"Automafia vergast 10.000 Unschuldige": ARD-Journalist empört mit geschmacklosem Tweet

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JUERGEN DOESCHNER
"Automafia vergast 10.000 Unschuldige": ARD-Journalist empört mit geschmacklosem Tweet | CC-BY-SA 4.0 / Twitter
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  • Ein Journalist der ARD hat die Diesel-Abgasaffäre auf Twitter mit dem Holocaust verglichen
  • Die Äußerung sorgte für Empörung im Internet

Deutschland diskutiert über die Konsequenzen der Abgas-Affäre der deutschen Autobauer. ARD-Energieexperte Jürgen Döschner fordert in einem Tweet "drastische Taten".

Und mit eigenen drastischen Worten wollte er offenbar die Debatte voranbringen - sorgte stattdessen allerdings mit einem äußert geschmacklosen Vergleich für Empörung.

Auf Twitter schrieb Döschner am Sonntag: "Dieselgate - Wo drastische Taten fehlen, müssen wenigstens drastische Worte her: Deutsche Automafia vergast jedes Jahr 10.000 Unschuldige."

Mit dem Wort "vergast" stellt der ARD-Journalist eine Analogie zwischen dem Holocaust und der deutschen Abgas-Affäre her. Die Nationalsozialisten ermordeten mit Giftgas mehr als sechs Millionen Menschen in Konzentrationslagern.

Das soll mit der Abgas-Schummelei der deutschen Autobauern und ihren möglichen gesundheitlichen Folgen vergleichbar sein?

Das sagen Statistiken über die Abgase

Als eine Quelle schickte Döschner noch einen Artikel des Deutschlandfunks hinterher. Darin wird behauptet, die Stickoxide in Dieselabgasen verursachten jährlich über 10.000 Todesfälle in Deutschland.

Laut einer Studie der Organisation Environmental Health Analytics (LLC) in Washington sterben jährlich 38.000 Menschen wegen nicht eingehaltener Abgasgrenzwerte bei Dieselautos. 11.400 Todesfälle davon entfielen auf die EU. Die Gesamtzahl vorzeitiger Todesfälle durch Stickoxide aus Dieselabgasen lag demnach für die weltgrößten Automärkte bei 107.600.

Natürlich sind die Todesfälle durch Diesel-Abgase schlimm. Sie mit dem Holocaust, dem organisierten Massenmord, zu vergleichen, ergibt jedoch keinen Sinn - und verharmlost das Ausmaß der Nazi-Verbrechen.

"Dieser Tweet entwürdigt sich selbst"

"Handelsblatt"-Journalist Jürgen Flauger antwortete so auf Döschners Tweet: "Sorry, aber 'vergast' ist völlig daneben!"

Sein Kollege Sven Afhüppe twitterte: "Dieser Tweet entwürdigt sich selbst. So eine Entgleisung aus dem Öffentlichen Rundfunk. Unglaublich."

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Maik Beermann schrieb auf Twitter: "Dieselgate mit Holocaust vergleichen? Totale Entgleisung - und das bei den Öffentlich-Rechtlichen. Schlimm".

Jürgen Döschner verteidigte seinen Tweet: "Drastisch, wie gesagt...", schrieb er.

UPDATE, 12 Uhr: Döschner nahm seine umstrittene Äußerung mittlerweile zurück. "Für die Verwendung des Wortes 'vergasen' entschuldige ich mich ausdrücklich. War nicht meine Absicht, den Abgasskandal in Beziehung zum Holocaust zu setzen."

Der WDR teilte der HuffPost auf Anfrage mit, die Kritik an der Äußerung Döschners sei sehr gut nachvollziehbar. "Wir bitten um Entschuldigung."

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Mit Material der dpa.

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(jg)

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