POLITIK
29/07/2017 20:40 CEST | Aktualisiert 30/07/2017 07:01 CEST

Messerattacke in Hamburg - das weiß die Polizei über die Tat und den Täter

dpa
Polizisten vor dem Edeka in Hamburg, in dem ein Mann mit einem Messer einen Menschen tötete und sieben weitere verletzte

Der Angriff dauerte nur einige wenige Minuten - jetzt bewegt er Deutschland.

Ein Mann hat am Freitagabend in einem Hamburger Supermarkt einen Menschen erstochen und sieben weitere teilweise schwer verletzt. Durch das beherzte Eingreifen von Passanten konnte er gestellt werden.

Was wissen wir bisher über den Täter? Und wie konnte es zu der Tat kommen? Hier sind die wichtigsten Fakten am Tag 1 nach der Bluttat.

So lief die Tat ab:

Kurz vor 15.00 Uhr: Der 26-Jährige betritt den Edeka-Markt an der Fuhlsbüttler Straße, um einzukaufen, verlässt den Laden kurz darauf.

15.08 Uhr: Der Mann steigt in der Nähe des Supermarktes in einen Bus, steigt aber sofort wieder aus.

15.10 Uhr: Er betritt Edeka-Markt wieder, geht zielgerichtet auf ein Verkaufsregal zu, nimmt ein Küchenmesser mit einer 20 Zentimeter langen Klinge aus der Auslage und attackiert einen 50-Jährigen. Er verletzt in dem Markt zwei weitere Menschen.

Täter flieht aus dem Markt und läuft die Fuhlsbüttler Straße entlang. Dort verletzt er noch mehr Menschen. Verfolger versuchen ihn aufzuhalten.

15.11 Uhr: Notruf geht bei der Polizei ein

15.13 Uhr: Polizei ist vor Ort. Beamte sehen "ein Gewusel von Täter und Personen mit Gegenständen bewaffnet" und geben Warnschüsse ab. Die Fahnder nehmen den 26-Jährigen in der Hellbrokstraße fest.

Wie die Hamburger auf die Tat reagieren, lest ihr hier.

Das wissen die Behörden über den Angreifer:

Der Messer-Angreifer von Hamburg ist den Sicherheitsbehörden als Islamist bekannt gewesen, wurde aber nicht als unmittelbar gefährlich eingeschätzt.

Die Behörden wissen: Es hat Anzeichen für eine Radikalisierung des 26-jährigen abgelehnten Asylbewerbers gegeben, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten geboren wurde.

Warum die Behörden nicht einschritten? Diese Frage könne derzeit niemand beantworten, sagte Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) am Samstag.

Der Angreifer sei ausreisepflichtig gewesen und habe sich im Ausreiseverfahren befunden, sagte Grote.

Durchaus verblüffend: Der Täter habe gegen seinen negativen Asylbescheid keine Rechtsmittel eingelegt und auch bei der Organisation von Passersatzpapieren mitgewirkt, berichtete Grote.

Noch am Freitag habe er sich bei der Ausländerbehörde erkundigt, ob seine Passersatzpapiere eingetroffen seien. Polizeipräsident Ralf Meyer sagte, der Mann sei in dieser Hinsicht eine "fast vorbildhafte Person" gewesen.

Das genaue Motiv für den Angriff blieb auch einen Tag danach unklar. Bei dem Mann gebe es auch Hinweise auf eine "psychische Labilität", erläuterte Grote.

Die Polizei glaubt, dass der Mann spontan gehandelt haben könnte. Er nahm erst im Supermarkt ein Messer und riss es aus der Verpackung. Den Ermittlern zufolge gibt es keine Hinweise auf Hintermänner oder ein Unterstützer-Netzwerk.

Der 26-Jährige kam 2015 als Flüchtling nach Deutschland.

Zuvor war er in Norwegen, Schweden und Spanien. Über Norwegen ist er im März 2015 nach Deutschland gekommen, zunächst nach Dortmund. Von dort aus reiste er nach Hamburg.

Wie es nun weiter geht:

Am Abend erließ ein Richter Haftbefehl gegen den 26-jährigen wegen des Verdachts auf vollendeten Mord sowie fünffachen versuchten Mord, wie die Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft, Nana Frombach, sagte.

Frombach sagte weiter, der Mann sei in der Untersuchungshaftanstalt Hamburg inhaftiert. Ihre Behörde sei mit der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe in Kontakt.

Anfang der Woche werde darüber beraten, ob die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen an sich zieht. Die Staatsanwaltschaft des Bundes beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe verfolgt Straftaten gegen die innere und äußere Sicherheit, also etwa Landesverrat oder Terrorismus.

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