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30/07/2017 12:21 CEST | Aktualisiert 30/07/2017 17:26 CEST

Dobrindt sieht die Marke "Automobil made in Germany" schwer beschädigt - eine Umfrage zeigt, dass er recht haben könnte

ewastudio via Getty Images
Verkehrsminsiter Dobrindt sieht die Marke "Automobil made in Germany" scher beschädigt - eine Umfrage zeigt, dass er recht haben könnte

  • Die deutsche Autoindustrie ist wegen mehrerer Skandale in der Krise

  • Die Mehrheit der Deutschen verliert deshalb das Vertrauen in die Autobauer

  • Auch Verkehrsminister Dobrindt sorgt sich um den Ruf deutscher Autos

Die deutsche Autoindustrie ist geschüttelt und gebeutelt - und hat mit Dieselskandalen und Kartellabsprachen ihren einst so guten Ruf offenbar selbst stark beschädigt.

Mehr als die Hälfte der Deutschen, ganze 53 Pro­zent, hal­ten die deut­schen Au­to­bau­er für nicht mehr ver­trau­ens­wür­dig. Nur fünf Prozent sprechen VW, Audi, Daimler und Co. noch ihr vollständiges Vertrauen aus, 39 Prozent halten die Autohersteller für “eher vertrauenswürdig”. Das ergab eine Umfrage des Meinungsinstituts Emnid für die Zeitung “Bild am Sonntag”.

Auch Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat die Autobauer scharf kritisiert. "Die Au­to­in­dus­trie hat sich in rich­tig schweres Fahr­was­ser ge­bracht. Es droht auch ein Scha­den für die Marke 'Au­to­mo­bil made in Ger­ma­ny'. Das emp­fin­de ich als furcht­bar", sagte er der “Bild am Sonntag”.

Die Autobauer müssten nun ihrer “verdammten Verantwortung” gerecht werden - und Fehler beheben.

"Die Wurzeln unseres wirtschaftlichen Erfolgs"

Die Krise sei für den Wirt­schafts­stand­ort Deutsch­land zu einer schwe­ren Be­las­tung ge­wor­den, so der Ver­kehrs­mi­nis­ter. “Dazu kommt, dass man­che Wort­füh­rer mit heim­li­cher Freu­de die Axt an die Wur­zeln un­se­res wirt­schaft­li­chen Er­folgs legen”, sagte Dobrindt.

Natürlich: Die Autoindustrie hat maßgeblichen Anteil an der Gesamtwirtschaft Deutschlands. An ihr hängen mehr als 800.000 Arbeitsplätze - diese Zahl war seit 25 Jahren nicht mehr so hoch. Doch die wirklichen Angestellten der Autobauer sind nicht die einzigen, deren Arbeitsplätze an der Industrie hängen: 1,8 Millionen Arbeitsplätze sind in Deutschland insgesamt von der Automobilindustrie betroffen.

Mehr zum Thema: Dieselautos könnten ihre Zulassung verlieren - warum das erst der Anfang radikaler Veränderungen für die deutschen Autofahrer ist

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Branche rund 400 Milliarden Euro - das heißt, dass im produzierenden Gewerbe in Deutschland ein Viertel von der Autoindustrie erwirtschaftet wurde. Für rund 7,7 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung ist unmittelbar oder mittelbar die Autoherstellung verantwortlich.

"Umfangreiche Aufklärung"

Klar, dass der Bundesregierung bei diesen Zahlen angst und bange wird, wenn es der heiligen Kuh Autoindustrie ans Leder geht.

Und so sehr Dobrindt auch die Autobauer kritisiert - die Autoskeptiker greift er auch an. “Man­che An­ti-Au­to-Ideo­lo­gi­en haben ge­ra­de Hoch­kon­junk­tur. Ideo­lo­gi­en dür­fen aber nicht der Maß­stab sein”, sagte der Minister. “Deutsch­land muss den Wil­len haben, durch In­no­va­ti­on Au­to-Land zu blei­ben. Für mich ist klar: Alle Vor­gän­ge von Ma­ni­pu­la­tio­nen wer­den voll­um­fäng­lich auf­ge­klärt."

Ma­ni­pu­lier­te Fahr­zeu­ge müss­ten in einen ord­nungs­ge­mä­ßen Zu­stand ge­bracht wer­den. Il­le­ga­les Ver­hal­ten werde das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um nicht to­le­rie­ren. Die Au­to­in­dus­trie müsse mehr Dy­na­mik bei In­no­va­tio­nen der An­triebs­tech­ni­ken an den Tag legen.

Das alles soll am Diesel-Gipfel am Mittwoch angestoßen werden. Das Spitzentreffen von Industrie und Politik biete die Chance, Ökologie und Mobilität näher zusammen zu bringen.

Doch auch Dobrindt selbst steht in der Kritik. Politiker von Grünen und SPD machen ihn für die Skandale mitverantwortlich und werfen ihm vor, untätig gewesen zu sein.

So hatte auch ein Kommentator des Magazins "Politico" in dieser Woche die Untätigkeit der deutschen Regierung in diversen Firmen-Skandalen gegeißelt. Er sieht nicht nur das Image der Autoindustrie gefährdet, sondern gar die Verhandlungsmacht der deutschen Regierung.

Deutsche sind für härtere Strafen

Im Vor­feld for­der­te Do­brindt SPD-Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Brigitte Zy­pries auf, zu den Kar­tell­vor­wür­fen gegen die Au­to­bau­er Stel­lung zu neh­men. "Das ver­un­si­chert noch wei­ter. Ich gehe davon aus, dass die für Kar­tell­fra­gen zu­stän­di­ge Bun­des­wirt­schafts­minis­te­rin beim Die­sel­gip­fel über die kar­tell­recht­li­chen Fra­gen spre­chen wird."

Die Deutschen sehen die Politik in der Pflicht. 75 Prozent der von Emnid Befragten wünschen sich, dass die Politik härter gegen Regelverstöße der Autobauer vorgeht. 16 Prozent wollen das nicht.

Dieselfahrverbote oder einen festgelegten Termin für einen Zulassungsstopp für Verbrennungsmotoren wollen aber die wenigsten. 71 Prozent der Deutschen sind laut der “Bild am Sonntag”- Umfrage gegen ein Verbot von Verbrennern.

Bloß kein Fahr- oder Zulassungsverbot

Auch Dobrindt hält das für eine schlechte Idee: “Wir wol­len, dass we­ni­ger Stick­oxi­de an der Quel­le aus­ge­sto­ßen und die Fahr­zeu­ge schnells­tens auf Kos­ten der Her­stel­ler op­ti­miert wer­den.”

Motoren mit Euro-5- oder Euro-6-Norm könnten mit neuer Steuerungssoftware deutlich verbessert werden. Beim Diesel-Gipfel erwarte Dobrindt daher ein akzeptables Angebot der Autobauer. Ein “Maßnahme-Mix” solle schließlich dafür sorgen, dass die Luftqualität in den Städten besser werde.

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