seien die Zustände gravierend

Den deutschen Schulen mangelt es an Lehrkräften. Seit Jahren klagen Lehrer, Eltern und Schüler über ausfallenden Unterricht und zu große Klassen.

Der neue Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Heinz-Peter Meidinger, hat nun vor einem weiteren gravierenden Problem gewarnt. Er ist überzeugt: Im Zuge dieser Engpässe stellen Schulen immer mehr unqualifizierte Lehrer ein.

Welche Probleme ein Quereinstieg in den Lehrberuf nach sich ziehen kann, könne man in Berlin derzeit sehen, warnt der Präsident des DL in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Dort stünden bereits schon die Hälfte der Lehrer, die naturwissenschaftliche Fächer unterrichteten, ohne Lehramtsstudium vor der Klasse.

"Dabei weiß man doch spätestens seit den Pisa-Studien, dass die Ergebnisse umso schlechter ausfallen, je höher der Anteil von Nichtfachlehrern liegt", sagte Meidinger.

Meidinger ruft die Bundesländer deshalb auf, auch in Zeiten des Lehrermangels nicht jeden Bewerber zu nehmen, sondern allenfalls befristet anzustellen. Das forderte er in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

"Es ist nicht vertretbar, in Mangelzeiten auch unzureichend qualifizierte Bewerber auf Dauer einzustellen", sagte Meidinger. Außerdem befürchte er, dass besseren Bewerbern so in den kommenden Jahren der Weg ins Lehramt versperrt werde.

Die Unterbesetzung der Lehrer in Ostdeutschland gravierend

Besonders problematisch ist die Situation im Osten Deutschland. Dort könnten sie ihre Unterrichtsversorgung nur durch geliehene Lehrer etwa aus Bayern aufrechterhalten, kritisierte der Lehrerpräsident. Zwar gebe es eine Rückkehrvereinbarung in den Süden, doch nur wenige bayerische Lehrer ließen sich gern in die Randregionen Ostdeutschlands versetzen.

Dort wurden Lehrerstellen nach der Wende wegen des Geburteneinbruchs sukzessiv gestrichen. Mit der Einschulung von Flüchtlingskindern sei dieser Missstand noch gravierender zu spüren, denn jetzt würden die damals entlassenen Lehrer dringend gebraucht – vor allem an den Grundschulen.

Zudem würden Länder auch in Zeiten von Engpässen in den seltensten Fällen über den Bedarf einstellen. Denn die verantwortlichen Politiker hätten Angst davor, dass sich die Schulen an eine Überversorgung gewöhnten, sagte Meidinger der "FAZ".

Fehlende Lehrstellen sind schon lange ein Problem

Bereits im letzten Jahr warnte der damalige Präsident der DL, Josef Kraus, gegenüber der HuffPost von fehlenden Lehrern für 300.000 Schüler.

Auch er sieht besonders in naturwissenschaftlichen Fächern dramatische Engpässe.

"Während es in manchen Fächern einen Überhang an Lehramtsbewerbern gibt, vor allem in den geisteswissenschaftlichen Fächern, fehlt es nach wie vor an Lehrern der sogenannten MINT-Fächer. Das sind die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik."

In vielen Ländern seien die Aufstiegsperspektiven für junge Lehrer sehr düster. "Dies und die Weigerung einiger deutscher Länder, Lehrer als Beamte einzustellen, ist auch der Grund dafür, dass diesen Ländern die Lehrer davonlaufen."

Thüringen und Berlin seien solche Negativbeispiele. Kraus forderte damals: "Wir brauchen in Deutschland rund 40.000 Lehrer mehr".

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(lp)

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