POLITIK
30/07/2017 18:18 CEST | Aktualisiert 31/07/2017 10:16 CEST

SPD-Generalsekretär Heil vergleicht Dobrindt mit einem Pferd

Reuters
SPD-Generalsekretär Heil vergleicht Dobrindt mit einem Pferd

  • SPD-Generalsekretär Heil hat die Union auf Twitter attackiert

  • Er warf den Parteichefs vor, den Posten des Verkehrsministers mit Dobrindt schlecht besetzt zu haben

  • Heil bemüht dafür einen historischen Vergleich - doch viele halten die Wortwahl für unwürdig

Es ist Wahlkampf. Wie das Wort schon sagt, ist das nicht die Zeit, in der sich Politiker mit Wattebäuschchen bewerfen.

Je nach Partei und persönlichem Anstand wird dann platt und inhaltsleer oder und geistreich und fundiert gepoltert, geschimpft, gefrotzelt.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil hat am Sonntag einen etwas ausgefallenen Beitrag zum Hickhack zwischen den Noch-Koalitionsparteien geleistet.

Er twitterte am Sonntag: "Merkel und Seehofer haben Dobrindt zum Verkehrsminister gemacht. Die schlechteste Personalwahl, seit Caligula sein Pferd zum Senator ernannt hat."

Caligula, der durchgedrehte Kaiser

Dazu muss man wissen: Caligula war ein römischer Kaiser, der kurz nach Christi Geburt an der Macht und ausgemachter Pferdenarr war. Er ließ der Überlieferung nach seinem Reittier namens Incitatus so allerlei Brimborium angedeihen, edler Futtertrog, nobles Zaumzeug et cetera.

Dann soll Incitatus auf Caligulas Betreiben zu höheren Weihen gekommen sein. Der Kaiser wollte sein Pferd zum Konsul machen und ihm somit einen ständigen Sitz im Senat verschaffen.

"Was ist nur mit der guten, alten SPD los?"

Auf Twitter entspann sich angesichts der Wortwahl Heils schnell eine Diskussion. Das sei beleidigend und niveaulos, war da zu lesen. Es zeuge von der Nervosität der SPD. Ulf Poschardt, Chefredakteur von "Die Welt" twitterte: "What happened to the good old SPD?"

"Incitatus hat keine größeren Schäden angerichtet"

Andere User kamen höchst ironisch zu anderen Schlüssen. Einer schreibt: "Sie tun Incitatus Unrecht. Es hat als Senator keine größeren Schäden angerichtet, von denen man wüsste."

Dobrindts Arbeit als Verkehrsminister ist geprägt von den Plänen zur Einführung der Pkw-Maut. Sie ist in der EU höchst umstritten, andere Staaten wollen dagegen vorgehen. Zudem steht Dobrindt wegen der Skandale der deutschen Autobauer in der Kritik. Er habe zu spät reagiert.

Schuss ins Knie

Nun hat die Pferdegeschichte allerdings noch einen Haken: Es gibt die Lesart, dass Caligula mit der politischen Beförderung seines Pferdes die anderen Politiker demütigen wollte. Es gibt ja Schmeichelhafteres als ein Pferd, das den gleichen Job macht wie man selbst.

Heil sollte nur daran denken, dass im politischen Zirkus Deutschlands ja nicht nur die Union sitzt. Sondern auch die SPD. Noch jedenfalls.

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(mf)

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