"Faktenfrei": Die "FAZ" sorgt mit einem höchst fragwürdigen Kommentar zur Diesel-Krise für Aufregung

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FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG
Die "FAZ" kommentiert die Diesel-Krise - und verbreitet dabei völlig falsche Fakten | Tobias Schwarz / Reuters
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  • In der "FAZ" vom Samstag ist ein Kommentar erschienen, der den Diesel verteidigt
  • Der Grünen-Politiker Dieter Janecek ist der Meinung, dass die Zeitung falsche Fakten verbreitet

Kein Tag vergeht gerade, ohne dass nicht neue Enthüllungen über äußerst fragwürdige Praktiken der Autobauer ans Licht kommen. Klar, dass Kartell-Skandal und Diesel-Krise auch die deutschen Medien beschäftigen.

Auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") kommentiert in ihrer Samstagsausgabe die Diskussion der vergangenen Tage. Im Fokus steht der Diesel, den die "FAZ" verteidigt.

So weit, so erwartbar. Eine grüne Haltung hätte wohl niemand von der konservativen Tageszeitung erwartet.

Aber: Die "FAZ" verbreitet in ihrem Leitartikel zweifelhafte Fakten.

"Für den Feinstaub in den Städten, der für die Menschen gefährlich ist, sind nur zum kleineren Teil die älteren Dieselfahrzeuge verantwortlich. Der größere Teil stammt aus Heizungen, Öfen, Kraftwerken, Industrieanlagen, Flugzeugen, Schiffen, der Abfallverbrennung und der Landwirtschaft, vor allem aber auch vom Abrieb der Bremsen und Reifen", steht in der "FAZ".

Allerdings: Der Autor belegt diese These nirgends mit Zahlen.

"Heute faktenfrei ignoriert"

Diese Aufgabe versucht Dieter Janecek, wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen, zu übernehmen. Auf Twitter schreibt der Politiker: "Heute faktenfrei ignoriert vom Leitartikel der FAZ".

Dazu postet er eine Statistik des Umweltbundesamtes. Und nach der ist Straßenverkehr die Hauptursache für Stickstoffoxid.

Und auch an der Feinstaubbelastung in den Städten hat der Verkehr den größten Anteil, wie das Umweltbundesamt schreibt - in der Umgebung der schmutzigsten Straße Stuttgarts zum Beispiel, so berichtet die "Zeit", ist der Verkehr für die Hälfte der Feinstaubbelastung verantwortlich (deutschlandweit ist allerdings die Landwirtschaft der größte Verursacher von Feinstaub).

"Faktenfrei argumentiert die sonst sich so seriös gebende 'FAZ' in ihrem Leitartikel auf Seite 1, dass die Abgasbelastung in den Städten quasi gar nix mit dem Diesel zu tun habe", sagt Janecek der HuffPost.

"Dabei hätte ein einfacher Blick in die Erhebungen des Umweltbundesamtes diese Behauptung Lügen gestraft. Feinstaub und Stickstoffdioxid in relevanter Konzentration tötet Menschen, nachweislich, jedes Jahr. Doch viele wollen lieber weiter wegschauen und den Albtraum von der autogerechten Stadt weiter träumen."

Deutschland wird die Klimaziele ohnehin nicht erreichen

Man muss zugeben: Der Diesel-Kommentar der "FAZ" ist voll von nicht belegten, kurzsichtigen und einseitigen Behauptungen. Der Autor schreibt zum Beispiel: "Deutschland wird seine Klimaziele nicht einhalten können, wenn jetzt mehr großvolumige Benzinfahrzeuge gekauft werden."

Aber: Deutschland wird die selbstgesteckten Klimaziele ohnehin nicht einhalten können - zumindest nicht, was die Treibhausgasemissionen anbelangt. Außerdem: Den Diesel jetzt durch dicke Benziner zu ersetzen ist auch keine anstrebenswerte Lösung für die Städte - sie sollten vielmehr das Radfahren und den öffentlichen Nahverkehr fördern.

Der CO2-Ausstoß Deutschlands stagniert seit dem Jahr 2009. Rund 900 Millionen Tonnen Treibhausgase werden jährlich in die Luft gestoßen. Das ist mehr als doppelt so viel, wie in Frankreich. Natürlich liegt das nicht nur an Verbrennungsmotoren sondern auch an Kohlekraftwerken.

Aber es ist schlichtweg falsch zu unterstellen, dass Deutschland die Klimaziele einhalten könnte, wenn man den Diesel nicht verbietet.

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